Heli-Pilot zum Rax-Waldbrand: "Löschflugzeuge waren für diesen Einsatz ungeeignet"

03. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

Helikopter-Pilot Roy Knaus übt scharfe Kritik am Einsatz beim Waldbrand im Rax-Gebiet im Niederösterreich. Der Brand hätte längst gelöscht werden können, sagt er im PULS 24 Interview.

Der Waldbrand im Rax-Gebiet hätte schon am Nationalfeiertag gelöscht werden können, Bundesheer und Innenministerium seien schlecht ausgerüstet und der Einsatz der italienischen Löschflugzeige sei "Show" gewesen. Es sind schwere Vorwürfe, die der Pilot und Geschäftsführer von "heli-austria" gegen den Einsatz der Behörden in Niederösterreich erhebt. 

Roy Knaus hat bereits Waldbrände in Tirol, Bayern, Italien, Chile und in der Türkei bekämpft - der Einsatz in Niederösterreich sei dagegen "nicht so spektakulär", sagt er im PULS 24 Interview. Allerdings hätte man in Österreich zu langsam reagiert. Der Brand "hätte schon am 26. Oktober gelöscht werden können", sagt er. 

Rax-Waldbrand: Brandermittler auf Spurensuche

Zwar laufe der Einsatz gut koordiniert ab, Bundesheer und Innenministerium seien allerdings nicht gerüstet für solche Einsätze und würden nicht effizient vorgehen. Die Bundesheer-Hubschrauber hätten nicht genug Flugstunden, die Polizei zu wenige Löschbehälter. Sein Team von "heli-austria" hätte Hilfe angeboten, diese sei aber abgelehnt worden. Erst als man die Flüge kostenlos anbot, hätte man fliegen dürfen, sagt Knaus. Man wolle keine zivilen Helfer dort haben, hätte man von Land gehört, so der Vorwurf. 

Internationale Hilfe sei "Inszenierung"

Stattdessen habe man in Deutschland und Italien um Hilfe gebeten, kritisiert der Pilot. Bayern und Italien hätten dann zuerst verwundert bei Knaus nachgefragt, warum nicht er fliegen würde. Die internationale Hilfe sei eine Inszenierung und die italienischen Löschflugzeuge "Teil der Show" gewesen, sagt Knaus. 

Die Löschflugzeuge seien "super", aber für diesen Einsatz ungeeignet. Helikopter hätten in der selben Zeit mehr Wasser fliegen können und die Bodenkräfte müssten sich während des Zufliegens der Flugzeuge zurückziehen.

Am Sonntag flog Knaus gemeinsam mit einem weiteren Piloten insgesamt neun Stunden lang. Dabei wurden knapp 1,4 Mio. Wasser ausgebracht, alleine 400.000 Liter – oder etwa 30 Prozent des Gesamtvolumens – wurden bei 137 Flügen mit dem Salzburger Puma transportiert. Der Salzburger war bis etwa Montagmittag im Einsatz. Ein solcher Einsatz kostet für gewöhnlich rund 175.000 Euro, sagte er zu "salzburg24.at".

Das Land Niederösterreich wollte sich gegenüber "salzburg24.at" nicht dazu äußern, die Feuerwehr kennt die Gründe für die Ablehnung ziviler Hilfe nicht, trainiere aber eher mit dem Bundesheer. PULS 24-Anfragen an das Land Niederösterreich, das Verteidigungsministerium und die Feuerwehr blieben bis Mittwochabend unbeantwortet. Solche Brände werden in Österreich in Zukunft jedenfalls öfter auftreten, warnt Knaus - man müsse sich dafür vorbereiten.

Brandursache wird ermittelt

Unterdessen haben die Ermittler am Mittwoch erstmals die Ausbruchsstelle für den Waldbrand in Hirschwang in der Marktgemeinde Reichenau a.d. Rax (Bezirk Neunkirchen) untersucht. Die Exekutive vermutet eine "fremde Zündquelle" als Ursache. 

Huber zum Waldbrand-Einsatz: "Es ist eine sehr anstrengende Arbeit"

Spezialisten des Landeskriminalamtes Niederösterreich, des Bundeskriminalamtes und der Bezirksbrandermittler sollen die - u.a. mittels Video-Aufzeichnungen der Rax-Seilbahn eruierte - Stelle untersuchen, an der das Feuer seinen Ausgang genommen haben dürfte. Dort sollen laut Polizei in der Vergangenheit immer wieder Lagerfeuer gemacht worden sein.

 

Rax-Waldbrand: "Von Brand-Aus ist noch lange keine Rede"

Am Mittwoch wurden im Rahmen der Löscharbeiten erneut Hubschrauber aufgeboten, wobei die Fluggeräte aus Deutschland - Sikorsky CH-53 - nicht mehr zum Einsatz kamen. Die Helfer wurden verabschiedet, sagte Bezirksfeuerwehrkommandant Josef Huber. Fünf Helikopter waren an Ort und Stelle. Stattgefunden haben vornehmlich punktuelle Wasserabwürfe über den Glutnestern.

Am Boden waren rund 200 Helfer mit der Bekämpfung von Brandherden beschäftigt. Zu vermelden gab es Positives und eher Negatives. Fortschritte gab es im östlichen Teil des betroffenen Gebietes: "Ein Rücken ist schon komplett grün, dort gibt es keine Glutnester mehr", sagte Huber. Probleme bereiten allerdings immer wieder "Bäume, wo Wurzeln brennen". Unterstützung erhalten die Feuerwehrleute bei der Tätigkeit auch immer wieder durch die Forstverwaltung.

Corona-Cluster bei Brandbekämpfung

Abgezeichnet hat sich außerdem ein Corona-Cluster in Verbindung mit der Waldbrandbekämpfung. Der Landessanitätsstab berichtete am Mittwoch von fünf Fällen. Laut einem Onlinebericht des "Kurier" ist die Zahl höher. Alleine in den Reihen der Bergrettung seien sieben Infektionen verzeichnet worden, hieß es. Die Helfer zogen sich deshalb auch aus dem Rax-Schneeberg-Gebiet zurück.

Quelle: Redaktion / koa