"Comirnaty": Warum der Corona-Impfstoff so heißt und was er kann

23. Dez 2020 · Lesedauer 3 min

Seit 21. Dezember ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer in der EU zugelassen. Bereits ab kommenden Sonntag wird in Österreich geimpft. Pfizer-Chef Robin Rumler erklärt im PULS 24 Interview, wie er funktioniert.

"Comirnaty" heißt der langersehnte Impfstoff, mit dem ab 27. Dezember auch in Österreich erstmals gegen das Coronavirus geimpft wird. Er wurde von der deutschen Biotechnologie-Firma Biontech zusammen mit dem Pharmaunternehmen Pfizer entwickelt. Robin Rumler, Chef von Pfizer Österreich, erklärt im Interview mit PULS 24 Anchorwoman Alina Marzi, wie er funktioniert und woher der Name kommt.

Der Name "Comirnaty" ist ein Kunstwort, das aus mehrere Teilen zusammengesetzt ist. Er besteht aus den Wörtern "Covid-19", "Immunity" ("Immugenität"), "mRNA", und "Community" ("Gesellschaft").

Revolutionärer Impfstoff

Der neue Impfstoff ist (zusammen mit dem des US-Unternehmens Moderna, der in der EU aber noch nicht zugelassen ist) der erste mRNA-Impfstoff und damit eine Revolution. Bisher wurden bei Impfungen meist abgetötete Viren oder der gesamte Virus-Bauplan (im Fall von SARS-CoV-2 dessen RNA) verabreicht, um gegen eine Erkrankung zu immunisieren.

Beim neuen Impfstoff wird nur ein Teil des Virus-Bauplans, nämlich das entscheidende Protein über das das Virus in die körpereigenen Zellen gelangen kann, verabreicht. Dieses sogenannte Spike-Protein ist "das Kugerl auf dem berühmten Virus", erklärt Rumler. Dieses lässt sich sehr gut identifizieren und nachbauen, deshalb sei der Impfstoff besonders effektvoll. Mutationen des Virus, wie etwa jene in Großbritannien entdeckte, dürften die Wirksamkeit der Impfung daher nicht beeinträchtigen.

Beruhigung zum Thema Nebenwirkungen

Rund 44.000 Probanden nahmen an den Tests im Vorfeld teil, "das ist eine sehr sehr große Zahl im Verhältnis", sagt Rumler. Die Studien haben dann eine Wirksamkeit von 95 Prozent ergeben - "das ist schlichtweg gigantisch", so der Pfizer-Geschäftsführer.

Derzeit würden parallel zur Impfung noch Beobachtungen dazu durchgeführt, ob geimpfte Personen das Virus (das bei ihnen aufgrund der hohen Zahl von Antikörpern keine Erkrankung auslöst) trotzdem weitergeben können. Das sei noch nicht endgültig geklärt, so Rumler.

Beruhigen kann Rumler bei der Frage nach Nebenwirkungen. Bei jeder Impfung gebe es eine Reihe von natürlichen Impfreaktionen wie etwa Schmerzen oder Rötungen am Arm, Kopfweh oder erhöhte Temperatur. Die schwereren unter diesen Nebenwirkungen, wie Kopfweh oder erhöhte Temperatur, seien bei etwa zwei Prozent der Probanden aufgetreten.

1,3 Milliarden Impfdosen für 2021

Pfizer hat sich verpflichtet, im kommenden Jahr weltweit 1,3 Milliarden Dosen bereitzustellen. Die EU hat bisher 200 Millionen Dosen bestellt und eine Option auf weitere 100 Millionen, sagt Rumler. Österreich bekommt im Verhältnis zur Bevölkerung 3,5 Millionen Impfdosen für 2021 oder bei Inanspruchnahme der Option noch einmal rund zwei Millionen.

Auch die Lagerung bei minus 70 Grad sei kein Problem für die Versorgung. Die minus 70 Grad gelten für die längerfristige Lagerung. Wenn der Impfstoff benötigt wird, wird er aufgetaut und ist dann bis zu fünf Tage verwendbar, erklärt Rumler.

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Pfizer-Chef gegen Impfpflicht

Persönlich sei er klar gegen eine Impfpflicht, sagt der Pfizer-Geschäftsführer im Interview. "Ich bin der Überzeugung, dass wir Übezeugungsarbeit leisten müssen und ich glaube, das wird eine gesellschaftliche Aufgabe sein von uns allen", so Rumler.

Es habe sich gezeigt, dass das Thema Gesundheitskompetenz schon im Kleinkindalter, z.B. im Kindergarten anfange. Wenn man Kinder bereits im frühen Alter beibringe, "was bedeutet ein gesundes Leben, was bedeutet ein gesundes Essen, was bedeuten Impfungen, dann ist das Thema Prävention später im Leben verständlicher", zeigt er sich überzeugt.

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Quelle: Redaktion / hos