APA - Austria Presse Agentur

Gesundheitsministerium jetzt mit Chief Medical Officer

18. Dez 2020 · Lesedauer 2 min

Das Gesundheitsministerium hat seine Organisationsstruktur bereinigt. Mit der Allgemeinmedizinerin Katharina Reich gibt es nun einen Chief Medical Officer, was dem früheren Generaldirektor für die öffentliche Gesundheit entspricht. Reich übernimmt die neue Sektion VII. Auch zwei weitere neue Sektionschefinnen und ein -chef wurden am Freitag von Minister Rudolf Anschober (Grüne) vorgestellt. Der Frauenanteil auf der obersten Führungsebene beträgt nun 75 Prozent.

"Ich darf die Verantwortung für den bisherigen Patient Österreich übernehmen", formulierte die 42-jährige Medizinerin mit Erfahrung in Krankenhausmanagement und -hygiene bei ihrer Vorstellung "vielleicht ein bisschen kess". Mit ihrer neuen Funktion wird jener Bereich aufgewertet, der mit der Auflösung der Sektion Öffentliche Gesundheit durch Ex-Ministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) stark beschnitten worden war. Die heutige SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hatte sie bis 2017 geleitet.

Es sei "ganz stark um die Stärkung der Krisentauglichkeit im Gesundheitsbereich gegangen", begründete Anschober bei der Vorstellung seines neuen Spitzenteams die Reform: "Die Zerschlagung von einzelnen Strukturen 2018 hat aus meiner Sicht sicher zu einer Schwächung des Ministeriums im Bereich Krisenbewältigung geführt."

Reich ist 42 Jahre alt. Nach dem Medizinstudium begann sie bei den Barmherzigen Brüdern, war dort für Krankenhaushygiene und klinisches Risikomanagement zuständig und fungierte von 2013 bis 2018 als ärztliche Direktorin des Spitals in Wien. Dann wechselte sie zum Wiener Gesundheitsverbund in die Klinik Hietzing, wo sie stellvertretende ärztliche Direktorin war und im Krisenstab angesichts der Coronapandemie zuletzt die Einsatzleitung innehatte.

"Ich denke, dass mit der Impfung das Ende der Pandemie eingeleitet werden kann", meinte sie zu diesem Thema. Danach müsse man die Krise aufarbeiten. Wichtig sei, den Obersten Sanitätsrat wieder einzuberufen und in seiner Funktion zu etablieren. Als weitere Ziele nannte sie, neben der physischen auch die psychische Gesundheit im Fokus zu haben sowie sich dem Thema Armut und Krankheit zu widmen.

Auch drei weitere Sektionen wurden neu besetzt, und zwar jeweils hausintern. Die Sektion III (Konsumentenpolitik und Verbrauchergesundheit) übernimmt Ulrich Herzog, bekannt als Leiter der Coronakomission. Für Sozialversicherung (Sektion II) ist Annemarie Masilko zuständig, für Humanmedizinrecht und Gesundheitstelematik (Sektion VI) Meinhild Hausreither.

Von der FPÖ kam wütende Kritik an den Neubesetzungen. Sozialsprecherin Dagmar Berlakowitsch ortete in einer Aussendung eine Weihnachtsbelohnung für "Anschobers Helfershelfer" bei dessen - wie sie meinte - "verfehlter Covid-Chaospolitik". Reich wurde von Berlakowitsch als personalpolitischer ÖVP-Wunsch punziert, auch Herzog sah sie in diesem Lager. Hausreither ordnete sie der SPÖ zu.

Quelle: Agenturen