APA - Austria Presse Agentur

Corona-Demo aufgelöst wegen Hitler-Rede

14. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

Die Polizei hat in Mauthausen eine angemeldete Kundgebung von Corona-Gegnern aufgelöst. Der Organisator hat eine Rede des Reichskanzlers Adolf Hitler vorgespielt. Das Landesamt für Verfassungsschutz habe bereits Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz aufgenommen.

An der Demonstration haben laut dem Polizeisprecher David Furtner rund 30 Personen teilgenommen. Mittlerweile habe das Landesamt für Verfassungsschutz Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz aufgenommen. Am Nachmittag wurde der Organisator der Demonstration bereits einvernommen.

In sozialen Medien wurde die Veranstaltung live übertragen. So ist zu sehen und zu hören, wie der Veranstalter auf einem Anhänger vor einer Israel-Flagge stehend eine Hitler-Rede abspielte. Die Polizei habe laut Furtner entsprechendes Videomaterial sichergestellt. Mehr oder weniger zur selben Zeit war Bundespräsident Alexander Van der Bellen in der KZ-Gedenkstätte auf der Anhöhe über dem Ort Mauthausen, um dort einen Kranz in Gedenken der NS-Opfer niederzulegen.

SPÖ: Demonstration sei "Provokation"

Der Grüne Nationalratsabgeordneter Ralph Schallmeiner kritisierte in einer Aussendung das Vorgehen in der Sache: "Wenn man solche Versammlungen geschehen lässt, fragt man sich wirklich: Was haben wir gelernt?" Offenkundig meine man es "in Oberösterreich nicht sehr ernst mit dem Kampf gegen Rechtsextremismus", forderte er statt Ankündigungen auch "Taten". Seit Tagen hätten die Grünen vor der geplanten Provokation von sogenannten "Querdenkern" und Rechtsextremen in unmittelbarer Nähe der KZ-Gedenkstätte gewarnt. Dennoch sei die Kundgebung genehmigt worden.

Auch die SPÖ-Sprecherin für Erinnerungskultur Sabine Schatz regierte empört: "Dass diese Kundgebung unmittelbar vor der Befreiungsfeier in der Gedenkstätte Mauthausen abgehalten wird, ist schon eine Provokation an sich und untragbar. Dass dann aber ausgerechnet in Mauthausen wieder Verharmlosungen der Verbrechen der Nationalsozialisten stattfanden und Hitler-Reden abgespielt wurden, ist eine Entwürdigung des Gedenkens", meinte die Nationalratsabgeordnete in einer Aussendung. Sie kündigte eine parlamentarische Anfrage zu den Vorfällen in Mauthausen an.

Edstadtler spricht von Tiefpunkt antisemitischer Vorfälle

Verfassungsministerin Karoline Edstadler (ÖVP) zeigte sich geschockt und sprach von einem "Tiefpunkt einer ganzen Reihe von antisemitischen Vorfällen in den vergangenen Monaten." Seit einigen Tagen würden noch Anti-Israel-Demonstrationen dazukommen. Für sie eine "besorgniserregende" Entwicklung. Daher betonte sie: "Antisemitismus hat in unserem Land keinen Platz und wird auch niemals toleriert werden. Ich gehe davon aus, dass die Polizei und die Gerichte auch in diesen Fällen mit der vollen Härte unseres Rechtsstaates durchgreifen werden."

Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) bedankte sich jedenfalls bei "den Behörden für das rasche und konsequente Einschreiten". Was "unter dem Deckmantel der Meinungs- und Versammlungsfreiheit vorgefallen ist", sei untragbar. "Es wurde die Geschichte mit Füßen getreten und das Leid von Menschen verhöhnt. Antisemitismus oder eine Verharmlosung der Gräueltaten des NS-Regimes haben in Oberösterreich keinen Platz und werden hier auch nicht geduldet", stellte er klar.

Guttmann: "Antisemitismus ist kein neues Phänomen"

Antisemitismus, wie es bei dieser Anti-Corona-Demo der Fall war, sei ein Zeichen dafür, dass Antisemitismus in Europa und Österreich zunehme, sagt Bini Guttmann, Präsident der European Union of Jewish Students. "Antisemitismus existiert in Österreich auf allen Seiten des politischen Spektrums und ist kein neues Phänomen", erklärt er im PULS 24 Interview. Guttmann führt weiter aus: "Im Großen und Ganzen wird die Situation für Juden immer schwieriger und gefährlicher und das ist eine Entwicklung, die uns ganz große Sorgen bereiten

Bini Guttmann, Präsident der European Union of Jewish Students, spricht im PULS 24 Interview über den Nahostkonflikt und Antisemitismus in Österreich.

Quelle: Agenturen / Redaktion / red