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Deutschland: Erste klinische Prüfung von Impfstoff startet

22. Apr 2020 · Lesedauer 3 min

Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, hat die erste klinische Prüfung eines Impfstoffs gegen COVID-19 in Deutschland genehmigt.

Zum ersten Mal wird in Deutschland ein Impfstoff für eine klinische Prüfung zugelassen. Das teilte das Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, am Mittwoch mit. Es ist weltweit erst die vierte genehmigte Prüfung von präventiven, spezifischen COVID-19-Impfstoffkandidaten am Menschen. Das Ziel der ersten klinischen Prüfung ist einerseits, die generelle Verträglichkeit des Impfstoffes zu ermitteln und andererseits, herauszufinden, ob der Stoff eine "spezifische Immunantwort gegen den Erreger" erzeugt, heißt es in dem Statement.

Ablauf

Im ersten, nun genehmigten, Teil der Prüfung werden 200 gesunde Probanden im Alter von 18 bis 55 Jahren mit jeweils einer von mehreren gering modifizierten Impfstoffvarianten geimpft. Nach einer Wartezeit zur Beobachtung der Geimpften werden im zweiten Teil der klinischen Prüfung weitere Probanden der gleichen Altersspanne geimpft. Zusätzlich werden im zweiten Teil auch Probanden mit erhöhtem Infektionsrisiko inkludiert.

RNA-Impfstoff

Bei dem zugelassenen möglichen Impfstoff handelt es sich um einen RNA-Impfstoff des Mainzer Biotechnologieunternehmens BioNTech. RNA-Impfstoffe enthalten, stark vereinfacht, einen genetischen Bauplan des Virus. Anhand dieses "Bauplans" produzieren Zellen Erregerbestandteile, die nicht infektiös sind und keine Erkrankung auslösen. Allerdings betrachtet das menschliche Immunsystem als infizierte Zellen und baut eine schützende Immunantwort auf. Soweit die Theorie.

Global 155 Medikamente und 79 Impfungen in Entwicklung

Weltweit wird derzeit an insgesamt 155 Medikamenten und 79 Impfungen gearbeitet, zeigt eine Erhebung des Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA). Demnach haben die meisten dieser in Entwicklung befindlichen Medikamente bereits eine Zulassung für andere Infektionen. Von den Impfstoffkandidaten habe bisher keiner über das Entwicklungsstadium hinaus geschafft.

Auch in Österreich werden die ersten Medikamente getestet. Unter anderem eines von dem renommierten Genetiker Josef Penninger.

Penninger über sein mögliches Medikament

Schweizer Forscher: Massenimpfung vielleicht ab Oktober

Die Eidgenossen sorgten am Mittwoch ebenfalls für Aufsehen. Demnach hat ein Schweizer Immunologe nach eigenen Angaben einen Impfstoff-Kandidaten gegen Corona entwickelt, der nach erfolgreichen Prüfungen möglicherweise noch in diesem Jahr zum Einsatz kommen könnte. Martin Bachmann vom Universitätsspital Bern will die nötigen Studien und Genehmigungsverfahren so schnell durchlaufen, dass er schon im Oktober Massenimpfungen in der Schweiz für möglich hält. Allerdings werden auch dort erst die Studienergebnisse der insgesamt drei Phasen zeigen, ob sich der Impfstoff-Kandidat als hinreichend wirksam erweist und ob er frei von nicht akzeptablen oder gar gefährlichen Nebenwirkungen ist.

In den USA forscht unter anderem der gebürtige Vorarlberger Norbert Bischofberger seit Jahrzehnten und gehört zu den führenden Virologen der Welt. Ein Interview mit ihm.

Virologe Bischofberger: "Viren sind interessante, aber komische Wesen"

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe