Alissa ECKERT / Centers for Disease Control and Prevention / AFP / PULS 24

Das sollten Sie über das Coronavirus wissen

23. Apr 2020 · Lesedauer 7 min

Wie macht sich das Virus bemerkbar? Wie verläuft die Krankheit? Und was passiert, wenn sich das Virus unkontrolliert ausbreitet?

So macht sich das neuartige Coronavirus bemerkbar

Die häufigsten Symptome sind Fieber (über 37,5 Grad), trockener Husten und Atembeschwerden. Weiters kann es in Folge einer Covid-19 Erkrankung zu Geschmacks- und Geruchsverlust, Übelkeit und Erbrechen kommen. Wenn Sie diese Beschwerden aufweisen, rufen Sie die Gesundheitsberatung 1450 an. Unter corona.144.at gibt es die Möglichkeit einer Online-Selbstabklärung. Sie können Symptome und Risiken auch telefonisch mit Ihrem Hausarzt abklären. Getestet werden Personen mit akuten Symptomen, die in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet waren oder Kontakt mit Infizierten hatten.  Darüber hinaus kann auch ein Arzt einen Corona-Test anordnen. 

PULS 24

Ein Teil der infizierten Personen zeigt nach derzeitigem Stand der Wissenschaft allerdings keine Symptome. Vor allem bei Kindern kann die Viruserkrankung symptomlos verlaufen. "Wir kennen die Dunkelziffer nicht, aber es ist zu erwarten, dass es viele Infektionen bei Kindern gibt gibt, die völlig unbeachtet laufen", sagt Virologe Christoph Steininger im PULS 24 Interview. 

In einer Gemeinde in der italienischen Region Venetien wurden deshalb alle 3000 Einwohner getestet. 66 davon waren mit dem Virus infiziert ohne Symptome zu zeigen. Diese Personen wurden isoliert, wodurch die Zahl der Infizierten deutlich zurückging. Flächendeckende Tests hält Gesundheitsminister Rudolf Anschober aufgrund mangelnder Ressourcen nicht für sinnvoll. Indes sind in Österreich die ersten Stichprobentests angelaufen. Dabei werden 2.000 Personen auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet. Damit soll die Dunkelziffer einigermaßen zuverlässig bestimmt werden. 

Virologe Christoph Steininger im PULS 24 Interview

Die Krankheit verläuft in 80 % der Fälle mild

Sollten Sie am Virus erkrankt sein, ist das noch kein Grund zur Panik. Bei 80 Prozent der Infizierten verläuft die Krankheit mild. Das bedeutet, dass diese Personen ohne spezielle Behandlung wieder genesen. Bei etwa 14 Prozent kommt es zu schweren Krankheitsverläufen. Dabei kann es zu Atembeschwerden, Lungenentzündung, Lungenversagen bis zu einer Sepsis und zum Tod kommen.

Vor allem ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs und in weiterer Folge auch, an der Virusinfektion zu sterben. Das liegt mitunter daran, dass bei diesen Personen das Immunsystem bereits geschwächt ist. Sie zählen deshalb zur sogenannten Risikogruppe. 

Konkret fallen darunter folgende Personen: Ältere Menschen (über 65), Menschen mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen (inkl. COPD), Diabetiker, Personen mit Herzkreislauferkrankungen, Krebskranke, Menschen mit Bluthochdruck und immungeschwächte Personen. 

Ein weiterer Risikofaktor könnte das Rauchen sein. Chinesische Forscher fanden unter einer kleinen Gruppe schwer Erkrankter einen größeren Anteil an Rauchern. 

So wird das Virus übertragen 

Die Ansteckung mit dem Coronavirus geschieht über Tröpfcheninfektion. Es wird durch Speichel- oder Schleimtröpfchen beim Sprechen, Husten und Niesen übertragen. Es kann sich aber auch an Oberflächen festsetzen. Eine aktuelle Studie des "US National Institute of Health" hat nachgewiesen, dass SARS-CoV-2 Viren bis zu 72 Stunden auf Plastik und rostfreiem Stahl überleben können. Auf Kupfer überlebte das Virus 4 Stunden, auf Karton 24 Stunden und in Aerosolpartikeln (z.B. Staub, Zigarettenrauch) bis zu 3 Stunden. Bis dato konnte keine Infektion über diesen Weg zweifelsfrei festgestellt werden.

In erster Linie helfen deshalb Hygiene und "Social Distancing", um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden. Das bedeutet Kontakt mit anderen Menschen vermeiden, regelmäßiges Händewaschen, sich nicht ins Gesicht fassen und Oberflächen desinzifieren (zum Beispiel den Handybildschirm oder die Kreditkarte). 

PULS 24

Deshalb sollten Sie sich vor einer Infektion schützen

Sie sind jung und gesund und denken sich: "Mir egal, wenn ich mich anstecke".  Das sollte es aber nicht sein. Es geht primär darum, Risikogruppen zu schützen und eine Überlastung der Spitäler zu vermeiden. Auch wenn Sie selbst nicht zur Risikogruppe gehören, können sie dennoch einen Menschen anstecken für den die Krankheit einen gefährlichen Verlauf nehmen kann. 

Das Virus verbreitet sich exponentiell. Das bedeutet, die Fallzahlen verdoppeln sich in einem bestimmten Zeitraum. Die Kurve beginnt sich bereits abzuflachen. Experten schätzen die derzeitige Zuwachrate auf 14 Prozent (Stand 30.03), am Anfang der Epidemie lag sie bei 30 Prozent. Das erklärte Ziel der Regierung  ist eine Zuwachsrate im einstelligen Bereich. Wissenschaftler forderten in einer "Stellungnahme zur COVID Krise" noch strengere Maßnahmen.

So wird die Krankheit behandelt

Momentan werden unterschiedliche bekannte Medikamenten auf ihre Wirksamkeit getestet. Das sind vor allem Präparate, die zur Behandlung von HIV-Infektionen, Ebola, Influenza oder auch Wirkstoffe bei Malaria- oder Hepatitis C-Erkrankungen eingesetzt werden, wie Walter Hasibeder von der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) in einem aktuellen Blogbeitrag schreibt. Das österreichische Biotechnologie-Unternehmen Apeiron plant Tests des Wirkstoffs APN01. Damit soll das Virus blockiert und der Patient vor Lungenversagen geschützt werden. Das Unternehmen testet den Wirkstoff jetzt an 200 erkrankten Menschen aus Österreich, Deutschland und Dänemark. 

Genetiker Penninger über ein mögliches Medikament gegen Corona

Einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gibt es derzeit noch keinen. Das Robert Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass es erst im Frühjahr 2021 so weit sein wird. Der Grund dafür ist die lange klinische Testphase. “Wir müssen ein Sicherheitsprofil haben. Impfstoffe können ja Nebenwirkungen haben”, sagt Lothar Wieler, Präsident des RKI. 

Das passiert, wenn das Wachstum nicht eingebremst wird

Wiener Forscher haben berechnet, dass bei einer ungebremsten Ausbreitung der Epidemie 32.000 Spitalsbetten allein in Wien gebraucht werden. Laut der TU Wien stehen in Wien mit Stand 12.03. 10.000 Betten zur Verfügung. Das brächte die Krankenhäuser schon bald an den Rand ihrer Kapazität. Deshalb ist die Verringerung der Fallzahlen so wichtig. Ein Modell der TU zeigt, dass bei einer Reduktion der Sozialkontakte um 25 Prozent die Anzahl der benötigten Betten auf 6.400 zurückgeht.  

In Italien, Spanien und in New York kann man derzeit beobachten, was passiert, wenn ein Gesundheitssystem an seine Belastungsgrenzen stößt. Ärzte in der Lombardei müssen entscheiden, welche Patienten sie behandeln, weil es nicht genug Kapazitäten in den Spitälern gibt. "Wir sind dem Punkt nahe, an dem wir nicht mehr in der Lage sein werden, Menschen wiederzubeleben, weil wir keine Betten auf der Intensivstation mehr haben", sagte sagte der Gouverneur der Region Lombardei, Attilio Fontana. Es würden dringend künstliche Beatmungsgeräte gebraucht, die es leider nicht gebe.

Infektionszahlen & Mortalitätsraten weltweit

Weltweit gibt es mittlerweile über eine Millionen bestätigte Coronavirus Fälle. Die am stärksten betroffenen Länder sind die USA, Italien und Spanien. China, wo das Virus im Dezember erstmals aufgetaucht ist, sind die Fallzahlen seit dem Höhepunkt im Februar stark zurückgegangen. Allerdings wird eine zweite Welle an Infektionen befürchtet.

Quelle: Johns Hopkins University

Wie hoch die Sterblichkeitsrate ist, kann derzeit nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Die Angaben über die Mortalität unterscheiden sich stark. Das "Chinese Center for Disease Control" gibt die Sterberate für die Provinz Hubei - dem vermuteten Ursprungsort des Virus - mit 2,9 Prozent an. In anderen chinesischen Provinzen sind es hingegen nur 0,4 Prozent, wie aus einem aktuelle Beitrag im Fachjournal "The Lancet" hervorgeht. Diese Unterschiede erklärt Virologe Christoph Steininger im PULS 24 Interview damit,  dass jene Regionen in China, in denen die Sterblichkeit hoch war, nicht mehr die Möglichkeit hatten jeden Patienten zu versorgen. Die AGES geht von einer Sterblichkeit von bis zu 3 Prozent aus. 

Eine wissenschaftliche Studie mit Antikörpertests aus Genf deutet darauf hin, dass die Sterblichkeitsrate durch Covid-19 deutlich geringer als bisher angenommen ist. Der Schweizer Epidemiologe Marcel Salathe geht von einer Covid-19-Sterblichkeit von weniger als einem Prozent aus. Der Grund dafür könnte ein hohe Dunkelziffer sein.

Weitere Inforamtionen zum Coronavirus:

Weitere Schutzmaßnahmen auf der Seite des Sozialiministeriums

Der NDR Podcast mit dem renomierten Virologen Christian Drosten

Soraya PechtlQuelle: Agenturen / Redaktion / spe