APA - Austria Presse Agentur

"Estonia"-Untergang im Jahr 1994 wird erneut untersucht

04. Feb 2021 · Lesedauer 2 min

Estlands Regierung will drei Millionen Euro für neue Untersuchungen an der vor mehr als 26 Jahren gesunkenen Ostseefähre "Estonia" bereitstellen. Das Geld wird der staatlichen Untersuchungsbehörde zugewiesen, um den Schiffsrumpf am Ostseegrund genauer untersuchen zu können, teilte Staatskanzlei in Tallinn am Donnerstag mit. Die Untersuchung des Wracks soll gemeinsam mit Partnerbehörden in Schweden und Finnland erfolgen.

Damit soll herausgefunden werden, wie ein großes und lange Zeit unbekanntes Loch im Rumpf entstanden ist, das durch Aufnahmen von Dokumentarfilmern im vergangenen Jahr enthüllt wurde. Regierungschefin Kaja Kallas ging davon aus, dass die Untersuchungen unter Wasser nicht vor dem Sommer beginnen werden. Nötig dafür seien noch Gesetzesänderungen in Schweden und Finnland, sagte sie auf der Regierungspressekonferenz. Zugleich dämpfte sie die Erwartungen: "Wir werden definitiv Antworten über die Situation bezüglich des Rumpfes erhalten, aber ich weiß nicht, ob wir für immer die Wahrheit herausfinden werden", sagte Kallas der Agentur BNS zufolge.

Die "Estonia" war in der Nacht zum 28. September 1994 mit 989 Menschen an Bord auf ihrem Weg von Tallinn nach Stockholm vor der finnischen Südküste gesunken. Mit 852 Toten gilt der Untergang als die schwerste Schiffskatastrophe in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Weil viele der Toten nicht geborgen werden konnten, steht das Wrack als Ruhestätte unter Schutz und darf nicht aufgesucht werden - das legt der Grabfrieden fest.

Warum die "Estonia" unterging, konnte bisher nicht zweifelsfrei geklärt werden. Dem offiziellen Untersuchungsbericht aus dem Jahr 1997 zufolge war das abgerissene Bugvisier die Ursache für den Untergang. Überlebende und Hinterbliebene fordern jedoch seit langem, dass die Untersuchungen wieder aufgenommen werden. Ein Dokumentarfilm hatte im September 2020 die Diskussion wieder aufleben lassen. Darin wurden Löcher im Schiffsrumpf gezeigt, die das Filmteam mit Hilfe eines Tauchroboters entdeckt hatte.

Quelle: Agenturen