APA - Austria Presse Agentur

Experten warnen vor Gefahren im alpinen Gelände

19. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

Jeder siebente Wanderer weiß nicht genau, wo er unterwegs ist, und hat sich nicht hinreichend mit der ins Auge gefassten Tour auseinandergesetzt. Das hat eine Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) unter 700 Befragten ergeben. Unter dem Motto "Sicherheit am Berg" haben daher am Mittwoch alpine Rettungsorganisationen in einer Online-Pressekonferenz an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen appelliert, den es in der bevorstehenden Sommersaison in die Berge zieht.

Wie Peter Paal, Präsident des Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS), ausführte, hat es in der vergangenen Sommersaison mehr Bergunfälle gegeben als in den Jahren zuvor. Bergsportexperten führen das auf die Folgen der Corona-Pandemie zurück - Reisen ins Ausland waren kaum möglich, statt in Badeschlapfen ans Meer schnürten daher etliche Urlauber Trekking- oder Bergschuhe und wagten sich ins Gebirge. Mit einem ähnlichen Boom wird auch im heurigen Sommer gerechnet.

Damit geht allerdings einher, dass erneut "Menschen mit erhöhten Risikofaktoren" im alpinen und hochalpinen Gelände unterwegs sein werden, "die weniger Kondition, aber auch weniger Ahnung haben, was die technischen Voraussetzungen und die Tourenplanung betrifft", gab Paal zu bedenken. Schwere, oft tödliche Unfälle hätten sich in der vergangenen Sommersaison speziell infolge konditioneller Überforderung beim Aufstieg und mangelnder Vorsicht beim Abstieg ereignet. Es gelte daher ein ganzes "Präventionsbündel" zu beachten.

Dieses skizzierte Martin Gurdet, der Geschäftsführer des Österreichischen Bergrettungsdiensts (ÖBRD). Die Bergrettung bewältigt mit rund 13.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern jährlich 8.000 bis 9.000 Einsätze. Damit es nicht mehr werden, appellierte Gurdet an die Bergsportbegeisterten, mit der Tourenplanung nicht erst am Vorabend oder noch später zu beginnen, sondern sich dieses Themas schon mehrere Tage vorher anzunehmen: "Zu wissen, wo man ist, ist ganz essenziell." Neben der Topographie gehört der Ausrüstung, der Verpflegung, der Wettervorhersage und der Zusammensetzung der Gruppe, mit der man unterwegs ist, besondere Beachtung geschenkt.

Mit Nachdruck wies Gurdet auf das Reko-Suchsystem hin, das das Auffinden von vermissten Wanderern oder Bergsteigern erleichtert. Wer seinen Rucksack oder Helm mit einem Rettungsreflektor versieht - die nur vier Gramm schweren und batterielos betriebenen Reflektoren sind im Fachhandel erhältlich -, erhöht im Notfall die Wahrscheinlichkeit, dass er von Suchtrupps aufgespürt wird. Denn an Rettungshubschraubern sind Detektoren montiert, die Radarwellen aussenden und Rettungsreflektoren orten können, was - vor allem, wenn das Suchgebiet groß ist - die Chancen für vom Weg abgekommene Tourengeher verbessert, gefunden zu werden.

Darüber hinaus sollte man darauf achten, den Akku des Mobiltelefons während einer Wanderung nicht über Gebühr zu beanspruchen, warnte Gurdet. Die Alpine Notrufnummer 140 sollte man in jedem Fall eingespeichert haben.

Selbstverständlich sollte auch sein, dass vor einer Tour in der Unterkunft oder den Angehörigen mitgeteilt wird, wohin es geht, wie Hans Ebner, der Leiter der im Innenministerium angesiedelten Alpinpolizei, bekräftigte: "Damit kann die Suche zielgerichtet und schnell eingegrenzt werden." Andernfalls laufe man bei einem alpinen Notfall Gefahr, wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen gesucht zu werden. Interessenten und angehenden Wanderern, die im alpinen Gelände keine oder wenig Erfahrung haben, riet Ebner, Aus- oder Fortbildungskurse in Alpinvereinen oder Bergsportschulen zu belegen.

Quelle: Agenturen