Ehemaliger Afghanistan-Soldat: "Man darf die Taliban nicht unterschätzen"

27. Aug 2021 · Lesedauer 2 min

Der ehemalige deutsche Soldat Sven Fiedler war selbst 2019 in Afghanistan im Einsatz. Laut ihm dürfe man die Taliban nicht unterschätzen. Besonders gefährlich sei es im Moment für afghanische Ortskräfte.

"Man darf die Taliban nicht unterschätzen", sagt Sven Fiedler im Newsroom LIVE. Fiedler war deutscher Bundeswehrsoldat und selbst 2019 in Afghanistan im Einsatz. Während seines Einsatzes habe er einen "guten Eindruck davon bekommen, was den Leuten drohen kann, wenn sie in die Hände der Taliban kommen". So zeigte ihm eine Ortskraft die Narben, die dieser durch die starke Misshandlung durch die Taliban bekommen hat.

Ausländischer Pass sei "Lebensversicherung"

Es sei laut Fiedler eine Fehleinschätzung zu glauben, dass es sich bei den Taliban nur um "ein paar bärtige Menschen mit Kalaschnikows und Mopeds" handle. Die Taliban seien "auf einem hohen Standard ausgebildet" und würden über "sehr gute Nachrichtendienste" verfügen. Zudem dürfe man auch den Rückhalt aus der Bevölkerung nicht unterschätzen, sagt Fiedler, der mittlerweile Teil des Patenschaftsnetzwerkes "Afghanische Ortskräfte" ist. "Würde die gesamte Bevölkerung die Taliban komplett ablehnen, dann hätten sie das Land sicher nicht so schnell eingenommen", stellt der ehemalige Soldat fest.

Aktuell gehe es deutschen oder österreichischen Staatsbürgern "verhältnismäßig gut", denn der ausländische Pass sei "eher eine Lebensversicherung". Problematisch sei es laut Fiedler eher für Afghanen die Arbeitsverträge mit Deutschland oder Österreich haben – "die werden zum Teil vernichtet, weil die Menschen Angst haben, dass die Taliban sie damit aufgreifen", so Fiedler. "Auf den deutschen oder auch österreichischen Staatsbürgern wahrscheinlich liegt auch ein gewisser Medienfokus. Auf die Afghanen, die nur Ortskräfte sind, da schauen die Medien nicht so hin", beschreibt Fiedler die Problematik.

Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea