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Falsch gekühltes Spenderherz: Kind in Italien gestorben

Heute, 09:12 · Lesedauer 4 min

Der herzkranke kleine Bub in Italien ist nach einer misslungenen Transplantation gestorben. Wie das Krankenhaus "Monaldi" in Neapel am Samstag mitteilte, starb der nicht einmal zweieinhalb Jahre alte Domenico "infolge einer plötzlichen und irreversiblen Verschlechterung seines klinischen Zustands" auf der Intensivstation. Der Fall sorgte in Italien seit Wochen für Schlagzeilen - auch, weil zuvor offensichtlich Fehler bei einem Eingriff gemacht wurden.

Der Tod des kleinen Domenico wurde vom Anwalt seiner Familie, Francesco Petruzzi, gegenüber Medien bestätigt. Kurz vor seinem Tod hatte der Bub vom Erzbischof von Neapel, Kardinal Mimmo Battaglia, die letzte Ölung erhalten. Der Kardinal hatte bis zum Schluss an der Seite der Mutter im Krankenhaus für das Kind gebetet.

"Man hat mich heute Nacht gegen 4.00 Uhr angerufen und mir gesagt, dass sich die Situation verschlechtert. Ich bin bis zum Schluss geblieben, bis die Maschine abgeschaltet werden musste - und dann war es vorbei", wurde die Mutter des Kindes von der italienischen Nachrichtenagentur ANSA zitiert. Das Kind lag seit dem 23. Dezember im Koma auf der Intensivstation des Krankenhauses.

"Am Montag werde ich beim Notar unterschreiben, um eine Stiftung im Namen von Domenico zu gründen. Mein Anwalt wird sich darum kümmern. Ich möchte das tun, damit Domenico nicht vergessen wird und um anderen Kindern zu helfen", fügte die Mutter hinzu. Nachdem sich die Nachricht von Domenicos Tod verbreitete, brachten Menschen Blumen zum Krankenhaus.

Der Bürgermeister von Neapel, Gaetano Manfredi, kondolierte der Familie des kleinen Domenico. "Man muss der Familie in diesem Drama, das sie durchlebt hat, einfach nahe sein und dann genau untersuchen, was geschehen ist", so Manfredi.

Staatsanwaltschaft Neapel ermittelt gegen sechs Personen

Der Tod des Kindes wirft Fragen zu möglichen Fehlern und Verantwortlichkeiten in Zusammenhang mit der Herztransplantation auf, der Domenico unterzogen hätte werden sollen. Die Staatsanwaltschaft Neapel ermittelte zunächst wegen Verdacht auf schwerste fahrlässige Körperverletzung gegen sechs Personen, die dem Transplantationsteam angehörten.

Am 22. Dezember - nach monatelangem Warten - hatten die Ärzte ein Spenderherz gefunden. In Südtirol war ein vierjähriger Bub mit derselben Blutgruppe gestorben. Ein Ärzteteam machte sich daraufhin auf den Weg ins rund 800 Kilometer entfernte Bozen, um das Organ zu übernehmen. Beim Rücktransport kam es nach bisherigen Erkenntnissen zu einem folgenschweren Fehler. Das Herz wurde offenbar nicht - wie üblich - in normalem Eis bei etwa plus vier Grad gelagert, sondern geriet in Kontakt mit deutlich kälterem Trockeneis von rund minus 80 Grad. Dadurch sei das Organ "buchstäblich erfroren", heißt es aus Ermittlerkreisen.

Trotz der massiven Schäden wurde das Herz transplantiert. Die Ärzte in Neapel hatten dem Kind sein eigenes Herz bereits entnommen. Da er ohne funktionierendes Organ nicht lebensfähig war, wurde er an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Den Eltern teilte man lediglich mit, die Transplantation sei fehlgeschlagen - weitere Details erhielten sie zunächst nicht. Eine zweite Herztransplantation konnte wegen des schlechten Gesundheitszustands des Kindes nicht durchgeführt werden.

Meloni kondoliert Familie

Auch die italienische Regierung verfolgte den Fall. "Ganz Italien trauert um den Tod des kleinen Domenico, eines Kämpfers, der nicht vergessen werden wird. Seinen Eltern und all seinen Angehörigen spreche ich - auch im Namen der Regierung - mein tief empfundenes Beileid aus. Ich bin sicher, dass die zuständigen Behörden diesen schrecklichen Vorfall vollständig aufklären werden", schrieb Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf X.

Das Gesundheitsministerium in Rom entsendete Inspektoren nach Neapel, um möglichen Fehler bei der Herztransplantation nachzugehen. "Die Mutter von Domenico, die bis zum Schluss an der Seite ihres Kindes geblieben ist, lehrt uns, wie man in der Liebe, im Schmerz und in der Ungerechtigkeit eines so grausamen Schicksals die Kraft finden kann, zu kämpfen und zu reagieren", so die Ministerin für Menschen mit Behinderung, Alessandra Locatelli, in einem Beitrag auf Facebook.

Zusammenfassung
  • Der Fall löste in Italien breite Anteilnahme und Betroffenheit aus, die Regierung entsandte Inspektoren nach Neapel und die Mutter kündigte die Gründung einer Stiftung im Namen ihres Sohnes an.