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Hilfsorganisation sieht Verdrängungswettbewerb bei Spenden

10. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Der Obmann der Spendenorganisation "Kindern eine Chance", die im Bereich der Entwicklungsarbeit in Uganda tätig ist, sieht vor allem auch vor Weihnachten eine "regelrechte Materialschlacht" bei den Spendenaufrufen. Diese führe nicht zu insgesamt höheren Spendensummen, sondern zu einem "Verdrängungskampf" unter den Spendenwerbern, sagte Stefan Pleger im APA-Gespräch. Er forderte zudem "Transparenz" beim Einsatz von Spendengeldern.

Organisationen, wie etwa die seinige mit Sitz in der Tiroler Gemeinde Völs, gingen dabei tendenziell unter, meinte Pleger. Man sei nämlich nur ein kleiner Player: "Wir sind vor allem in Tirol bekannt." Folglich kämen auch rund 80 Prozent der Spenden aus diesem Bundesland. Da 100 Prozent der Spendengelder nach Uganda fließen würden und damit nichts in die Strukturen in Österreich investiert werde, sei es insgesamt schwer im geschäftigen Treiben der sonstigen spendenwerbenden Organisationen zu reüssieren und über die Landesgrenzen hinaus Bekanntheit zu erlangen, so Pleger.

So schneide man mit rund 2,4 Millionen Euro Spenden im Jahresschnitt auch nur geringfügig am Spendenkuchen mit, der vom Fundraising Verband Austria, dem Dachverband der Spendenorganisationen, mit etwa 900 Millionen Euro im Jahr 2022 beziffert wurde. Eine Tatsache, die den Obmann allerdings nicht zwingend beunruhigt: "Unser Modell ist dadurch, dass wir auf gute Kundenbindung und persönliche Teilhabe ebenjener setzen, zumindest relativ krisensicher und sehr konstant". Man setze zudem statt permanenter Massenmailings vorrangig auf "Mundpropaganda", was wiederum die "vertrauenswürdigste Werbung" sei, meinte Pleger.

Ebenjene Vertrauenswürdigkeit sei für seine Organisation jedenfalls absolut zentral und unabdingbar: "Wir setzen auf volle Transparenz und belegen für unsere Spender und Unterstützer, wie die Spendengelder direkt nach Uganda gehen." Eine Haltung, die er sich auch von sämtlichen Spenden-Mitbewerben wünschte: "Es braucht klare Kennziffern, die ersichtlich machen, wie viel Geld exakt in den Projektländern ankommt."

Selbst habe man durch die Fokussierung auf die Etablierung von Strukturen an Ort und Stelle in Uganda 14 Standorte in fünf Distrikten aufgebaut und betreibe unter anderem Kindergärten, Schulen oder Lehrwerkstätten. Insgesamt beschäftige man dort mittlerweile etwa 370 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Bildung ist dabei für uns der Schlüssel in den ländlichen Regionen von Uganda, in denen wir tätig sind", strich Pleger heraus. Zuvor gelte es aber sich auch um Themen wie Gesundheit oder Wasserversorgung zu kümmern, gab der Obmann Einblick die konzeptionelle Ausrichtung von "Kindern eine Chance".

Quelle: Agenturen