APA/MITJA KOBAL

Großprojekt am Neusiedler See in Ungarn vorerst vom Tisch

11. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Das ungarische Großprojekt am Neusiedler See in Fertörakos ist vorerst vom Tisch. Eine Ausschreibung war gescheitert, da die für den Vertragsabschluss notwendige Finanzierung nicht vorhanden war, wie auch die burgenländische Wochenzeitung "BVZ" berichtet hatte. Geplant waren laut Greenpeace Ungarn Investitionen in Höhe von 45 Milliarden Forint (110 Mio. Euro). Die Umweltschutzorganisation zeigte sich über den "Riesenerfolg" erfreut, warnte aber vor einer Neuplanung.

Das Projekt sollte nicht nur vorübergehend ausgesetzt, sondern endgültig gestoppt werden, betonte Greenpeace-Expertin Katalin Rodics im Gespräch mit der APA. Obwohl bereits auf einem großen Uferabschnitt Bauvorbereitungen liefen, hofft Greenpeace nun, "dass die Vegetation sich schnell zurückerobert, was ihr gehört".

Rodics bezeichnete das Aussetzen des Projekts jedenfalls als "Riesenerfolg". Zugleich erinnerte sie daran, dass es laut Regierung eine Neuplanung der Investition geben werde. Greenpeace hofft jedoch darauf, dass die Entscheidungsträger die Unrentabilität des Projektes und die drohenden ernsthaften Umweltschäden erkannt hätten und endgültig von den Plänen Abstand nehmen. Greenpeace könne nur eine solche Investition akzeptieren, die die ökologischen Aspekte mit örtlichen Ansprüchen in Einklang bringt, wie der vorhandene kleine Strand, der modernisiert werden müsste, und der kleine Segelboothafen für die Ansässigen.

Rodics erinnerte weiter daran, dass bereits heute nicht genug Wasser im See sei, um eine solche enorme touristische Inanspruchnahme auszuhalten. Das Projekt umfasste einen Jachthafen für 850 Liegeplätze, einen Hotelkomplex mit 100 Zimmern, Fußballplatz, Sporthalle, Parkhaus. Die Rehabilitation des bereits betroffenen Gebietes bezeichnete sie als wichtige Aufgabe. Hinter dem Stopp des Vorhabens stünde sicher nicht nur der Geldmangel, sondern auch die große Empörung der Gesellschaft über das Mega-Bauprojekt, betonte Rodics als Verantwortliche der Biodiversitätskampagne von Greenpeace Ungarn.

Das "Aus" für die "Luxusinvestition" begrüßte auch die ungarische Opposition. Die Partei "Parbeszed" (Dialog) forderte in einer Aussendung umgehende Aufklärung über das weitere Vorgehen nach dem Stopp des Projekts. Der Bürgermeister der Stadt Sopron, Ciprián Farkas, sowie der zuständige Abgeordnete der rechtsnationalen Regierungspartei Fidesz, Attila Barcza, müssten die Bürger über die Beseitigung der Schäden informieren sowie darüber, wann das Gelände wieder zugänglich sein wird.

Auch Greenpeace Österreich hatte von Beginn an gegen das Großprojekt gekämpft und stellte am Montag in einer Aussendung fest: "Der Widerstand hat sich gelohnt." Vergangenen Dezember wurde etwa eine Ausschreibung für die Baustelle juristisch bekämpft: "Durch das Hinauszögern der Betonierungsarbeiten konnte der schlimmste Schaden für die Natur und den See abgewehrt werden. Wir werden jetzt genau beobachten, wie es auf der Baustelle weitergeht", so Stefan Stadler, Scientific Expert bei Greenpeace in Österreich. Die Erdarbeiten waren weitgehend abgeschlossen, ein Rückbau des Areals sei derzeit aber noch gut möglich. Greenpeace forderte daher, einen umweltverträglichen Rückbau zu starten und das ursprüngliche Strandbad für die lokale Bevölkerung wiederherzustellen.

Seitens des Landes Burgenland gab es am Montag keine Stellungnahme. Man verfüge über keine Informationen über das Projekt, hieß es auf APA-Anfrage.

Die burgenländischen Grünen zeigten sich in einer Aussendung erfreut über den Baustopp, kritisierten aber, dass "auch auf burgenländischer Seite viel zu wenig politischer Wille vorhanden ist, um dem Bau-Boom rund ums Seeufer Einhalt zu gebieten". Sie forderten daher verbindliche Baurichtlinien und wollen sich für ein naturverträgliches Seebad in Ungarn einsetzen.

Quelle: Agenturen