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Hygiene Austria: Masken in Österreich bei Vorprüfung durchgefallen - in Ungarn zertifiziert

04. März 2021 · Lesedauer 3 min

Die FFP2-Masken von Hygiene Austria wurden nicht in Österreich, sondern Ungarn zugelassen. Bei einer Vorprüfung in Österreich fielen sie durch.

Die umstrittenen FFP2-Masken von Hygiene Austria wurden nicht in Österreich geprüft. "Die Masken sind nicht von uns zertifiziert worden", hieß es aus dem Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) am Donnerstag zur APA. Die Nummer der notifizierenden Stelle, 2233, weist darauf hin, dass das Zertifikat aus Ungarn stammt. Hersteller können ihre mit CE-Kennzeichnung versehenen Produkte grundsätzlich in jedem europäischen Land prüfen lassen.

Das gilt dann für den gesamten europäischen Wirtschaftsraum. Laut BEV können sich die Hersteller aussuchen, zu welcher Stelle sie gehen.

In jedem Land der EU gibt es eine Behörde - in Österreich ist es das Wirtschaftsministerium -, die die notifizierenden Stellen bekannt gibt. Diese werden in die sogenannte NANDO-Datenbank der EU-Kommission eingetragen. Aus Österreich ist dort neben dem BEV auch das ÖTI - Institut für Ökologie, Technik und Innovation GmbH gelistet.

Ungarische Prüfstelle

Die Masken von Hygiene Austria tragen die Kennzeichnung CE 2233. Diese Zahlenkombination gehört der ungarischen Prüfstelle GÉPTESZT Termelőeszközöket Felülvizsgáló és Karbantartó Kft. mit Sitz in Budapest, wie aus der NANDO-Datenbank hervorgeht. Laut Wirtschaftsministerium suchte Hygiene Austria Mitte 2020 um Zertifizierung an, damals konnte das heimische BEV aber noch nicht prüfen. "Das BEV ist seit 27. November 2020 auch eine notifizierte Stelle und hat ein zertifiziertes Prüflabor", hieß es aus dem Amt am Donnerstag.

Vorprüfung "nicht positiv" ausgefallen

Dem Wirtschaftsministerium zufolge hat man damals aber eine "Vorprüfung" der Hygiene-Austria-Masken durchgeführt und festgestellt, "dass sie nicht den EU-Reglementierungen entsprechen", wie der "Standard" am Donnerstag schrieb. Auch die "ZiB2" des ORF berichtete am Mittwoch, dass die Vorprüfung "nicht positiv" ausgefallen sei. Bei der Beschaffung von FFP2-Masken für Ältere (65 plus) gab es offenbar ebenfalls Probleme, geht laut dem Zeitungsbericht aus einem E-Mail-Verkehr mit der Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG) hervor. Die BBG habe im Auftrag des Gesundheitsministeriums an die Firma geschrieben, dass im Angebot wichtige Teile fehlten. "Somit ist eine Beurteilung nicht möglich", hieß es laut "Standard". Vermisst worden seien beispielsweise die regelmäßige externe Überprüfung der Qualität und "100 Prozent heimische Produktion". Hygiene Austria habe Ende November beides zugesichert.

Supermärkte nehmen Masken aus dem Sortiment

Chinesische Lohnfabrikanten

Am Mittwochabend sprach Hygiene Austria hingegen im Zusammenhang mit den von einem chinesischen Lohnfabrikanten gefertigten Masken "nach dem Baumuster der Hygiene Austria" von einer Schweizer Zertifizierung. "Die CE Zertifizierung nach EN149:2001 wurde durch das Schweizer Unternehmen SGS einwandfrei sichergestellt", so das Unternehmen in einer Aussendung. "Die Gutachten für die Masken liegen vor und werden der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt werden."

Hygiene Austria hat Masken in China eingekauft

Die Norm 149:2001 legt Mindestanforderungen für Atemschutzmasken der Klassen FFP1 bis FFP3 fest.

Als die Coronakrise in Österreich ausgebrochen ist, gab es in hierzulande zwar das ÖTI als Notifizierungsstelle, aber noch kein entsprechendes Prüflabor für Masken, hieß es aus dem BEV zur APA weiter. Eine Übergangslösung waren die CPA-Masken (Corona SARS-CoV-2 Pandemie Atemschutzmasken), eine österreichische Spezialität. Diese mussten nicht das komplette Prüfverfahren der ÖNORM EN 149 durchlaufen. Laut BEV konnten die CPA-Masken mit einem positiven Prüfbescheid des BEV vom ÖTI zertifiziert werden. "Die CPA-Masken werden auslaufen. Die waren eine Übergangslösung, um die Knappheit am Markt abzudecken", erklärte ein Vertreter des Amts.

Sämtliche in der EU-Datenbank aufgelisteten Prüfstellen - es sind im Bereich Atemschutz über 40, davon drei aus der Türkei - müssen nach denselben Kriterien vorgehen. Mit der CE-Kennzeichnung verspricht der Hersteller, dass sein Produkt den entsprechenden Anforderungen genügt. Erst wenn die Prüfstelle die Konformität des Produkts bestätigt hat, kommt zum CE-Zeichen eine vierstellig Kennnummer.

Quelle: Agenturen / moe