APA - Austria Presse Agentur

Erneute Gewitterfront in Österreich und Deutschland

24. Juli 2021 · Lesedauer 5 min

Eine Woche nach den verheerenden Überflutungen kam es in Belgien erneut zu starken Regenfällen. Eine Unwetterfront traf auch Österreich und Deutschland. In Amstetten musste eine Hochzeitsgesellschaft evakuiert werden.

Gut eine Woche nach den verheerenden Überflutungen mit Todesopfern kam es am Samstag in Belgien neuerlich zu schweren Regenfällen. Über Tote und Verletzte war zunächst nichts bekannt. Eine Unwetterfront zog auch wieder durch Deutschland. In Teilen Bayerns traten Gewitter mit örtlich ergiebigem Regen- und Hagelschauer auf. Größere Schäden wurden vorerst nicht gemeldet. Auch in Österreich sorgte eine Gewitterfront für Feuerwehreinsätze.

Murenabgängen in Salzburg

Eine Gewitterfront hat am Samstagabend im Bundesland Salzburg zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen geführt. Besonders betroffen von dem starken Regen und von Sturmböen waren vorerst der Pinzgau und der Pongau. Die Einsatzkräfte beseitigten Muren, entfernten umgestürzte Bäume, pumpten Keller aus und machten überflutete Straßen frei. Die B164 musste zwischen Mühlbach und Bischofshofen (Pongau) wegen Muren gesperrt werden.

Feuerwehrleute befreiten die Fahrzeuge, die sich noch zwischen den Murenabgängen auf der B164 befanden, informierte der Landesfeuerwehrverband Salzburg. Von der Gewitterfront betroffen waren im Pinzgau die Gemeinden Zell am See, Dienten, Saalfelden sowie Maria Alm und im Pongau Schwarzach, St. Veit, St. Johann, Bischofshofen und Mühlbach. Im Tennengau war die Feuerwehr in Hallein und Adnet im Einsatz sowie im Flachgau in St. Gilgen und Wals.

39 Einsätze in Salzburg

In Bischofshofen beim Autobahnzubringer zur A10 musste die Straße aufgrund mehrerer Bäume, die auf die Fahrbahn zu stürzen drohten, für längere Zeit gesperrt werden. In Maria Alm im Pinzgau stürzte ein Fahrzeug ab. Der 61-jährige Fahrer wurde aus seinem Wagen geschleudert und erlitt tödliche Verletzungen.

In Saalfelden wurde ein Feuerwehrmann bei einem Einsatz von einem Baum schwer verletzt. Der 28-Jährige schnitt mit der Kettensäge einen bereits gesicherten Baum um, als sich unerwartet ein zweiter Baum löste, den Mann beim Herabstürzen an der Wirbelsäule traf und zwischen den beiden Bäumen einklemmte. Die Kameraden verständigten die Rettung. Der Mann wurde mit schweren Verletzungen am Brustkorb sowie an der Wirbelsäule vom Rotem Kreuz unter notärztlicher Begleitung ins Krankenhaus Zell am See gebracht.

Insgesamt waren 14 Feuerwehren bei 39 Einsätzen mit 216 Mann in der Nacht auf Sonntag in Salzburg unterwegs.

Auch dieses Wochenende können wieder Unwetter drohen. Punktuell sind abermals schwere Niederschläge möglich.

Hochzeitsgesellschaft evakuiert

Gewitter und Starkregen haben in der Nacht auf Sonntag auch im Bezirk Amstetten zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen geführt. In Haidershofen wurde nach Angaben des Bezirkskommandos eine Hochzeitsgesellschaft evakuiert. Die mehr als 100 Personen verließen das Gebäude, in dem gefeiert worden war, selbstständig und wurden anschließend von den Helfern versorgt.

Die Lage wurde als durchaus angespannt beschrieben. Das Objekt stand laut Feuerwehr unter Wasser, an den Außenwänden hatte sich Schlamm bis auf Höhe der Fenster angesammelt.

Neben Haidershofen waren auch die Gemeinden Behamberg, Ernsthofen und Haag vom Unwetter betroffen. Probleme bereiteten Hangrutschungen, übergelaufene Rückhaltebecken sowie unter Wasser stehende Keller und Straßen. Die Aufräum- und Reinigungsarbeiten dauerten mehrere Stunden an.

"Unwetter werden immer aggressiver", das sagt Michael Staudinger, der ehemalige Direktor der ZAMG im PULS 24 Interview.

Hochwasser in Belgien

In Belgien wurden zahlreiche Autos weggeschwemmt und Menschen in Sicherheit gebracht In der Stadt Dinant blockierten vom Wasser mitgerissene Fahrzeuge einen Bahnübergang, berichtete die Nachrichtenagentur Belga Samstagabend. Der Bahnverkehr war wegen des Hochwassers Mitte Juli aber bereits eingestellt. In der Stadt Namur rund 100 Kilometer westlich von Aachen mussten Menschen evakuiert werden. "Es ist eine Katastrophe", zitierte Belga die Feuerwehr.

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk RTBF wurde gezeigt, wie sich Straßenzüge in reißende Flüsse verwandelt haben und Trümmer umherliegen. Neben Namur und Dinant waren noch weitere Städte und Dörfer von starken Regenfällen und Überschwemmungen betroffen. In Wallonisch-Brabant südlich von Brüssel kam es zu Erdrutschungen. Auch in der Provinz Antwerpen im Norden des Landes musste die Feuerwehr ausrücken.

Die Situation war laut dem nationalen Krisenzentrum jedoch "nicht vergleichbar" mit den Überschwemmungen vom 14. und 15. Juli. Damals hatten heftige Unwetter in den dicht besiedelten Tälern der Maas-Region im Dreiländer-Eck Deutschland, Belgien und Niederlande in Belgien zumindest 36 Todesopfer gefordert, sieben Menschen werden noch vermisst.

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In Belgien kam es zu Überschwemmungen.

Gewitter in Teilen Bayerns

In Deutschland hatten sich - nach den verheerenden Überflutungen Mitte Juli mit mindestens 179 Todesopfern und noch immer Dutzenden Vermissten - die Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen am Samstag auf neue Schauer und Gewitter vorbereitet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte vor möglichen neuen heftigen Starkregen in der Nacht auf Sonntag gewarnt.

Jens Reupert, "WELT"-Reporter, hat vergangene Woche aus Ahrweiler vom Hochwasser berichtet.

In der Nacht wurden Gewitter in Teilen Bayerns gemeldet. Die Polizei in Oberbayern berichtete am späten Abend von rund 70 Einsätzen wegen umgestürzter Bäume und voll gelaufener Keller im südlichen Teil. Größere Schäden gab es laut einem Sprecher in Rosenheim vorerst nicht. Ähnlich saht es zu diesem Zeitpunkt im Allgäu aus, wo die Polizei in Füssen unter anderem von etlichen abgebrochenen Ästen sprach.

In der Hochwasserregion in Rheinland-Pfalz hatte der Katastrophenschutz vorsorglich eine Notunterkunft für die Bürger eingerichtet. Die Menschen in möglicherweise betroffenen Orten wurden informiert, in den Sozialen Medien und mittels Flugblättern. Demnach bestand keine akute Hochwassergefahr für die Ahr.

Quelle: Agenturen