APA - Austria Presse Agentur

Erneuter landesweiter Lockdown ab Freitag in Israel

14. Sept 2020 · Lesedauer 2 min

Israel verhängt wegen der Coronavirus-Pandemie bereits zum zweiten Mal einen landesweiten Lockdown.

"Unser Ziel ist es, den Anstieg zu stoppen", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Dieser liege derzeit bei 4.000 neuen Fällen pro Tag. Kommenden Freitag soll deshalb ein dreiwöchiger Lockdown in Kraft treten, kündigte Netanyahu am Sonntagabend nach einer Kabinettssitzung an. Bei Bedarf könnten sie auch ausgedehnt werden.

Bereits Mitte März hatte es einen ersten Lockdown gegeben. Er wisse, dass die neuen Maßnahmen "einen hohen Preis von uns fordern", sagte Netanyahu. "Dies werden nicht die Feiertage sein, die wir gewohnt sind, wir werden sicherlich nicht mit unseren Großfamilien feiern können."

Die neuen Corona-Beschränkungen treten Freitagfrüh und damit rechtzeitig vor Beginn des jüdischen Neujahrs (Rosch Haschana) in Kraft und gelten dann auch während der anschließenden Feiertage Jom Kippur und Sukkot. In dieser Zeit sollen sich nur noch zehn Menschen gemeinsam in geschlossenen Räumen aufhalten dürfen, im Freien werden Zusammenkünfte auf 20 Menschen beschränkt.

Geschäfte schließen wieder

Die Maßnahmen sehen auch die Schließung von nicht lebensnotwendigen Geschäften sowie Schulen vor. Zudem soll der Eintritt zu Synagogen und anderen Gotteshäusern stark eingeschränkt oder ganz untersagt werden. Restaurants dürfen nur noch außer Haus verkaufen. Menschen dürfen sich nicht weiter als 500 Meter von ihren Wohnungen entfernen.

Israel mit seinen neun Millionen Einwohnern hat derzeit eine der weltweit höchsten Corona-Infektionsraten. Seit Ausbruch des neuartigen Virus registrierten die israelischen Behörden mehr als 155.000 Infektionsfälle. In mehr als 1.100 Fällen führten die Infektionen zum Tod.

Minister tritt aus Protest zurück

Aus Protest gegen die Maßnahme trat der ultraorthodoxe Wohnungsbauminister Yaakov Litzman zurück. "Es ist ungerecht und respektlos gegenüber Hunderttausenden von Bürgern, Ultraorthodoxen, Religiösen und Traditionellen," begründete der bisherige Wohnungsbauminister Litzman seinen Rückzug aus der Regierung. Der Ultraorthodoxe war während der ersten Corona-Welle im März Gesundheitsminister. Netanyahu sagte, er bedauere den Rücktritt Litzmans. Die Regierung müsse aber "vorankommen und die Entscheidungen treffen, die für den Staat Israel während der Corona-Pandemie notwendig sind".

Der langjährige Ministerpräsident steht wegen des Umgangs seiner Regierung mit der Corona-Pandemie stark unter Druck. Jeden Samstag demonstrieren tausende Israelis gegen Netanyahu, der auch wegen Korruption angeklagt ist. Am Sonntag gingen erneut Hunderte Menschen gegen ihn auf die Straße.

Quelle: Agenturen / Redaktion / spe