APA - Austria Presse Agentur

Corona-Situation in Österreich gut, Krise aber nicht zu Ende

Juni 17, 2020 · Lesedauer 4 min

Auch wenn die Zahlen in Sachen SARS-Cov-2 bzw. Covid-19 in Österreich mit 14 Neuinfektion in 24 Stunden "sehr gut" sind, ist die Pandemie "absolut noch nicht vorbei". Das erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch bei einem Medientermin mit dem bekannten Berliner Virologe Christian Drosten. Dieser warnte vor den bestehenden sozialen Risikofaktoren.

"Wir sehen, dass Teile der Gesellschaft schlecht zu erreichen sind und zum Opfer (der Pandemie; Anm.) werden", sagte Drosten - prekäre Lebensverhältnisse seien hier oft entscheidend - und dies betreffe Österreich und Deutschland gleichermaßen. "Wir hatten in den letzten 24 Stunden 14 Neuinfektionen zu verzeichnen. Wir haben 417 aktuell Erkrankte. 71 befinden sich in Spitälern, nur mehr elf in intensivmedizinischer Behandlung", fasste Anschober die aktuelle Situation in Österreich zusammen. Ergänzend sind laut dieser Angaben sechs weitere und damit 687 Personen an den Folgen des Corona-Virus verstorben - 16.089 sind wieder genesen.

Um ein neuerliches größeres Aufflackern der Erkrankungen zu verhindern und damit die Situation unter Kontrolle zu halten, wird laut Anschober an einer breiten Teststrategie für die kommenden Monate gearbeitet, die Anfang Juli umgesetzt werden soll. Was einen möglichen Impfstoff gegen Corona betrifft, so gab die EU-Kommission heute bekannt, dass sie Milliarden Euro in Vorverträge mit Pharmaherstellern investieren wolle, um so die Entwicklung zu beschleunigen. Binnen zwölf bis 18 Monaten soll der Impfstoff bereitstehen, möglichst sogar schneller, erklärte die Brüsseler Behörde.

"Erst wenn wir einen wirksamen Impfstoff gegen dieses Virus haben, werden unsere Volkswirtschaften wieder auf Touren kommen und wir alle unser Leben zurückgewinnen, wie wir es kennen", sagte Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Bei der Überwindung der Pandemie zähle jeder Tag.

Was neue Therapieansätze angeht, so gelte es gegenüber einer britischen Studie zu einem positiven Effekt des Uralt-Entzündungshemmers Dexamethason bei Patienten mit schweren Covid-19-Erkrankungen erst einmal abwartend zu agieren. "Kortison setzen wir in der Intensivmedizin seit Jahrzehnten ein", sagte Walter Hasibeder, zukünftiger Präsident der österreichischen Intensivmedizin-Fachgesellschaft (ÖGARI). Für einen Hype sollten die vorläufigen Studienergebnisse jedenfalls nicht sorgen. Kortison in höherer Dosierung dämpft auch die Immunabwehr. "Das ist ein zweischneidiges Schwert", sagte Hasibeder. Kortisone werden täglich millionenfach zur Behandlung von Entzündungen verwendet. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hatte die Ergebnisse hingegen als "großartige Neuigkeiten" bezeichnet.

Weltweit zeigen sich indes die Hot Spots der Pandemie vor allem in den USA, Indien und in Brasilien. Die Nachrichten über den Anstieg von Covid-19-Erkrankungen in Peking schätzt der Berliner Experte Drosten zurückhaltend ein: "Ich sehe die Situation in China nicht als zweite Welle." Viel beunruhigender sei die Lage derzeit in den US-Staaten. Einige hätten strikte Maßnahmen aufrechterhalten, andere zu früh den Lockdown beendet: "Wir haben in den USA eine Situation, die verzweifelt ausschaut in einzelnen Bundesstaaten."

Mehrere US-Staaten haben einen Höchststand an Neuinfektionen innerhalb eines Tages seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnet. In Florida wurden am Dienstag 2.783 Neuinfektionen nachgewiesen, in Texas 2.622 und in Arizona 2.392, wie aus offiziellen Daten der Bundesstaaten und der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervorgeht.

Auch in Brasilien breitet sich das Virus immer schneller aus: Am Dienstag (Ortszeit) meldete das Gesundheitsministerium in Brasilia einen Rekordanstieg von fast 35.000 Neuinfektionen binnen eines Tages. Landesweit haben sich inzwischen mehr als 923.000 Menschen mit dem Erreger SARS-CoV-2 angesteckt, die Zahl der Toten stieg nach offiziellen Angaben um knapp 1.300 auf mehr als 45.000.

Sowohl gemessen an den Todes- als auch an den Infektionsfällen steht Brasilien hinter den USA damit inzwischen an zweiter Stelle der am schwersten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder weltweit. Insgesamt entwickelt sich Lateinamerika zunehmend zu einem der weltweiten Brennpunkte der Coronakrise. In der Region starben nach einer Zählung vom Montag bereits mehr als 80.000 Menschen an den Folgen einer derartigen Infektion.

Quelle: Agenturen