AFP

Dürre-Notfall in der Po-Ebene: Streit um Gardasee-Abpumpen

20. Juni 2022 · Lesedauer 2 min

Italiens größter Strom, der Po, ist teilweise ausgetrocknet. Die ganze Po-Ebene leidet aktuell unter einer extremen Dürre. Das Ausmaß ist so groß, dass einige Regionalpolitiker das Abpumpen des Gardasees fordern. Doch die Gemeinden dort stellen sich quer.

Die Po-Ebene, das agrarische Zentrum Italiens, leidet unter einer Rekord-Dürre. Meuccio Berselli, Generalsekretär der Bezirksbehörde für den Po-Flussabschnitt, schilderte der italienischen "Repubblica" in dramatischen Worten: "Es ist keine Zeit zu verlieren, seit 110 Tagen hat es nicht geregnet." Die Pegel sind gefährlich gering, in manchen Abschnitten ist aus dem Strom ein kleiner Bach geworden.

Nach Angaben des Bauernverbands Cia wird in der Po-Ebene ein Rückgang der Obst- und Gemüseproduktion um 30 bis 40 Prozent erwartet, wobei die Spitzenwerte bei Getreide noch höher liegen und bei Mais und Soja bis zu 50 Prozent betragen. Der piemontesische Bauernverband Confagri hat die Ausrufung des Katastrophenzustands beantragt.

AFP

Die Flussbehörden und einige Regionalpolitiker haben aufgrund der bedrohlichen Dürre vor Kurzem gefordert, Wasser aus dem Gardasee über den Fluss Mincio in den Po abzupumpen. Doch die Gardasee-Gemeinde weigern sich. "Es ist nicht, dass wir das aus Böswilligkeit nicht wollen", sagte Pierlucio Ceresa, Generalsekretär der Gemeinde Garda.

Auch der Pegel des Gardasees sei aktuell auf einem der niedrigsten Werte der vergangenen Jahre. "Wir befinden uns bei 82 Zentimetern über dem hydrometrischen Nullpunkt. (...) Üblicherweise sind es in diesem Zeitabschnitt 35 bis 40 Zentimeter mehr", erklärte Ceresa der "Repubblica".

Gardasee-Wasser wäre nur Tropfen auf dem heißen Stein

Die Po-Behörden hätten um das Abpumpen einer Wassermenge von 20 bis 30 Kubikmetern pro Sekunde angefragt. Um der Po-Dürre entgegenzuwirken, bräuchte es aber 500 Kubikmeter pro Sekunde. Die abgepumpte Menge wäre für den Po nur ein sprichwörtlicher Tropfen auf den heißen Stein, für den Gardasee ist die Menge aber lebenswichtig. "Wir müssen die Schiffahrt, die Fisch-Fauna und die landwirtschaftliche Nutzung (des Seewassers, Anm.) schützen", betont er.

Ceresa verweist vielmehr darauf, dass die in den nördlichen Alpenregionen zur Stromgewinnung genutzten Stauseen Wasser ablassen sollten, um den Po wieder aufzufüllen. Außerdem würde man am Gardasee den ganzen Winter über darauf achten, kein Wasser zu verschwenden. In der Po-Ebene sei man unter dem Jahr sehr verschwenderisch mit dem Wasser und würde zu wenige Maßnahmen zur Konservierung und Speicherung ergreifen.

AFP
Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos