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Großer Wohnkomplex in Essen ausgebrannt - keine Vermissten

21. Feb. 2022 · Lesedauer 4 min

In Essen im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen ist am Montag früh ein Wohnkomplex mit 39 Wohnungen binnen kurzer Zeit total ausgebrannt. Durch großes Glück und das schnelle Eingreifen von Rettungskräften wie auch von Nachbarn kam niemand ums Leben. Drei Verletzte mussten mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Die Feuerwehr war mit 150 Einsatzkräften vor Ort.

"Die Nachrichten aus Essen sind erschütternd", schrieb Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) auf Twitter. "Viele Menschen haben über Nacht ihre Wohnung, Hab und Gut verloren." Der SPD-Spitzenkandidat für die kommende NRW-Landtagswahl, Thomas Kutschaty, twitterte: "Schreckliche Bilder heute Morgen aus meiner Heimatstadt @Essen_Ruhr." Auch am Mittag war das Feuer noch nicht vollständig gelöscht.

Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, zur Brandursache gebe es noch keine Erkenntnisse. Der Brand sei aber sehr stark von außen in Gang gesetzt worden. Ein Feuerwehrsprecher betonte: "Die massive Brandausbreitung hat alle Einsatzkräfte sehr überrascht." So etwas habe man noch nie erlebt. Die Polizei will möglichst bald Ermittlungen aufnehmen, doch gab es am Montagmittag immer noch einzelne Brandnester.

Der Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbands und Sachverständige für Vorbeugenden Brandschutz, Frank Hachemer, vermutet, dass sich das Feuer über den Außenbereich, möglicherweise über eine Fassadendämmung, ausgebreitet hat. "Natürlich kann man das als Außenstehender nicht mit letzter Sicherheit sagen, aber wenn ich mir die ersten öffentlich zugänglichen Bilder und eine kurze Filmsequenz anschaue, dann sieht es zunächst so aus, dass sich das Feuer über die Fassade verbreitet hat", sagte Hachemer. "Und der Putz brennt eher nicht."

Dazu passe auch, dass der Sturm nach Beschreibungen von Augenzeugen das Feuer angefacht habe. "Das geht natürlich am ehesten, wenn es sich um eine Entwicklung außen am Gebäude handelt und nicht im Inneren."

Eine Ausbreitung im Inneren sei aufgrund der heutigen Brandschutz-Vorschriften auch kaum noch so einfach möglich. "Die Decken sind selbst schon Brandschottungen, die eigentlich gar nicht ohne weiteres durchbrochen werden können, so dass ein Feuer meist in einem Zimmer gefangen bleibt", erläuterte der Brandschutz-Experte. Der zerstörte Komplex war ein Neubau von 2015, der gemäß den Bauvorschriften mit Brandschutztüren gegen eine schnelle Verbreitung eines Feuers ausgestattet war. Die Brandschutztüren seien zuletzt im März 2021 gewartet worden, sagte ein Sprecher des Hauseigentümers Vivawest Wohnen GmbH. Die Dämmung des Hauses erfolge überwiegend mit Mineralfaserplatten, weil diese weniger brandanfällig als Polysterol-Dämmstoffe seien.

In der Anlage gebe es insgesamt 112 Wohnungen zwischen einem und vier Zimmern, sagte der Vivawest-Sprecher. Betroffen vom Feuer waren 39 Wohnungen mit etwa 100 Mietern. Vivawest hat ihnen kurzfristig Hotelzimmer in umliegenden Hotels auf Kosten des Wohnungsunternehmens versprochen.

Der 35 Jahre alte Lennart Diedrich war als direkter Anrainer einer der ersten Augenzeugen des Feuers. "So um zwei Uhr war's, als ich ins Bett gehen wollte und so die letzten Lichter ausgemacht habe und draußen "Feuer! Feuer!" geschrien wurde", berichtet Diedrich der Deutschen Presse-Agentur. "Und dann hab ich aus dem Fenster geschaut, und da kam da, wo die Jalousien so auf Halbmast hängen, Rauch raus. Da hab ich gesagt: "Ok, das ist ernster.""

Er versuchte, die Feuerwehr zu rufen, zog sich an und rannte raus. "Dann kamen schon von der ganzen anderen Gebäudeseite Flammen hochgelodert. Es glich einem Inferno. Der Wind peitschte die Flammen an - Funken." Kurz darauf traf der erste Feuerwehrwagen ein. Die Feuerwehrleute liefen ins Haus und riefen dann: "Wir brauchen mal Hilfe!" Diedrich folgte dem Aufruf zusammen mit zwei anderen Personen. "Dann sind wir hochgelaufen in dem Treppenhaus da, zu dritt. Und da war ein Rollstuhlfahrer, der den Fahrstuhlnatürlich nicht mehr benutzen konnte und nicht runtergekommen ist. Da haben wir den zu dritt runtergetragen. Zwei hinten, ich hab vorne angepackt, haben ihn runtergetragen. Dann kam die Polizei, und es wurde alles evakuiert."

Es sei dann unheimlich schnell gegangen. "Innerhalb von 20 Minuten stand das ganze Haus komplett in Flammen. Man hat das Gefühl, das ist ein Feuer-Inferno, in dem man sich hier befindet."

Quelle: Agenturen