APA/APA (AFP)/CHAIDEER MAHYUDDIN

Illegaler Plastikmüll aus Österreich retour aus Malaysia

Vier Monate nach Bekanntwerden eines illegalen Plastikmüll-Exports von Österreich nach Malaysia sind seit Donnerstag vier von 28 Containern wieder im Land. Das Umweltministerium informierte im vergangenen Oktober, die vom malaysischen Zoll entdeckten Behältnisse zur Analyse retournieren zu lassen. Die Grüne Umweltsprecherin Astrid Rössler ortete am Montag das "Wegwerfsystem" als Ursache für derartige Machenschaften und trat für reparaturfähige Produkte als Lösung ein.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte am Montag, dass die rund 100 Tonnen des Plastikmülls wieder in Österreich eingetroffen sind - die NGO berichtete im Ende 2020 über diesen Fall. "Wir brauchen dringend strenge Kontrollen, die sicherstellen, dass Unternehmen Verantwortung für ihren Müll übernehmen und ihre Abfälle umweltverträglich in Österreich verarbeiten", forderte Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich.

Laut orf.at befanden sich die Container vorerst am Bahnhof in Enns in Oberösterreich, dort wurden Proben entnommen. Zurückgeholt wurden das Kunststoffmahlgut von der FCC Mostviertel Abfall Service GmbH in Abstimmung mit dem Umweltministerium und im Auftrag des Eigentümers des exportierten Materials, berichtete das Tochterunternehmen der FCC Austria Abfall Service AG bereits in der Vorwoche. Laut eigenen Angaben verwerte und entsorge man jährlich mehr als 750.000 Tonnen Abfall in Österreich.

Gegenüber orf.at hieß es vonseiten des FCC, das man "keinen kontaminierten Kunststoffabfall in Österreich weitergegeben" habe und direkt also keinen Müll nach Malaysia verkauft habe. In einer Aussendung am Freitag hieß es vonseiten des Unternehmens, dass über die weitere Verwertung des Abfalls nach Vorliegen des Analyseergebnisses entschieden wird. Aktuell gebe es ein laufendes Ermittlungsverfahren bezüglich des Exportes des Kunststoffmahlguts. Die Service AG unterstütze die Behörden in der lückenlosen und transparenten Aufklärung der Angelegenheit und wird nach Vorliegen der Analysen über die Ergebnisse informieren.

Wie die NGO Greenpeace im Oktober berichtete, sollen 700 Tonnen nicht-recycelbares Material aus Österreich nach Malaysia verschifft worden sein. Foto- und Videomaterial und Aussagen des Recycling-Unternehmens in Malaysia hätten daraufhin gedeutet, dass der Händler in Asien entgegen der Vereinbarung gemischten nicht-recycelbaren Elektro-Plastikschrott erhielt, der deshalb auf einer Deponie landete. Das Verschiffen von gemischtem, also nicht-recycelbarem und mit Chemikalien belasteten Plastikmüll nach Malaysia ist wie in alle Nicht-OECD-Länder seit 2019 verboten.

Der wirtschaftliche Hintergrund: Fachgerechte Entsorgung oder Verbrennung von Müll in Österreich ist aufgrund von Umweltauflagen und höheren Lohnkosten teuer, laut Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe zwischen 100 und 170 Euro pro verbrannter Tonne. Beim vorliegenden Fall wären das bis zu 120.000 Euro gewesen.

700 Tonnen sind angesichts eines Berichts der EU-Umweltagentur EEA eine geringe Menge, denn alleine im Jahr 2019 sollen von der EU rund 1.700.000 Millionen Tonnen Plastikmüll exportiert worden sein. Dringendes Umdenken fordert angesichts der Malaysia-Causa die Umweltsprecherin der Grünen, Astrid Rössler: "Kurzlebige Produkte, die nicht einmal repariert werden können, landen täglich tonnenweise im Abfall", lautet ihre Kritik. Erzeuger und Handel sollen sich daher für langlebige und reparaturfähige Produkte einzusetzen und diesen Service anzubieten. Sie begrüßte jedoch die vielversprechenden Ansätze der EU, die im Kreislaufwirtschaftspaket auch ein Recht auf Reparatur geplant hat.

(S E R V I C E - Greenpeace-Hintergrundpapier zum aktuellen Fall: https://bit.ly/2HqfWeA)

ribbon Zusammenfassung
  • Vier Monate nach Bekanntwerden eines illegalen Plastikmüll-Exports von Österreich nach Malaysia sind seit Donnerstag vier von 28 Containern wieder im Land.
  • Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte am Montag, dass die rund 100 Tonnen des Plastikmülls wieder in Österreich eingetroffen sind - die NGO berichtete im Ende 2020 über diesen Fall.
  • Beim vorliegenden Fall wären das bis zu 120.000 Euro gewesen.