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Gehen verringert Sterblichkeit am stärksten

27. Jan. 2026 · Lesedauer 4 min

Regelmäßige starke körperliche Aktivität verringert die Gesamtsterblichkeit (alle Ursachen) um fast 20 Prozent. Unter "Einzelsportarten" schneidet Gehen mit minus 17 Prozent am besten ab. Mehr an verschiedener sportlicher Betätigung ist besser. Das hat eine neue Auswertung von Daten aus den weltweit bekanntesten amerikanischen Langzeitstudien ergeben.

"Regelmäßige körperliche Aktivität war mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden. Die Vielfalt der körperlichen Aktivität korrelierte negativ mit der Sterblichkeit, unabhängig vom gesamten Aktivitätsniveau. Insgesamt stützen diese Daten die Annahme, dass langfristige körperliche Aktivität in verschiedenen Formen die Lebenserwartung verlängern kann", schrieben jetzt Yang Hu von der T. H. Chan School für Öffentliche Gesundheit der Harvard Medical School in Boston (USA) und seine Co-Autoren im British Medical Journal (https://bmjmedicine.bmj.com/content/5/1/e001513).

Die Wissenschafter haben die Informationen aus den in Medizin-Fachkreisen neben der sogenannten Framingham-Studie bekanntesten epidemiologischen Untersuchungen verwendet: Aus der Nurses' Health Study (1986 bis 2018) und aus der Health Professionals Follow-Up-Study (1986 bis 2020). Die insgesamt rund 111.000 Probanden waren entweder amerikanische Krankenschwestern oder Ärzte oder andere männliche Angehörige von Gesundheitsberufen. Das hat jahrzehntelang auch die verlässliche Beteiligung der Probanden garantiert. Alle Teilnehmer waren zu Beginn der Untersuchung frei von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, litten nicht an Krebs, Atemwegs- oder neurologischen Erkrankungen. Die körperliche Aktivität wurde zu Beginn und dann alle zwei Jahre erhoben.

Das wichtigste Ergebnis: De facto jeglicher Sport senkte die Sterblichkeit der Probanden. "Im Verlauf von 2,431.318 Personenjahren wurden 38.847 Todesfälle registriert, davon 9.901 aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 10.719 aufgrund von Krebs und 3.159 aufgrund von Atemwegserkrankungen. Körperliche Aktivität insgesamt und die meisten einzelnen körperlichen Aktivitäten, mit Ausnahme von Schwimmen, waren mit einer geringeren Mortalität assoziiert", schrieben die Wissenschafter.

So reduzierte sich die Sterblichkeit der 20-Prozent-Gruppe mit dem größten sportlichen Engagement im Vergleich zu den 20 Prozent mit dem geringsten durch regelmäßiges Gehen um 17 Prozent. Langsames Laufen war mit einer Verringerung der Mortalität um elf Prozent verbunden. Schnelleres Laufen schlug mit einem Minus von 13 Prozent zu Buche, Radfahren verringerte die Sterblichkeit um vier Prozent, Tennis oder Squash um 15 Prozent, Stiegensteigen um zehn Prozent, Rudern oder Gymnastik um 14 Prozent und Krafttraining um 13 Prozent. Nur Schwimmen hatte statistisch keinen signifikant positiven Einfluss auf die Sterblichkeit.

Mehr verschiedene Arten an körperlicher Betätigung ist mit einem größeren positiven Effekt verbunden. "Nach Berücksichtigung des Gesamtaktivitätsniveaus wiesen die Teilnehmer der Gruppe mit der höchsten Vielfalt an körperlicher Aktivität im Vergleich zur Gruppe mit der niedrigsten Vielfalt eine um 19 Prozent niedrigere Gesamtmortalität und eine um 13 bis 41 Prozent niedrigere Mortalität aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Atemwegserkrankungen und anderen Ursachen auf", schrieben die Wissenschafter.

"Dieser Zusammenhang zwischen einer hohen Anzahl an Sportarten und einem geringeren Risiko für vorzeitigen Tod zeigte sich in jedem Aktivitätsniveau. Anders ausgedrückt: Sportliche Vielfalt trug unabhängig vom gesamten Zeitaufwand der Teilnehmer zur Lebenserwartung bei", hieß es dazu in einer Aussendung der Harvard Medical School.

Praktischer Nutzen für viele Menschen

Laut den Forschern liefern die Studienergebnisse einen praktischen Nutzen für alle, die ihre Lebenserwartung verlängern möchten. "Menschen wählen im Laufe der Zeit naturgemäß unterschiedliche Aktivitäten, je nach ihren Vorlieben und ihrem Gesundheitszustand. Bei der Entscheidung, wie man Sport treibt, sollte man bedenken, dass die Ausübung mehrerer Arten von körperlicher Aktivität zusätzliche gesundheitliche Vorteile mit sich bringen kann, anstatt sich nur auf eine einzige Art zu verlassen", sagte der für die wissenschaftliche Arbeit federführende Autor Yang Hu.

Interessant ist eine Grafik in der wissenschaftlichen Arbeit, welche die Verringerung des Sterberisikos nach Todesursachen aufzeigt: So reduzieren sich die Todesfälle durch Atemwegserkrankungen sehr schnell und am stärksten um etwas mehr als 50 Prozent. An zweiter Stelle folgen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit rund minus 30 Prozent.

Die Kurven nach den einzelnen Sportarten verlaufen zumeist nicht linear mit dem Intensitätsgrad der physischen Belastung. Bei mehreren Sportarten (Gehen, Tennis, Stiegensteigen, Krafttraining) wird bei steigender Intensität eine Art Plateau auf niedrigerer Ebene erreicht.

Zusammenfassung
  • Regelmäßige körperliche Aktivität senkt laut US-Langzeitstudien die Gesamtsterblichkeit um fast 20 Prozent, wobei Gehen als Einzelsportart mit 17 Prozent den stärksten Effekt zeigt.
  • Das Sterberisiko durch Atemwegserkrankungen sank um über 50 Prozent, während Schwimmen als einzige Sportart keinen signifikanten Einfluss auf die Sterblichkeit hatte.