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Hitzewelle und Dürren verursachen Waldbrände in Europa

20. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Eine extreme Hitzewelle sorgt in sämtlichen Ländern Europas für Dürren und schwere Waldbrände.

Zwei Waldbrände in Brandenburg

Am Wochenende hatten zwei große Waldflächen nur rund 20 Kilometer voneinander entfernt bei Treuenbrietzen und Beelitz (beide Landkreis Potsdam-Mittelmark) gebrannt. Riesige Rauchschwaden hingen über dem Gebiet. Der Brandgeruch war laut Feuerwehr selbst in Dresden wahrzunehmen. Wechselnde Winde hatten zu einer starken Ausbreitung des Feuers geführt. Jeweils brannten etwa 200 Hektar Wald, eine Größe von knapp 300 Fußballfeldern.

Wegen des Feuers nahe Treuenbrietzen mussten 600 Menschen ihre Häuser verlassen. Der Kampf gegen die Flammen ist in dem Gebiet besonders schwierig, weil im Boden eines ehemaligen Spreng- und Übungsplatzes Munition liegt. Die Feuerwehrleute kommen nicht direkt an den Brand heran. Hubschrauber der Bundeswehr löschten aus der Luft. Auch in Beelitz wurden einige Straßenzüge evakuiert. Ein starker Regen am frühen Montagmorgen hat im Kampf gegen die zwei Waldbrände mittlerweile für deutliche Entlastung gesorgt.

Bürgermeister über Waldbrände: "Regen stabilisiert die Lage"

Hitzeperioden in Spanien immer häufiger und intensiver

Auch im Norden Spaniens haben Feuerwehren am Montag weiter gegen Waldbrände gekämpft, die zunächst noch nicht eingedämmt werden konnten. Insgesamt etwa 1.000 Bewohner zwölf kleinerer Ortschaften in der autonomen Gemeinschaft Navarra mussten ihre Häuser wegen näher rückender Flammen und starker Rauchbildung verlassen. Sie kamen in Notunterkünften unter, wie die Zeitung "Noticias de Navarra" unter Berufung auf die Behörden berichtete.

Am schwierigsten sei die Lage wegen ständig wechselnder Winde im Höhenzug der Sierra de El Perdón und in Gallipienzo rund 20 Kilometer südlich von Pamplona. Die Lage verbessere sich jedoch langsam, da die Hitzewelle der vergangenen Tage vorbei und die Temperaturen vielerorts unter 30 Grad gefallen seien. Der Brand im Gebirgszug Sierra de la Culebra unweit der Grenze zu Portugal im Nordwesten des Landes konnte den Angaben zufolge jedoch gelöscht werden. Allerdings blieben 25.000 Hektar verkohlter Waldflächen zurück. Für die ohnehin dünn besiedelte Region sind die wirtschaftlichen Folgen immens.

Hitzeperioden werden in Spanien häufiger, früher und intensiver. Der absolute Rekord wurde im vergangenen August in Montoro in Andalusien gemessen: 47,4 Grad. Experten führen diese Entwicklung auf den menschengemachten Klimawandel zurück und erwarten künftig auch noch höhere Temperaturen.

Italien: Latium ruft Ausnahmezustand aus

Die italienische Region Latium, zu der die Hauptstadt Rom gehört, ruft wegen der anhaltenden Dürre den Ausnahmezustand aus. Damit will die Region Sondermaßnahmen gegen die Wasserknappheit ergreifen. Der Klimanotstand ist kein Problem der Zukunft, "sondern der Gegenwart", erklärte der Präsident der Region Latium, Nicola Zingaretti, laut Medienangaben am Montag.

Von der Hitze besonders betroffen ist die Po-Ebene, die ohnehin schon seit Wochen mit der schwersten Dürre der vergangenen 70 Jahre konfrontiert ist. Wegen anhaltender Trockenheit wollen auch die norditalienischen Regionen den Ausnahmezustand ausrufen. Am Mittwoch treffen die Präsidenten der Regionen Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli. Dabei soll unter anderem über Maßnahmen diskutiert werden, um die Effizienz des italienischen Wasserversorgungssystems zu erhöhen. Der Ausnahmezustand sei "unvermeidlich", sagte Patuanelli. "Es gibt ganze Landstriche in Italien und Europa, in denen es seit Monaten nicht mehr regnet."

Erster Waldbrand des Jahres auf griechischer Insel

Auch auf der griechischen Insel Euböa ist in der Nacht zum Sonntag der erste Waldbrand des Jahres ausgebrochen. Wegen starker Winde breiteten sich die Flammen rasend aus. Am Morgen waren fünf Löschflugzeuge und -hubschrauber sowie 150 Feuerwehrleute mit 32 Löschzügen im Einsatz. Ein Dorf wurde evakuiert und die Bewohner der Region zudem vom Bürgerschutz per Warn-SMS alarmiert, berichtete die Nachrichtenagentur ANA.

Die zweitgrößte griechische Insel war bei den verheerenden Waldbränden im Hitzesommer 2021 mit am stärksten betroffen. Zehntausende Hektar Wald fielen damals den Flammen zum Opfer. Die Regierung hat die Brandbekämpfung seither aufgerüstet. Außerdem helfen andere EU-Staaten. Im Rahmen eines EU-Hilfsprogramms werden in diesem Sommer rund 250 ausländische Feuerwehrleute in Griechenland stationiert sein. Das Ausland unterstützt zudem mit der Entsendung von rund 90 Löschhubschraubern und Löschflugzeugen.

Hitzewelle in Frankreich erreicht Höhepunkt

In Frankreich hat die Hitzewelle am Freitag einen weiteren Höhepunkt erreicht: Nach Angaben des französischen Wetterdienstes werden die Temperaturen in Teilen des Südwestens 40 Grad und mehr erreichen. Davon betroffen sind demnach 37 der 101 Départements mit insgesamt 18 Millionen Einwohnern. Der Klimaexperte des französischen Wetterdienstes, Matthieu Sorel, sprach von der frühestens Hitzewelle seit 1947.

Die hohen Temperaturen verschlimmern die Trockenheit der Böden, die den Landwirten nach einem niederschlagsarmen Winter und Frühjahr bereits große Sorgen macht. Auch hier steigt das Risiko von Waldbränden. In mehreren Regionen, darunter im Osten und dem Pariser Großraum, wurde zudem Ozon-Alarm ausgerufen.

Dijana DjordjevicQuelle: Agenturen / Redaktion / ddj