Greenpeace warnt vor starker Asbestbelastung im Burgenland
Schon ab einem Anteil von 0,1 Prozent spricht man laut Greenpeace von gefährlichem Abfall. Zum Schutz der Bevölkerung forderte die Umweltschutzorganisation, die stark belasteten Flächen sofort zu sperren. Durch Abrieb, Verkehr oder Bauarbeiten würden nämlich besonders viele schädliche Fasern freigesetzt. Schon geringe Mengen können gesundheitsschädlich sein, betonte Stefan Stadler, Sprecher des Investigativ-Teams bei Greenpeace: "In Oberwart liegt asbestbelasteter Schotter direkt bei der Klinik, in Rechnitz fahren Kinder mit Fahrrädern, Scootern und Skateboard über asbestverseuchten Asphalt. Das ist Gefahr im Verzug."
In Oberwart wurde nicht nur bei der Klinik eine Asbestbelastung festgestellt, sondern auch bei der Baustelle dahinter, beim Rathaus und bei einer Baustelle im Gewerbepark. In Rechnitz war neben dem Skatepark auch die Rettungseinfahrt betroffen und in Neumarkt im Tauchental eine Baustelle und eine Schotterstraße nahe eines Spielplatzes in einer neu gebauten Einfamilienhaussiedlung.
Das Land Burgenland betonte in einer schriftlichen Stellungnahme, dass auf Basis der bisherigen fachlichen und medizinischen Einschätzungen keine akute Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung bestehe. Für die Beurteilung sei ausschließlich eine mögliche Belastung der Luft relevant, nicht jedoch der Nachweis von Asbest im Material. Auch die vorliegenden medizinischen Daten lassen laut dem burgenländischen Amtsarzt Markus Schreier keine Auffälligkeiten erkennen. "Den Gesundheitsämtern im Burgenland sind aktuell keine Hinweise auf erhöhte regionale Erkrankungsraten bezüglich asbestassoziierten Erkrankungen bekannt", hielt er fest.
Um die Belastung in der Luft zu überprüfen, werde eine "Taskforce Vorsorgeabklärung Luftqualität" eingerichtet, betonte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ). Das Land werde an ausgewählten, sensiblen Standorten vorsorglich Luftmessungen durchführen lassen - insbesondere auch an den Standorten, die von Greenpeace untersucht wurden. Die Taskforce soll diese Untersuchungen fachlich begleiten und weitere Schritte vorbereiten.
Umweltschutzorganisation kritisiert späte Sperre von Steinbrüchen
Das belastete Material dürfte laut Greenpeace aus Serpentinit-Steinbrüchen in der Region stammen. Dass dort asbesthaltiges Gestein abgebaut und verkauft werde, sei den Behörden und der Politik seit Jahrzehnten bekannt, kritisierte Greenpeace. Dennoch seien vier Steinbrüche erst Anfang Jänner gesperrt worden.
Schon 2008 habe einer von ihnen asbestbelasteten Streusplitt zurückrufen müssen. Dennoch hätten die burgenländischen Behörden den Abbau weiter genehmigt und Erweiterungen erlaubt. "Es ist schockierend, wie die Behörden hier über Jahrzehnte versagt haben", betonte Stadler. Jahrelang seien Streusplitt, Schotter, Sand und Asphalt aus den Steinbrüchen in Umlauf gebracht worden. Deshalb sei davon auszugehen, dass weite Teile der Straßen, Bankette und Feldwege sowie Schotterfundamente im Umkreis hochgradig mit Asbest verseucht seien, meinte er.
Tremolit kann schwere Erkrankungen verursachen
Greenpeace sieht die Behörden in der Pflicht, eine weitere Verbreitung des asbestbelasteten Materials zu verhindern. Außerdem müsse erhoben werden, wo überall asbesthaltiges Gestein eingesetzt wurde, insbesondere bei kritischen Orten wie Spielplätzen, Freizeitparks, Kindergärten, Schulen und Krankeneinrichtungen.
Das Land forderte hingegen von der Umweltschutzorganisation, die Ergebnisse ihrer Analyse vollständig zur Verfügung zu stellen, "um eine fachliche Prüfung und Einordnung nach behördlichen Standards zu ermöglichen". Weitere Details zur angekündigten Taskforce will Doskozil gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Anja Haider-Wallner (Grüne) am Montag bekanntgeben.
Die im Burgenland gefundene Asbest-Art Tremolit bildet laut Umweltmedizinerin Daniela Haluza langlebige Fasern, die beim Einatmen tief in die Lunge gelangen und sich dort festsetzen. So können schwere Erkrankungen wie Asbestose, Lungenkrebs oder bösartige Tumore des Brustfells entstehen.
Zusammenfassung
- Greenpeace hat im Südburgenland an mehreren Orten, darunter der Klinik Oberwart und dem Skatepark Rechnitz, eine massive Asbestbelastung festgestellt, wobei Proben teils über 50 Prozent Asbest enthielten.
- Das Land Burgenland sieht laut bisherigen Einschätzungen keine akute Gesundheitsgefährdung, richtet aber eine Taskforce zur Überprüfung der Luftqualität ein und will an sensiblen Standorten Luftmessungen durchführen.
- Greenpeace kritisiert das jahrzehntelange Behördenversagen, da asbesthaltiges Material aus Serpentinit-Steinbrüchen erst Anfang Jänner 2024 gestoppt wurde, obwohl schon 2008 ein Rückruf von asbestbelastetem Streusplitt erfolgte.
