APA - Austria Presse Agentur

UN-Klimagipfel stärkt 1,5-Grad-Ziel, scheitert am Kohle-Ausstieg

13. Nov 2021 · Lesedauer 5 min

Der UN-Klimagipfel in Glasgow (COP26) hat zum verzögerten Ende für viele Delegierte und die meisten NGOs eine Enttäuschung gebracht. Man wolle zwar das 1,5-Grad-Ziel stärken, eine Fixierung des Kohle-Ausstiegs kam aber nicht, stattdessen nur eine Aufforderung dazu.

"Es wäre unvorstellbar gewesen, ohne ein Ergebnis von der Konferenz abzureisen", sagte Österreichs Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne). Der Druck auf die wenigen Staaten, die den Klimaschutz blockieren, werde weiter steigen. Man einigte sich auf eine Verankerung des 1,5-Grad-Ziels.

Nachbesserung schon kommendes Jahr

Für ein Scheitern, wie zuletzt vor zwei Jahren auf der COP25 in Madrid, "dafür haben wir keine Zeit mehr", hob die Ministerin hervor. "Wir haben einen Prozess in diesem Text verankert, mit dem wir uns schon kommendes Jahr für eine Nachbesserung der Klimaziele bis 2030 auseinandersetzen müssen", hob die Ministerin hervor. Und nachdem es genau um diese Dekade ginge, sei das ein so wichtiger Teil der Abschlusserklärung.

Nur Aufforderung zum Kohle-Ausstieg

Der von COP-Präsident Alok Sharma angekündigte "Moment der Wahrheit" manifestierte sich im kleinsten gemeinsamen Nenner. Die UN-Klimakonferenz hat die Staaten der Welt erstmals dazu aufgefordert, den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten. Die am Samstag gebilligte Erklärung von rund 200 Staaten fordert zudem, "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Gestärkt wurde das 1,5 Grad-Ziel, das trotzdem immer weiter entfernt scheint.

Kohle: Indien legte sich quer

Sharma meinte, es tue ihm "zutiefst leid", wie das Treffen mit den in letzter Minute vorgenommenen Änderungen an der Formulierung über Kohle zu Ende gegangen sei, die wegen der Einsprüche von Indien vorgenommen wurde. Mit gebrochener Stimme reagierte er auf die Verärgerung anderer Staaten: "Ich möchte mich bei allen Delegierten entschuldigen, wie dieser Prozess verlaufen ist, und es tut mir sehr leid." Der Vizepräsident der EU-Kommission Frans Timmermans warnte vor der finalen Sitzung vor einem Scheitern: "Um Himmels willen: Zerstört diesen Moment nicht", wandte sich der niederländische EU-Kommissar für Klimaschutz an die Delegierten.

Bisherige Zusagen garantieren nur 2,4-Grad-Ziel

Die bisher gemachten nationalen Zusagen zur Emissionssenkung würden den durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg jedoch nur auf 2,4 Grad Celsius begrenzen. COP-Präsident Sharma äußerte die Hoffnung, dass die endgültige Abschlussvereinbarung den Weg für tiefere Einschnitte in der nahen Zukunft ebnen könnte.

"Noch viel zu tun"

"Das macht uns zuversichtlich, dass wir der Menschheit einen sicheren und gedeihlichen Platz auf diesem Planeten bieten können", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Verhandler in Glasgow hätten wichtige Fortschritte gemacht, erklärte die Kommissionschefin weiter. "Aber wir haben noch harte Arbeit vor uns." "In den kommenden Jahren gibt es noch viel zu tun", sagte auch Großbritanniens Premierminister Boris Johnson. Die Vereinbarung von Glasgow sei aber "ein großer Schritt nach vorne".

UN-Generalsekretär António Guterres warnte nach der COP26, dass die "Klimakatastrophe" weiter "vor der Tür" stehe: "Unser zerbrechlicher Planet hängt am seidenen Faden." Das Ergebnis der Weltklimakonferenz "hält die Paris-Ziele am Leben", erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. "Das macht uns zuversichtlich, dass wir der Menschheit einen sicheren und gedeihlichen Platz auf diesem Planeten bieten können." Die Verhandler in Glasgow hätten wichtige Fortschritte gemacht, erklärte die Kommissionschefin weiter.

Van der Bellen: Deutlich zu wenig

Bundespräsident Alexander Van der Bellen appellierte, den Klimaschutz weiter zu forcieren. "Auch wenn wichtige Fortschritte erzielt wurden, insgesamt reichen die Ergebnisse der UN-Klimakonferenz deutlich nicht aus, um die globale Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen und die Klimakrise wirksam einzudämmen. Die Staatengemeinschaft muss ihre Ambitionen bis zur nächsten Klimakonferenz in Ägypten im Herbst 2022 deutlich erhöhen und den Ausstieg aus der Nutzung klimaschädlicher fossiler Energien beschleunigen", so Van der Bellen.

Global 2000: "Weg in die Klimakatastrophe"

 

"Die Beschlüsse hier sind zahnlos, schöne Worte reichen nicht, um die Klimakrise zu lösen. Wir sind nach der Klimakonferenz in Glasgow noch immer auf direktem Weg in die Klimakatastrophe", stellte die NGO Global 2000 zum Ergebnis fest. Kritisch sieht die NGO die Rolle der EU: "Die Einrichtung von Kohlenstoffmärkten öffnet der Aufweichung der Klimapläne Tür und Tor". Die EU hat habe einem faulen Kompromiss zugestimmt, statt eine wichtige rote Linie zu ziehen", so Klimasprecher Johannes Wahlmüller.

Greenpeace reagierte unter anderem mit Kritik an der Einigung bei Artikel 6: Mit dem globalen Emissionshandel wurde für die Staaten eine Hintertür geöffnet, um sich ein grünes Mäntelchen umzuhängen und sich aus der Verantwortung zu stehlen, lautete der Kommentar. "Echter Klimaschutz wird dadurch verwässert. Auch Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne), die für die EU die Verhandlungen in dieser Sache führte, konnte ihr Versprechen, Schlupflöcher beim Handelssystem zu schließen, nicht gänzlich halten", hielt die Sprecherin der NGO, Jasmin Duregger fest. Einige schwache Lichtblicke sah man trotzdem.

WWF: Ambitionslos

WWF sah indes "viel Schatten und wenig Licht" und kritisierte den "ambitionslosen Verhandlungstext", samt einem 1,5-Grad-Ziel in weiter Ferne. Gefordert wird stattdessen Klimagerechtigkeit und ein rasches Ende des fossilen Zeitalters. "Der Verhandlungstext beinhaltet zwar einige Überraschungen, wie zum Beispiel die erstmalige Erwähnung der Bedeutung des Schutzes und der Wiederherstellung der Natur - von vielen weiteren großen Ankündigungen ist am Ende aber nicht viel übriggeblieben", kritisierte Klimaexpertin Lisa Plattner, die den WWF Österreich in Glasgow vertreten hat.

Oxfam stellte in einer Aussendung fest, dass die kleinen Schritte, welche die COP26 nach vorne gemacht habe, uns nicht zu der Illusion verleiten dürfen, mit einem echten Erfolg nach Hause zu fahren. "Es ist schon bitter, dass wieder einmal die von der Klimakrise besonders betroffenen, ärmeren Länder des Globalen Südens an den Rand gedrängt wurden", lautete das Resümee von Oxfam. Auch Care-Experte Sven Harmeling meinte vor Ort: "Die Industrieländer übernehmen immer noch keine Verantwortung für angerichtete Klimaschäden."

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam