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Eintritt für Trevi-Brunnen löst Unmut in Rom aus

Heute, 11:36 · Lesedauer 3 min

Er ist ein Klassiker jedes Rom-Besuchs: der Trevi-Brunnen im historischen Zentrum der italienischen Hauptstadt. Doch der bisher kostenlose Zugang zu einem der wohl berühmtesten Brunnen der Welt kostet seit Montag zwei Euro. Die Einführung einer Eintrittskarte zur Besichtigung eines der beliebtesten Monumente in Rom sorgt für Unmut.

Einem Aberglauben zufolge muss jeder Urlauber, der in die Ewige Stadt zurückkehren möchte, eine Münze über die Schulter in den Trevi-Brunnen werfen. Mit rund drei Millionen Besuchern pro Jahr zählt er zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Welt. Wer die Münze jedoch in das Becken werfen will, muss nun Schlange stehen.

Tickets können direkt am Eingang des Trevi-Brunnens in der Via della Stamperia ausschließlich mit Kreditkarte sowie an touristischen Informationsstellen erworben werden. Zudem besteht die Möglichkeit, die Eintrittskarte im Voraus online zu kaufen. Vor Ort gibt es zwei getrennte Warteschlangen: eine für Besucher, die ihr Ticket vor Ort erwerben, und eine für jene mit vorab gekauftem Ticket. Aufsichtspersonal kontrolliert dabei den Einlass.

Das neue Zugangssystem gilt an den meisten Tagen von 9.00 bis 22.00 Uhr, montags und freitags jedoch erst ab 11.30 Uhr. Die Stadt Rom ist überzeugt, dass die Regelung die Sicherheit erhöht. Das bisherige Gedränge galt als bevorzugtes Revier für Taschendiebe und führte immer wieder zu Spannungen zwischen Touristinnen und Touristen und Einheimischen. Zudem soll die Qualität des Besuchserlebnisses durch die Zugangsbeschränkung verbessert werden.

Kritiker sehen die Maßnahme jedoch skeptisch und werfen der Stadt Rom vor, eine historische und kulturelle Stätte zu kommerzialisieren. Der italienische Verbraucherschutzverband Codacons bezeichnete die Einführung des Tickets als einen "beschämenden Aufschlag", der dazu diene, Haushaltslöcher zu stopfen und die mangelhafte Finanzplanung der Stadtverwaltung zu kaschieren.

Verbraucherschutzverband Codacons kritisch

Der Verband warnte vor einem Präzedenzfall und fragte, ob künftig auch andere ikonische Orte Roms wie die Spanische Treppe oder die Kaiserforen kostenpflichtig werden könnten. Angesichts der hohen Besucherzahlen versprächen solche Maßnahmen erhebliche Einnahmen für die Stadtkasse. Statt neuer Abgaben plädiert Codacons für eine bessere Steuerung der Besucherströme ohne zusätzliche Kosten. Auch der bekannte Kunstkritiker und Ex-Kultur-Staatssekretär Vittorio Sgarbi kritisierte die Eintrittskarte für den Trevi-Brunnen.

Mit Eintrittsgeldern für andere Monumente wie das Kolosseum oder das Pantheon erzielt die Stadt Rom bereits seit Längerem erhebliche Einnahmen. Allein beim Kolosseum, der meistbesuchten Sehenswürdigkeit der Stadt, wurden im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Euro bei 14,7 Millionen Besuchern eingenommen. Seit 2023 ist auch das Pantheon, eines der am besten erhaltenen Bauwerke der Antike, nicht mehr kostenlos zugänglich; der Eintritt beträgt fünf Euro.

Andere italienische Städte haben angesichts des Massentourismus ähnliche Maßnahmen ergriffen. Venedig führte 2024 ein Eintrittsgeld für Tagesbesucher ein. Auch in diesem Jahr erhebt die Lagunenstadt an 60 Tagen zwischen Anfang April und Ende Juli eine Gebühr: Zehn Euro werden fällig, bei frühzeitiger Buchung - mindestens drei Tage im Voraus - sind es fünf Euro. Übernachtungsgäste bleiben von der Regelung ausgenommen.

Zusammenfassung
  • Seit Montag kostet der Zugang zum Trevi-Brunnen in Rom zwei Euro, wobei jährlich rund drei Millionen Besucher erwartet werden und Tickets ausschließlich bargeldlos erhältlich sind.
  • Die Stadt Rom verspricht sich von der neuen Regelung mehr Sicherheit und eine bessere Steuerung der Besucherströme, während Kritiker wie der Verbraucherschutzverband Codacons vor einer Kommerzialisierung warnen.
  • Mit Eintrittsgeldern für andere Sehenswürdigkeiten wie das Kolosseum (100 Millionen Euro bei 14,7 Millionen Besuchern 2023) und das Pantheon (5 Euro Eintritt) erzielt die Stadt bereits erhebliche Einnahmen.