APA - Austria Presse Agentur

Dramatische Corona-Lage in Indien mit erneut 4.000 Toten

13. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

In Indien hat das Gesundheitsministerium den zweiten Tag in Folge mehr als 4.000 Corona-Tote verzeichnet. Die Zahl der Neuinfektionen blieb am Donnerstag den vierten Tag in Folge unter der Schwelle von 400.000. Doch da sich das Virus rasch im ländlichen Raum verbreitet, wo deutlich weniger getestet wird als in den Städten, könnten zahlreiche Fälle unentdeckt bleiben.

Experten sind unsicher, wann der Höhepunkt der Ausbreitung erreicht wird. Zugleich wächst die Besorgnis wegen einer besonders ansteckenden Variante, die sich rasch verbreiten könnte - auch über Indien hinaus.

Binnen 24 Stunden wurden 362.727 Neuinfektionen nachgewiesen, die Gesamtzahl stieg auf 23,7 Millionen. Weltweit liegt Indien, wo rund 1,35 Milliarden Menschen leben, damit hinter den USA auf Platz zwei. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus stieg um 4.120 auf 258.317.

Die Epidemiologin Bhramar Mukherjee von der Universität Michigan sagte, die meisten Modelle hätten den Höhepunkt der Corona-Welle für diese Woche errechnet. Es könnten auch erste Anzeichen für diesen Trend zu sehen sein. Allerdings sei die tägliche Zahl der Neuinfektionen so hoch, dass die Krankenhäuser überlastet seien, schrieb sie auf Twitter. "Das Schlüsselwort ist vorsichtiger Optimismus."

Besonders schlimm ist die Lage in den ländlichen Gegenden in Uttar Pradesh, dem mit mehr als 230 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundesstaat Indiens. Das Fernsehen zeigte Aufnahmen von Familien, die auf Krankenstationen campierten, um ihre Angehörigen versorgen zu können. Der Ganges, der durch Uttar Pradesh fließt, spülte Leichen an. Die Krematorien sind überfüllt, und das Brennholz für die Scheiterhaufen, auf denen die Toten traditionell verbrannt werden, ist knapp.

Die offiziellen Statistiken lieferten keine Vorstellung davon, wie verheerend die Pandemie im ländlichen Uttar Pradesh tatsächlich tobe, schrieb der Oppositionspolitiker Yogendra Yadav auf der digitalen Nachrichten-Plattform "The Print". Weit verbreitet herrschten Unwissenheit, Mangel an Testmöglichkeiten und Verzögerungen bei der Bekanntgabe von Testberichten. So werde Dorf für Dorf praktisch niemand getestet, während zugleich zahlreiche Menschen über ein "seltsames Fieber" klagten.

Auch Impfstoff ist knapp. So kündigten die Bundesstaaten Karnataka, wo die Technologiemetropole Bangalore liegt, und Maharashtra an, die Impfung von Menschen von 18 bis 44 Jahren werde ausgesetzt. Es müsse denjenigen, die über 45 Jahre alt seien und die zweite Impfung bräuchten, Vorrang eingeräumt werden. Indien ist weltweit der größte Hersteller von Impfstoffen, hat aber angesichts der großen Nachfrage nur noch geringe Lagerbestände. Bis Donnerstag waren nach Regierungsangaben etwas mehr als 38,2 Millionen Menschen vollständig geimpft - das sind 2,8 Prozent aller Einwohner in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt.

Weil ihnen der Impfstoff fehlt, wollen mit Uttarakhand und Goa mindestens zwei Bundesstaaten nun Ivermectin verabreichen - ein Mittel gegen Parasiten wie Würmer, von dessen Einsatz außerhalb von klinischen Studien die Weltgesundheitsorganisation WHO nach derzeitiger Datenlage jedoch abrät.

Quelle: Agenturen