Gynäkologin: Impfung hat keine negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit von Frauen

15. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

Große Unsicherheit gibt es offenbar nach wie vor bei der Frage nach den Auswirkungen der Impfung bei Frauen, Schwangeren und stillenden Müttern. Gynäkologin Petra Kohlberger gibt beim PULS 4 Impfcheck Auskunft.

Gynäkologin Petra Kohlberger räumte im PULS 4 Impfcheck am Sonntag abermals mit einem nach wie vor kursierenden Gerücht über die Corona-Schutzimpfung auf: "Die Impfung hat keinesfalls negative Auswirkungen" auf die Fruchtbarkeit von Frauen, "das ist bewiesen".

Keine Nebenwirkungen bei Schwangeren

Dass es keine Studien an Schwangeren gegeben habe, stimmt zwar, beantwortet Kohlberger die Frage einer Zuseherin. Doch bei den Phase-3-Studien seien einige der Probandinnen unwissentlich schwanger gewesen. Deshalb habe man dadurch auch Informationen über Auswirkungen der Impfung bei Schwangeren: "Man hat in keinem Fall Nebenwirkungen durch die Impfung gesehen", betont Kohlberger.

Impfung von Schwangeren is "Off-Label"

Die Corona-Impfung ist bei Schwangeren ein sogenannter "Off-Label-Use", das heißt, es ist eine Anwendung, die nicht vom Beipackzettel und damit vom Hersteller offiziell vorgesehen ist, erklärt die Gynäkologin. Das ändere aber nichts an der Wirksamkeit, betont sie.

Eine Off-Label-Behandlung sei in vielen Therapien üblich, auch bei Medikamenten. "Hier wird im Arzt-Patienten-Gespräch - mit der Verantwortung des Arztes selbstverständlich, der im Einzelfall abwägen muss - die Impfung empfohlen oder nicht"

Covid für Schwangere "extrem gefährlich"

Was man in den vergangenen eineinhalb Jahren auch gelernt habe, ist, dass Schwangere ein hohes Risiko von schweren Verläufen haben, sagt Kohlberger. Zu Beginn der Pandemie habe man bei ihr auf der Gynäkologie-Station noch geglaubt, von Corona nicht betroffen zu sein, da ihre Patienten junge Mütter und damit keine Risikopatienten seien.

Doch nun wisse man, dass Covid für Schwangere "extrem gefährlich" sei, besonders was einen schweren Verlauf betrifft. Und "ein schwerer Verlauf in der Schwangerschaft geht mit Frühgeburten einher und Dingen, die man niemandem wünscht", betont Kohlberger.

Impf-Empfehlung für Schwangere im 2. und 3. Schwangerschaftsdrittel

Die Empfehlung  für Schwangere sei ganz klar, "dass sie sich im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel impfen lassen", sagt Kohlberger. Von einer Impfung zu Beginn der Schwangerschaft, also bis zur 12. Woche, werde abgeraten, aber danach sei die Impfung sehr empfohlen - auch für das ungeborene Kind.

Auch Kind im Mutterleib geschützt

Durch die Impfung der Mutter erhält auch das ungeborene Kind im Mutterleib die Antikörper gegen das Coronavirus und ist immunisiert - das ist der sogenannte "Nestschutz", erklärt Kohlberger. Die Antikörper hat das Kind im Mutterleib auch, wenn die Schwangere eine Infektion durchmache, dies sei aber wie bereits beschrieben "extrem gefährlich".

Impfstoff gelangt nicht in Muttermilch

Viele Frauen wollen sich auch nicht impfen lassen, weil sie ihr Neugeborenes noch stillen. "Es hat zahlreiche Studien gegeben, ob Teile des mRNA-Impfstoffes (wie Pfizer und Moderna, Anm.) in der Muttermilch nachweisbar sind", erklärt die Gynäkologin. Das Ergebnis: "mRNA-Impfstoff ist nicht nachweisbar in der Muttermilch, aber Antikörper sind nachweisbar." Die Weitergabe von Antikörpern über die Muttermilch sei sehr wichtig für das Kind.

Impfreaktion und Zyklus

Müdigkeit, Schmerzen an der Einstichstelle oder leichtes Fieber nach der Impfung sind keine Nebenwirkung sondern die sogenannte Impfreaktion. Diese treten auch bei Schwangeren auf und sind laut Kohlberger "ein gutes Zeichen", denn sie zeigen, dass das Immunsystem aktiv wird. Für das Kind im Mutterleib seien diese aber nicht gefährlich.

Manche Frauen erleben nach der Impfung auch, dass sich der Zyklus verschiebt. Das kann durchaus sein, sagt die Gynäkologin. Der Zyklus sei bei vielen Frauen sehr empfindlich und kann sich bei Stress oder einer Veränderung im Hormonhaushalt verändern. Die Impfung könne so eine Stressituation sein, sagt Kohlberger und fügt hinzu: "Es ist natürlich auch die Einstellung zur Impfung", die da mit hineinspiele.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos