Hörl will Wolf und Bär ganzjährig bejagen
"Alle Großraubtiere gehören auf den Abschussplan", erklärte Hörl, der voraussichtlich noch diesen Herbst wieder in den Nationalrat nachrücken wird. Und seiner Ansicht nach hätten es die Bundesländer sowie der Bund bereits jetzt in der Hand, entsprechendes in die Wege zu leiten. Der "günstige Erhaltungszustand", also eine ausreichende Anzahl von Wölfen, sei bereits gegeben und sollte vom Landwirtschafts- und Umweltministerium auch "national" sowie unter Einbeziehung des alpinen Raumes gesehen und damit festgestellt werden. Hörl verwies etwa auf ein gefälltes Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Wolfsjagd in Estland vom Juni, das dem in die Karten spiele. Die Bundesländer sollten dann wiederum mit Jagdgesetz-Novellen endgültig den Weg zu einer "regulären Bejagung" freimachen - wie bei anderen Tierarten auch. Man sollte die gesetzlichen Grundlagen schaffen und für "klare Verhältnisse" sorgen, hielt der Zillertaler Hotelier, Land- und Gastwirt ein Warten auf die EU-Ebene offenbar für nicht notwendig.
Er würde jedenfalls bereits jetzt "einen Schritt weiter gehen" als es etwa die schwarz-rote Tiroler Landesregierung in Sachen Wölfe mache, so Hörl. Diese will bis zum Almsommer 2026 eine Novelle des Tiroler Jagdgesetzes in Kraft treten lassen, durch die beobachtete Risikowölfe geschossen werden können, ohne dass diese davor - wie derzeit - Tiere gerissen haben müssen. Das Tiroler "Wolfsmanagement" soll hierbei auch abseits des bisherigen Verordnungsweges gemäß der neuen EU-rechtlichen Gegebenheiten weiterentwickelt werden. Es handle sich jedenfalls um Vorhaben, die er "sehr begrüße", wie der ÖVP-Politiker Hörl betonte. Die Tiroler Verantwortlichen hatten zudem zuletzt auf ein überregionales, länderübergreifendes Wolfsmanagement für den alpinen Raum mit einer regulären Bejagung gedrängt. Der Bär war vorerst nicht angeführt worden.
Hörl gegen "wild gewordene Ideologen" und "zoologische Fantasten"
Hörl attackierte die Gegner einer rigiden "Großraubtier-Politik" scharf. "Es geht nicht an, dass die zoologischen Träumereien von ein paar wild gewordenen Ideologen ganze Talschaften in Angst und Schrecken versetzen", erklärte der langjährige Mandatar. Der "große Fehler", diese Tiere zurückgeholt zu haben, müsse in ganz Europa korrigiert werden. Wenn man den "Radikalen und den zoologischen Fantasten" zuhöre, die "hinter diesen Rückholaktionen stecken", gewinne man den Eindruck, "es geht diesen Menschen eigentlich um eine Entsiedelung ganzer Regionen zu Gunsten einiger großer Raubtiere". "Dahinter steckt eine perfide Strategie, die eine Urbanisierung Europas verfolgt. Dagegen müssen und werden wir uns wehren - konsequent und mit allen Mitteln", meinte Hörl. Es handle sich um eine "ernst zu nehmende Bedrohung, eine Bedrohung und Gefährdung unserer Bewohner, Gäste, unserer Lebensart und unserer Landeskultur".
Großraubtiere hätten im "dicht besiedelten Alpenbogen" schlicht keinen Platz. Und um den "so genannten Herdenschutz" gehe es schon lange nicht mehr, dieser funktioniere ohnehin nicht.
Ins selbe Horn stieß Tirols Landesjägermeister Anton Larcher, der ebenfalls rasches Handel einforderte. Wolf und Bär würden "nicht bei Bienenstöcken, Schafen und Ziegen halt machen: Jetzt sind es Pferde und Ziegen - als nächstes werden es Haushunde und leider auch wir Menschen sein." Eine Anpassung an das menschliche Habitat gehe schnell und habituierte Bären seien "tickende Zeitbomben". Dies würden Studien aus den USA beweisen. Herdenschutzmaßnahmen mit Zäunen im Hochgebirge würden indes "das ökologische Gleichgewicht" stören und seien zudem wirtschaftlich nicht darstellbar.
Auch der Obmann der Gastronomie in der Bundeswirtschaftskammer und Sprecher der Tiroler Touristiker, Alois Rainer, zeigte sich alarmiert: "Wenn die Entwicklung so weiter geht, droht nicht nur der Tiroler Landwirtschaft massiver Schaden sondern eben auch der Tourismuswirtschaft, weil die Gäste Angst haben. Das muss verhindert werden." Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) sei die Lage "sehr wohl bewusst", dies gelte auch für Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP), konstatierten Hörl, Larcher und Rainer unisono.
Zusammenfassung
- Franz Hörl (ÖVP) fordert angesichts vermehrter Risse von Nutztieren in Tirol, dass Wolf und Bär ganzjährig bejagbar gemacht werden, und verweist auf ein EuGH-Urteil zur Wolfsjagd in Estland als rechtliche Grundlage.
- Die Tiroler Landesregierung plant bis 2026 eine Novelle des Jagdgesetzes, die das Abschießen von Risikowölfen auch ohne vorherigen Riss ermöglichen soll, was von Hörl, Landesjägermeister Larcher und Touristiker-Sprecher Rainer begrüßt wird.
- Hörl und seine Unterstützer kritisieren Herdenschutzmaßnahmen als ineffektiv, warnen vor wirtschaftlichen Schäden für Landwirtschaft und Tourismus und sehen in der Rückkehr der Großraubtiere eine Bedrohung für Bewohner und Landeskultur.