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Corona-Welle in China: Gefahren für Österreichs Medizin?

20. Dez. 2022 · Lesedauer 4 min

Nach der Lockerung der strikten Null-Covid-Politik wird China von einer enormen Infektionswelle überrollt. Die strengen Corona-Maßnahmen der letzte Jahre scheinen China zum Verhängnis geworden zu sein. Und die Folgen könnten auch den Rest der Welt treffen.

Nach der Lockerung der strengen Null-Covid-Strategie in China mussten viele Krankenhäuser bereits vergangene Woche einen Ansturm von Infizierten bewältigen.

Gigantische Welle und Mangel an Gesundheitspersonal

Vor allem in Metropolen wie Peking, Guangzhou oder Shijiazhuang erlebten Spitäler "den ersten Schock einer gigantischen Welle von Infektionen und einen Mangel an Gesundheitspersonal", schrieb das Wirtschaftsmagazin "Caixin". Kliniken seien überfüllt. In vielen Apotheken seien Erkältungs- und Fiebermedikamente, aber auch Schnelltests ausverkauft.

Außerdem könne die wahre Zahl an Infektionen nicht mehr angegeben werden, so die chinesische nationale Sicherheitsbehörde – die Behörden schaffen es nicht mehr, die Ausbreitung des Virus genau zu verfolgen. Epidemiologe befürchteten, dass die Infektionswelle innerhalb von einem Monat ihren Höhepunkt erreichen werde.

Besonders problematisch ist, dass China auf eine solche Corona-Welle schlecht vorbereitet ist: Millionen von älteren Menschen sind noch nicht vollständig geimpft und den unterfinanzierten Krankenhäusern fehlen die Kapazitäten, um eine große Zahl von Patienten aufzunehmen. Laut der "Tagesschau" gebe es nur etwa vier Intensivbetten pro hunderttausend Einwohner.

Experten: 20.000 Corona-Tote täglich?

"Das Problem, das China mit Null-Covid hat, ist, dass die natürliche Immunität, also die Immunität durch Infektionen, in China sehr niedrig ist. Und vor allem bei den älteren Personen über 80 sind ungefähr ein Drittel überhaupt nicht geimpft. Das heißt, die große Gefahr, die jetzt besteht, ist, dass eine Infektionswelle China überschwappen wird und es zu einer Überlastung des Gesundheitssystems kommen wird", so der Epidemiologe Gerald Gartlehner in der ZIB2.

Auch die Krematorien in China seien im Hochbetrieb, zeigen Recherchen des ARD. Es gebe zum Teil keinen Platz mehr in den Kühlhäusern, andere berichten davon, dass sie im 24-Stunden-Betrieb sind.

Entscheidend für die Auswirkungen der Infektionswelle in China werde sein, wie viele Fälle gleichzeitig auftreten, so der "Spiegel". Laut einer Schätzung der Beratergruppe "Wigram Capital Advisors" könnten Mitte März 2023 in China jeden Tag bis zu 20.000 Corona-Tote registriert werden, wenn die Führung ihren Lockerungskurs der vergangenen Wochen fortsetzt.

Auswirkungen auf den Rest der Welt?

In Anbetracht auf die Corona-Situation hat die Weltbank ihre Wachstumserwartungen für China wegen "erheblicher Risiken" abgesenkt. Das Institut geht nun von nur noch 2,7 Prozent Wirtschaftswachstum im laufenden und 4,3 Prozent im kommenden Jahr aus. "Chinas Wachstumsaussichten sind mit erheblichen Risiken behaftet", erklärte die Organisation am Dienstag. Besonders der Verlauf der Pandemie sorge für Unsicherheit.

Und die Folgen der Corona-Welle könnten auch den Rest der Welt treffen. Die Entwicklung wird weltweit mit Sorge betrachtet, da China ein globaler Wirtschaftsakteur ist, auch in der Pharmaindustrie. Notwendig sei eine Vorbereitung des Gesundheitssystems, genaue Datenerfassung und offene Kommunikation, so John Kirby, der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA.

Medikamente nicht lieferbar - China als Ursache?

In Österreich kommt es währenddessen bei bestimmten Medikamenten zu Lieferengpässen. Die Anzahl der nicht verfügbaren und eingeschränkt verfügbaren Arzneimittel liege derzeit bei insgesamt 477, wie PULS 24 vom Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) erfährt. Dies bedeute jedoch nicht, dass generell so viele Medikamente in der Versorgung fehlen würden, denn es würden auch "einzelne Packungsgrößen in diesem Register gemeldet".

Es käme momentan zu einem "sprunghaften Anstieg des Infektionsgeschehens" und dieser sei der Grund für die Nicht-Verfügbarkeit von bestimmten Arzneimitteln, so Pharmig. Derzeit seien vor allem mehrere Antibiotika, wie Amoxicillin und Penicillin, und Medikamente zur Bekämpfung von Atemwegserkrankungen von Lieferschwierigkeiten betroffen. Genaue Angaben zur Wieder-Verfügbarkeit könne Pharmig nicht machen, die betroffenen Unternehmen würden jedoch bereits Maßnahmen setzen und die Lage könne sich jederzeit wieder ändern.

"Eigene Bevölkerung bevorzugt behandelt"

Ob die Corona-Situation in China Einfluss auf die Medikamentenproduktion und daher die Versorgung in Österreich haben werde, könne momentan nicht vorhergesehen werden, erklärt Pharmig gegenüber PULS 24. Erfahrungen würden zeigen, dass im Falle eines Engpasses "die eigene Bevölkerung bevorzugt behandelt" wird. Dies sei allerdings bei global agierenden Pharmaunternehmen nicht der Fall.

Es könne jedoch aufgrund der steigenden Infektionszahlen zu "Ausfällen beim Personal in einzelnen Zulieferfirmen kommen". Pharmig setze "alles daran, die Situation zu entspannen".

Dijana DjordjevicQuelle: Agenturen / Redaktion / ddj