Eintagsfliegen akrobatisch auf Wolke sieben beim Sex
Die Bilder förderten erstaunliche akrobatische Fähigkeiten und ganz besondere körperliche Eigenschaften der Tiere zutage: Das Männchen fliegt das Weibchen von unten an, umschlingt es vorne mit verlängerten Vorderbeinen und klammert sich dann hinten mit, ja, speziellen "Genitalfüßen" fest. Dann biegt es den Hinterleib nach oben, um den Liebesakt einzuleiten. Das Geschlechtsteil der Männerfliege ist ein etwa 0,8 Millimeter langer, doppelter Penis mit zwei Penis-Stacheln. Die Weibchen besitzen zwei Eileiter, die getrennt in eine Paarungstasche auf der Unterseite des Hinterleibs münden.
Beim Liebesspiel schockgefrostet und per CT untersucht
Um all das genau zeigen zu können, wurden Eintagsfliegen während ihres Liebesspiels mit einem Kescher aus der Luft gefangen und anschließend mit Vereisungsspray in der Paarungsstellung schockgefrostet. Mithilfe der CT-Aufnahmen gelang es den Wissenschaftern dann, das Zusammenspiel der Geschlechtsorgane bei der Paarung erstmals dreidimensional darzustellen.
"Der akrobatische Paarungsflug, verknüpft mit direkter innerer Befruchtung und einer einzigartigen Körperhaltung, ist ein hochspezialisiertes Verhalten und evolutionär bemerkenswert", sagt dazu Benedict Stocker, Erstautor der Studie und Entomologe am Naturkundemuseum. Die gewonnenen Erkenntnisse trügen auch maßgeblich dazu bei, neben Einblicken in das Sexleben der Tiere die Entwicklung komplexer Fortpflanzungsmechanismen bei Fluginsekten zu verstehen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Insect Systematics and Diversity" veröffentlicht.
Zusammenfassung
- Forscher des Naturkundemuseums Stuttgart haben erstmals das Paarungsritual der Eintagsfliegen-Gattung Ecdyonurus mithilfe von Computertomographie detailgenau analysiert.
- Die Insekten wurden während ihres Liebesspiels schockgefrostet, sodass ihre akrobatischen Fähigkeiten und das Zusammenspiel der etwa 0,8 Millimeter langen, doppelten Geschlechtsorgane dreidimensional dargestellt werden konnten.
- Die in der Fachzeitschrift 'Insect Systematics and Diversity' veröffentlichten Ergebnisse liefern neue Einblicke in die Entwicklung komplexer Fortpflanzungsmechanismen bei Fluginsekten.
