APA - Austria Presse Agentur

Dänemark und Norwegen stoppen Impfungen mit AstraZeneca

11. März 2021 · Lesedauer 5 min

Nach Dänemark hat auch Norwegen vorläufig die Verimpfung des AstraZeneca-Vakzins gestoppt. Grund dafür sollen Komplikationen sein, die bei mehreren Geimpften aufgetreten sein sollen. In Wien wird am Nachmittag in einer Videokonferenz beraten.

In Dänemark und Norwegen wird vorübergehend niemand mehr mit dem Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens AstraZeneca geimpft. Grund für den zunächst 14-tägigen Stopp seien Berichte über schwere Fälle von Blutgerinnseln bei Personen, die mit dem Mittel gegen Covid-19 geimpft worden seien, teilte die dänische Gesundheitsverwaltung am Donnerstag mit.

Einer der Berichte beziehe sich auf einen Todesfall in Dänemark, hieß es. Man könne jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen dem Vakzin und den Blutgerinnseln bestehe. Wie viele Fälle es in Dänemark gibt, gab die Behörde nicht bekannt.

Auch Norwegen setzt vorläufig auf die "Vorsichtsmaßnahme" des Impfstopps, gab der Abteilungsleiter für Infektionskrankheiten am norwegischen Institut für öffentliche Gesundheit (FHI), Geir Bukholm, bekannt. Die Entscheidung in Norwegen folgte nur wenige Stunden nach jener in Dänemark. Das norwegische FHI bat jedoch die Geimpften, sich nicht unnötig Sorgen zu machen. Wenn sich ein Zusammenhang zwischen Impfstoff und Blutgerinnsel herausstelle, würde das eine äußerst seltene Nebenwirkung darstellen, hieß es in einer Mitteilung.

Videokonferenz von Ministerium und Gesundheitslandesräten

Die europäischen Arzneimittelbehörden hätten vor dem Hintergrund eine Untersuchung des Impfstoffes eingeleitet. Während Deutschland vorerst noch abwartet, wird es in Österreich noch Donnerstagnachmittag einen Informationsaustausch der Landesgesundheitsrätinnen und -räte mit dem Ministerium geben. Auch Expertinnen und Experten sowie das BASG sollen dabei vertreten sein, berichtet die APA. In der Videokonferenz soll über die aktuelle Entwicklung beraten werden, hieß es.

Impfstopp sei Vorsichtsmaßnahme

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen bestätigte vor Reportern vor einem Krankenhaus im dänischen Herlev, dass die Verabreichung des AstraZeneca-Impfstoffs ausgesetzt werde. Diese Nachricht sei ärgerlich, da man unheimlich abhängig davon sei, dass alle geimpft würden. Gesundheitsminister Magnus Heunicke sprach ebenso wie die Gesundheitsverwaltung von einer Vorsichtsmaßnahme. Die Vorfälle sollten gründlich untersucht werden, schrieb er auf Twitter.

Nach Behördenangaben wird der Stopp zunächst 14 Tage dauern, danach wird geschaut, wie es weitergeht. Es sei wichtig zu unterstreichen, dass man den AstraZeneca-Impfstoff nicht ablehne, sondern die Verabreichung pausiere. Es sei gut dokumentiert, dass das Mittel sowohl sicher als auch effektiv sei. Man müsse jedoch auf Berichte zu möglichen ernsthaften Nebenwirkungen reagieren.

AstraZeneca zeigt sich zurückhaltend

AstraZeneca gab sich in einer ersten Reaktion zunächst zurückhaltend. Man sei sich der dänischen Entscheidung bewusst, sagte ein Sprecher des britisch-schwedischen Pharmakonzerns. "Die Sicherheit des Impfstoffs ist in klinischen Phase-III-Studien ausführlich untersucht worden und die von Experten begutachteten Daten bestätigen, dass der Impfstoff generell gut verträglich ist", hieß es auf Anfrage.

142.000 Menschen mit AstraZeneca geimpft

Im EU-Land Dänemark mit seinen gut 5,8 Millionen Einwohnern haben bisher rund 560.000 Menschen ihre erste Corona-Impfdosis erhalten, knapp 220.000 auch ihre zweite. Bisher haben etwa 142.000 Menschen ihren ersten Stich mit dem AstraZeneca-Vakzin bekommen. Bei mehr als 70 Prozent der bisher verabreichten Impfungen kam das Vakzin von Pfizer/Biontech zum Einsatz, in vier Prozent das von Moderna. Die Impfkampagne ist in Dänemark zügiger als in den meisten anderen Ländern Europas angelaufen.

Zwettl: Bisher kein Hinweis auf AstraZeneca

In Österreich waren in den vergangenen Tagen ein Todesfall und zwei Krankheitsfälle mit einem zeitlichen Zusammenhang mit der ersten Teilimpfung mit AstraZeneca bekannt geworden. Am Mittwochabend hatte die Arzneimittelbehörde der Europäischen Union (EMA) bekannt gegeben, dass sie bisher keine Hinweise dafür habe, dass der Todes- sowie ein Krankheitsfall auf Impfungen mit dem Vakzin zurückzuführen wären. Die APA hat eine Stellungnahme der Gesundheitsbehörden zur Entscheidung Dänemarks angefragt.

AstraZeneca-Charge vorsorglich aus dem Verkehr gezogen

Eine 49-jährige Krankenschwester des Landesklinikums Zwettl war in Folge schwerer Gerinnungsstörungen gestorben, eine 35-jährige Kollegin entwickelte eine Lungenembolie, befand sich zuletzt jedoch auf dem Weg der Besserung. Bei diesen beiden Fällen in Niederösterreich hatten die betroffenen Frauen zuvor Impfungen aus derselben Charge erhalten.

Auch wenn zunächst kein kausaler Zusammenhang ausgemacht worden war, wurde vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) die betreffende Charge aus dem Verkehr gezogen und eine Untersuchung des Todesfalls veranlasst, die noch im Gang ist. Fast gleichzeitig wurde zudem der Fall einer Krankenschwester (51) in Graz bekannt, die zehn Tage nach Erhalt der Impfung - allerdings aus einer anderen Charge - ebenfalls eine Lungenembolie erlitten hatte. Sie wurde bereits aus dem Spital entlassen, auch hier ist ein Zusammenhang mit dem AZ-Wirkstoff nicht belegt.

FPÖ fordert AstraZeneca-Impfstopp auch in Österreich

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) müsse es Dänemark gleichtun, forderte FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer. "Bis alle Untersuchungen seriös abgeschlossen sind, muss AstraZeneca generell aus dem Verkehr gezogen werden." Es sei unerlässlich, dass Menschen, die sich für eine Corona-Impfung entscheiden, großes Vertrauen in die verwendeten Impfstoffe haben. "Auch wenn alles versucht wird, um diesen Skandal zu kaschieren, muss in erster Linie auf die Gesundheit der Menschen geachtet werden und daher gibt es nur eine Antwort auf die aktuellen Ereignisse: Die Impfung mit AstraZeneca muss sofort ausgesetzt werden", meinte auch der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp.

Quelle: Redaktion / pea