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Neunter Meistertitel in Folge für Salzburg "nicht selbstverständlich"

25. Apr. 2022 · Lesedauer 4 min

Mit einem stilechten 5:0-Kantersieg über die Austria hat Salzburg am Sonntag seinen neunten Fußball-Meistertitel in Serie begangen. "Das ist nicht selbstverständlich", sagte Trainer Matthias Jaissle, der in seiner Premierensaison gleich abräumte.

Aller Partystimmung zum Trotz warnte Jaissle aber vor Feier-Exzessen. Schließlich hat man am kommenden Sonntag noch das Cupfinale gegen Ried vor sich: "Wir haben noch etwas vor in dieser Saison. Wir wollen den Cupsieg holen."

Mit Kantersieg zum Titel 

"Wir haben uns heute für einen brutal hohen Aufwand über die ganze Saison belohnt", erklärte Jaissle nach einer Partie, in der seine Truppe mit der Austria Katz und Maus spielte und durch Noah Okafor (2.), Karim Adeyemi (18.), Luka Sucic (28.), Brenden Aaronson (54.) und Mohamed Camara (85./beide Foulelfmeter) fünfmal einnetzte. "Wir waren heute ab der ersten Minute präsent, die Mannschaft hat alles umgesetzt, was sie sich vorgenommen hat. Gegen die Austria muss man einmal so bestehen wie heute. Wir wollten das Ding rocken und es vor den eigenen Fans klar machen. So ist die Mannschaft über 90 Minuten aufgetreten."

Auf den Meisterteller muss man aber noch ein bisschen warten, er wird erst im Anschluss an das letzte Heimspiel gegen Klagenfurt am 21. Mai übergeben werden. Salzburgs Jungspunde werden es verkraften, sie erhielten viel Lob von Jaissle. "Es ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, was im Sommer passiert ist. Das haben uns nicht alle zugetraut", meinte der 34-jährige Deutsche, der sich in seiner ersten Profisaison zum jüngsten Meistertrainer in der Bundesliga machte. "Ich habe das Vertrauen gehabt, in jeder Phase der Saison. Es ist unglaublich, was der jüngste Kader der Vereinsgeschichte an Konstanz abgeliefert hat."

Cup-Titel würde perfekte Saison krönen 

Die Krönung wäre nach einer Saison, in der man erstmals das Champions-League-Achtelfinale erreichte, der Cuptitel, der zugleich das neunte Double der "Bullen" bedeuten würde. Am Sonntag wartet mit Ried im Finale von Klagenfurt ein klarer Außenseiter. Davor geht es am Mittwoch noch gegen Sturm Graz. Eine für das Meisterrennen nun bedeutungslose Partie.

"Wir werden etwas feiern, aber nicht zu viel, weil wir nächstes Wochenende im Cupfinale auch noch zuschlagen wollen", stellte Kapitän Andreas Ulmer deshalb klar. Der 36-jährige, der auch nächstes Jahr für Salzburg auflaufen wird, konnte sich selbst über seinen 12. Meistertitel mit dem Club noch freuen: "Es hat uns in dieser Saison über die vielen Spiele ausgezeichnet, dass wir vom Kopf her richtig gut reingegangen sind, sehr, sehr professionell waren und kaum nachgelassen haben. Das ist für die Mannschaft, die im Sommer doch einen großen Umbruch gehabt hat, nicht selbstverständlich."

Steht nächster Umbruch bevor? 

Nach dem Umbruch ist in Salzburg bereits traditionell vor dem Umbruch. Adeyemi, Aaronson, Rasmus Kristensen oder ÖFB-Teamspieler Nicolas Seiwald gelten aktuell als Kandidaten auf einen Abgang im Sommer. Seiwald etwa brachte nach der Partie kein klares Bekenntnis zum Club über die Lippen. "Das ist schwer zu beantworten, weil es im Fußball sehr schnell gehen kann", erklärte der 20-Jährige Mittelfeldmann. Jaissle nahm es gelassen: "Der eine oder andere wird den nächsten Schritt gehen. Das ist aber auch keine Überraschung für uns, wenn man die Philosophie des Vereins kennt."

Die Causa prima, die bereits seit Monaten medial am Köcheln gehalten wird, ist jene um Adeyemis Wechsel zu Borussia Dortmund. "Es ist noch nichts fix, wir sind in sehr interessanten Gesprächen mit Dortmund, und Karim wäre auch nicht abgeneigt", sagte Sportdirektor Christoph Freund gegenüber "Sky" und gab zu erkennen, dass man sich über die Höhe der Ablöse noch nicht einig sei. Unter Verkaufsdruck steht man schließlich nicht. Freund kann sich daher auch "sehr gut vorstellen", dass Adeyemi zumindest im Herbst noch in der Champions League zur Verfügung steht. "Aber er kann es sich vorstellen, den nächsten Schritt jetzt zu gehen, und ich traue es ihm natürlich auch zu."

Eigentlich hatte Austria-Coach Manfred Schmid ja nicht "Spalier stehen" wollen für die Titelfeier, am Ende wurde es aber genau das. Schmid, dessen Truppe nach der dritten Niederlage in Folge vom WAC punktemäßig eingeholt wurde und nur zwei Punkte vor Meistergruppen-Schlusslicht Klagenfurt liegt, nahm es aber gelassen. "Es ist es das erste Mal heuer in 28 Spielen, wo wir wirklich unterlegen waren und nicht mithalten konnten. Deswegen ist das für uns kein Problem, wir brauchen das Spiel nicht lange analysieren", sagte der Wiener, dessen Truppe am Mittwoch in Wolfsberg gastiert.

Quelle: Agenturen / mpa