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Ernüchterung bei UN-Artenschutzkonferenz in Montreal

14. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Die erste Verhandlungswoche der 15. UN-Biodiversitätskonferenz in Montreal ist für Greenpeace mit Ernüchterung zu Ende gegangen. Nach Beratungen auf Experten-Ebene treffen sich ab Donnerstag die Ministerinnen und Minister im sogenannten High-Level-Segment. "Der erste Entwurf des Abkommens wurde jedoch bereits jetzt entschieden geschwächt", so Greenpeace am Mittwoch. Aktuell stehe es auf der Kippe, ob Rechte von Indigenen explizit in den einzelnen Zielen verankert würden.

Das Ziel der Delegierten aus fast 200 Ländern ist der Abschluss einer globalen Vereinbarung, die bis 2030 mindestens 30 Prozent der Fläche an Land und im Meer unter Schutz stellt. Auch die Renaturierung zerstörter Ökosysteme, weniger Pestizideinsatz und weniger Plastikmüll sollen dazu gehören, wie auch die Rechte Indigener. Die Beratungen laufen bisher aber zäh. Am Montag gab es statt der geplanten Verhandlungspause weitere Sitzungen zum Globalen Biodiversitätsabkommen (Global Biodiversity Framework, GBF).

Für Österreich wird Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) - wie zuvor bei der UN-Klimakonferenz in Ägypten - in der zweiten Woche teilnehmen. Sie tritt dort wie üblich als Vertreterin der EU auf. Greenpeace forderte, dass Gewessler in Montreal eine starke Position beziehe. Die EU müsse eine Vorreiterrolle einnehmen. "Dafür ist es erforderlich, dass alle Ministerinnen und Minister vor Ort bleiben, bis auch die letzten Punkte abschließend geklärt sind. Richtungsweisende Entscheidungen für den Artenschutz dürfen nicht länger aufgeschoben werden", sagte Ursula Bittner, Artenschutz-Expertin bei Greenpeace in Österreich.

"Naturschutz funktioniert nicht, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Indigene und lokale Gemeinschaften sind für einen weltweiten Artenschutz entscheidend", so Bittner. Jedoch werde derzeit diskutiert, ob sie in dem geforderten Ziel von 30 Prozent an geschützten Flächen überhaupt erwähnt würden. Für den Naturschutz sei das eine Katastrophe: "Nur mehr wenige Gebiete weltweit weisen einen hohen Artenreichtum auf. 80 Prozent dieser "Artenhotspots" liegen in der Verwaltung von Indigenen. Dabei machen Indigene gerade einmal fünf Prozent der Weltbevölkerung aus. Darin zeigt sich, dass Indigene und lokale Gemeinschaft eine äußerst wichtige Rolle im Artenschutz einnehmen", so Greenpeace.

China hat den Vorsitz der COP15, die noch bis kommenden Montag, den 19. Dezember, angesetzt ist.

Quelle: Agenturen