APA - Austria Presse Agentur

Dritte Welle wegen B.1.1.7 in der Lombardei: "Es begann im Kindergarten"

24. Feb 2021 · Lesedauer 2 min

In Norditalien explodieren die Infektionszahlen aufgrund der britischen Virus-Variante B.1.1.7. Im Zentrum dieser dritten Welle steht erneut die Region Lombardei, diesmal die Provinz Brescia.

In der Lombardei nahm die Coronavirus-Pandemie vor einem Jahr ihren Anfang in Europa. Nun ist die Region erneut im Brennpunkt der Infektionszahlen. Rund 200 Gemeinden rund um Brescia wurden in den vergangenen Tagen unter strenge Einschränkungen gestellt. Die Bevölkerung habe Angst vor der britischen Variante, erzählt Giovanni Aldi, Bürgermeister der Gemeinde Castrezzato, dem "Corriere della Sera". Castrezzato und die Nachbargemeinde Corzano seien sowas wie der örtliche Ausgangspunkt der dritten Welle, heißt es von den Gesundheitsbehörden.

"Den ersten Ausbruch haben wir in einem Kindergarten gehabt, das war für uns vollkommen neu", sagt Bürgermeister Aldi. Vier Kinder im Alter von fünf Jahren seien positiv getestet worden. Anfang Februar wurde der Kindergarten geschlossen. "Die Kinder haben ihre Familien angesteckt. Dann gab es ein paar Geburtstagsfeiern - alle wurden angesteckt", schildert er. Von da an stieg die Zahl der Infektionen exponentiell an, verdoppelte sich teilweise täglich.

Schuld ist die sehr viel ansteckendere britische Variante, die sich rasch in die umliegenden Gemeinden der Provinz Brescia ausbreitete. Innerhalb der vergangenen Woche wurden in der Provinz Brescia 4.000 Neuinfektionen bei knapp 1,2 Millionen Einwohnern gemeldet, das entspricht einer 7-Tages-Inzident von rund 333 und ist doppelt so viele wie in umliegenden Provinzen. Tendenz: stark steigend.

"Die Menschen haben Angst"

Es sei nicht wie beim ersten Ausbruch im vergangenen Jahr, wird betont. Die Spitäler seien noch nicht überlastet wie im März 2020, aber die Situation ist kritisch. Der örtliche Gesundheitsdirektor der Gegend Franciacorta, Mauro Borelli, warnt gegenüber dem "Corriere": "Ich habe noch zehn freie Betten, dann ist meine Kapazität von 111 erschöpft."

Und die Menschen erinnern sich an die Situation vom vergangenen Jahr. "Sie hören die Rettungswägen, die Impfungen kommen nicht schnell genug und sie fürchten die neuen Virusvarianten", sagt Aldi. Auch ein erster Fall der südafrikanischen Variante sei ebenfalls bereits gemeldet worden.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos