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Extremhitze in Europa: Schon mehr als 1.000 Hitze-Tote in Portugal

20. Juli 2022 · Lesedauer 6 min

Die grassierende Hitzewelle sorgt für Ausnahmezustand in Europa. In mehreren Ländern wüten Waldbrände, Portugal meldet bereits mehr als 1.000 Hitzetote. In Teilen Italiens wird bereits mit 70 Prozent Ernteausfällen gerechnet. Großbritannien versucht, Eisenbahngleise mit weißer Farbe vor Hitzeschäden zu schützen.

In vielen Teilen des Kontinents zeigt das Thermometer Temperaturen bis über 40 Grad an. Auch Österreich stöhnt derzeit unter den hohen Temperaturen. Europaweit kämpfen Länder mit Bränden, Hitze-Toten, Ernteausfällen und Verkehrsproblemen.

In Portugal sind laut der Chefin der Gesundheitsbehörde seit 18. Mai insgesamt 1.063 Menschen an den Folgen der derzeitigen Hitzewelle gestorben. Der staatliche TV-Sender RTP berichtet, dass am Dienstagabend sechs größere Waldbrände in verschiedenen Teilen Portugals aktiv waren, die von insgesamt mehr als 900 Einsatzkräften bekämpft wurden. Der Naturschutzbehörde ICNF gab bekannt, dass die Flammen in einer Woche rund 30.000 Hektar Wald vernichteten und in sechseinhalb Monaten bereits fast 60.000 Hektar. Das ist mehr als doppelt so viel wie im ganzen Vorjahr (28.415 Hektar).

In Spanien herrschen Temperaturen von bis zu 45,7 Grad. Auch dort werden erste Hitze-Tote gemeldet. Ein Angestellter der Straßenmeisterei und ein 50 Jahre alter Mann sind in der Nähe von Madrid an Folgen eines Hitzschlags gestorben. Der 50-Jährige brach mit 40 Grad Körpertemperatur auf offener Straße zusammen. Auch in Spanien toben zahlreiche Brände, wegen denen bereits zahlreiche Menschen evakuiert werden mussten. Auch Tierbestände wie Bienen, Schafe und Pferde sind den Bränden zum Opfer gefallen.

In Italien hat die an Kärnten grenzende Region Friaul-Julisch Venetien wegen mehreren Bränden den Ausnahmezustand ausgerufen. Die Autobahn A4 Richtung Triest war unterbrochen und der Zugverkehr von Venedig nach Triest eingestellt. Eine Verkehrsbrücke, die die toskanischen Städte Lucca und Viareggio verbindet, muss ebenfalls wegen Feuern von den italienischen Behörden immer wieder gesperrt werden. In der toskanischen Gemeinde Massarosa mussten 30 Bewohnerinnen und Bewohner in Sicherheit gebracht werden.

Die immer wieder aufflammenden Waldbrände sind auch für die Landwirtschaft eine schwerer Last. Der Bauernverband Coldiretti warnte am Sonntag vor Ernteverlusten von gebietsweise bis zu 70 Prozent. Betroffen sind unter anderem Paprika, Melonen, Marillen, Tomaten und Auberginen.

Auf der griechischen Ferieninsel Kreta zerstörten schwere Brände südlich der Hafenstadt Rethymno große Flächen landwirtschaftlich genutztes Lands. Mehr als 1.850 Hektar seien bereits verbrannt. Vor allem Olivenbäume seien betroffen, sagt der Bürgermeister der Region, Giannis Tatarakis. Auch in der Hauptstadt Athen musste ein großes Feuer gelöscht werden, das zunächst nur klein war, aber durch starke Winde entfacht wurde. Die Evakuierung von neun Dörfern wurde vom Zivilschutz angeordnet. Die griechische Feuerwehrt wertet die Lage als "sehr ernst" ein, da Winde Brände immer wieder entfachen kann.

Frankreich hat wegen der Extremhitze mit Luftverschmutzung zu kämpfen. In der nordöstlichen Region Grand Est, an der Grenze zu Deutschland und Belgien, wurden Verkehrseinschränkungen verhängt. Das Tempolimit auf Autobahnen und Straßen mit zwei Richtungsfahrbahnen wurde zudem um 20 km/h reduziert.

Wie in Spanien, Italien und Griechenland wüten auch an der französischen Atlantikküste Waldbrände. Südlich von Bordeaux sind innerhalb einer Woche 19.300 Hektar Land verbrannt, teilt die zuständige Präfektur mit. Aufgrund der verharrenden Waldbrände musste bei Teste-de-Buch ein Altersheim geräumt werden. 34.000 Menschen mussten aufgrund der schweren Waldbrände bei Teste-de-Buch und Landiras vorsichtshalber ihre Bleibe verlassen. Außerdem wurden 370 Tiere eines Zoos vorübergehend in einen anderen Tiergarten untergebracht.  

Großbritannien, das sonst eher für Regen bekannt ist, muss derzeit Temperaturen bis zu 40 Grad aushalten. In Coningsby in der ostenglischen Grafschaft Lincolnshire wurde ein Rekord von 40,3 Grad gemessen, wie der Wetterdienst Met Office bekanntgab. Die Briten haben wegen der Hitze mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Zum ersten Mal wurde für weite Teile Englands die höchste Warnstufe ausgerufen und für Wales und Teile Schottlands die zweithöchste.

Aus Angst, dass sich Zugschienen aufgrund der Hitze verbiegen, wurden diese mit weißer Farbe angemalt, um die Sonnenstrahlen zu reflektieren. Die Eisenbahnagentur Network Rail (NR) hat am Montag an manchen Gleisen 62 Grad gemessen. Um den heißen Asphalt zusammenzuhalten, wurden auf den Straßen im nordenglischen York sowie in der westenglischen Grafschaft Somerset feine Sandschichten aufgetragen. Auch beim Flugverkehr herrscht Chaos. Flüge mussten gestrichen oder verschoben werden, da auf der Oberfläche des Rollfeldes Schäden entdeckt wurden.

Brände in der Hauptstadt

Brände in und um London müssen von hunderten Feuerwehrleuten auf dem Inselstaat bekämpft werden. Ausgelöst wurden die Feuer, die sich auf Wohngebiete ausbreiteten, durch ausgedorrtes Gras. Von der Feuerwehr wurde angesichts "mehrerer großer Brände in der gesamten Hauptstadt" eine Notfallstufe ausgerufen. Die Bevölkerung wurden gebeten nur in Notfällen anzurufen, keine Lagerfeuer oder Grills anzuzünden sowie Zigaretten sicher zu entsorgen und keine Glasflaschen oder Scherben auf dem Boden zurückzulassen.

Die Niederlande haben aufgrund der Höchsttemperaturen von mehr als 40 Grad den "Code Oranje" ausgerufen. Die Bevölkerung soll die Sonne meiden, viel trinken und körperliche Anstrengung, wenn möglich, vermeiden. Um den Asphalt zu kühlen wurden Streuwägen gestartet, die Salz auf den Straßen verteilen. Das soll der Luft die Feuchtigkeit entziehen und einen Kühleffekt bewirken.

In Deutschland warnt die bayrische Forstministerin Michaela Kaniber die Bevölkerung vor Waldbränden durch ausgetrocknete Böden die "mit vertrockneten, leicht entzündlichen Blättern, Zweigen und Nadeln bedeckt sind".

Hohe Ozonbelastung auch in Österreich

Die Extremtemperaturen sorgen in vielen Gegenden auch für hohe Ozonwerte. So wurden etwa in Italien, Spanien und Portugal Werte von mehr als 200 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) festgestellt. Eine zu hohe Ozonkonzentration kann zu Kopfschmerzen sowie Tränenreiz führen und bei körperlicher Anstrengung sogar tief in das Lungengewebe vordringen und Entzündungen hervorrufen.

Der Ozonwarndienst hat kürzlich auch an den Messstellen Wien-Lobau und Schwechat (NÖ) erhöhte Ozonwerte festgestellt. Eine Ozonkonzentrationen größer als 180 µg/m³ als Einstundenmittelwert wurden gemessen. Gemäß Ozongesetz wurde damit die Informationsschwelle überschritten.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz