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Erstes Digitales Kinderschutzzentrum online

Heute, 10:35 · Lesedauer 3 min

Der Bundesverband der Österreichischen Kinderschutzzentren hat am Donnerstag das erste Digitale Kinderschutzzentrum vorgestellt. Die Online-Anlaufstelle soll Kinder und Jugendliche dort abholen, wo sie sich im Alltag viel aufhalten - dem digitalen Raum als für sie zentralem Lebensbereich. Über eine Chatberatung können Betroffene anonym Kontakt zu Fachkräften aufnehmen und erste Unterstützung erhalten. Gleichzeitig warnten die Expertinnen vor Sparmaßnahmen im Kinderschutz.

"Das Digitale Kinderschutzzentrum versteht sich als zentrale und digitale Erstanlaufstelle für gewaltbetroffene und gewaltgefährdete Kinder und Jugendliche und soll ihnen, wenn notwendig, den Weg zu weiteren Unterstützungsangeboten ebnen", sagte Gabriela Ulram, fachliche Leiterin des Projekts, bei einer Pressekonferenz in Wien. Es soll auch Betroffene erreichen, die bisher nicht betreut werden konnten oder vor allem in der "oftmals belastenden Abendzeit" Hilfe benötigen.

Projektmitarbeiterin Miriam Sturm hat in einer Pilotphase Erfahrungen gesammelt: Für viele sei der erste Schritt, sich jemandem anzuvertrauen, die größte Hürde. Gerade vielen Jungen falle es leichter, über Probleme mit jemandem zu schreiben bzw. zu chatten als darüber zu sprechen. Das Team besteht aus Fachleuten aus den Bereichen Sozialarbeit, klinische Psychologie und Psychotherapie. "Wir möchten Kinder und Jugendliche erreichen, die akut von Gewalt betroffen sind oder sich in bedrohlichen Situationen befinden", sagte Ulram.

Das Digitale Kinderschutzzentrum ist aus einer Projektförderung entstanden, die das Gesundheitsministerium dem Verband nach der Coronakrise und einem großen Missbrauchsfall seit Oktober 2024 zugesprochen hatte. Es werden insgesamt 9,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Rund zehn Prozent wurden zur Lancierung des neuen Online-Angebots verwendet.

Hilfen durch Projektförderung ausgebaut

Der Großteil, gut acht Millionen Euro, fließt in den Ausbau der Angebote der österreichweit 36 Kinderschutzzentren. "Derzeit werden im Projekt rund 300 spezialisierte Fachkräfte teilweise oder zur Gänze durch die Förderung finanziert", sagte Karin Thiller, Geschäftsführerin des Bundesverbands. Öffnungszeiten wurden aus-, Wartelisten abgebaut. Im Gesamtzeitraum der Förderung - sie läuft nach 18 Monaten Ende September aus - werden rund 45.000 Stunden Krisenintervention geleistet und 18.000 Personen betreut worden sein.

Um das Angebot aufrechtzuerhalten, seien drei Millionen Euro Förderungen pro Jahr nötig, erläuterte Thiller. Angesichts von budgetären Sparzwängen scheint die Verlängerung alles andere als gesichert. "Es gibt derzeit keine Signale, weder positive noch negative, es gibt keine Zusage, auch keine Gespräche."

"Kinder sind jene Bevölkerungsgruppe, die am meisten Gewalt erfährt", betonte Petra Birchbauer, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Österreichischer Kinderschutzzentren. Ihr Risiko sei zwei- bis dreimal so hoch wie jenes von Erwachsenen. Gewaltbetroffenheit in jungen Jahren erhöhe die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten psychischer und körperlicher Erkrankungen sowie für weitere Gewalterfahrungen als Erwachsene. Dadurch entstünden auch Folgekosten im Gesundheits-, Sozial- und Justizsystem. "Die Kinderschutzzentren können helfen - aber nur, wenn die finanziellen Mittel weiterhin nachhaltig zur Verfügung stehen", appellierte Thiller an die Politik, Krisenintervention und digitale Beratungsangebote der Zentren dauerhaft abzusichern.

(S E R V I C E - https://www.oe-kinderschutzzentren.at/ - https://digitales-kinderschutzzentrum.at/ )

Zusammenfassung
  • Der Bundesverband der Österreichischen Kinderschutzzentren hat das erste Digitale Kinderschutzzentrum vorgestellt, das Kindern und Jugendlichen in Österreich eine anonyme Chatberatung als Erstanlaufstelle bei Gewalt oder Bedrohung bietet.
  • Im Rahmen der Förderung werden rund 300 Fachkräfte finanziert, etwa 45.000 Stunden Krisenintervention geleistet und 18.000 Personen betreut, doch die Fortführung nach Ablauf des Förderzeitraums im September ist wegen fehlender Zusagen unsicher.