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Cobra stürmt Einfamilienhaus: Innenministerium weist Vorwürfe zurück

28. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Das Polizei-Sondereinsatzkommando Cobra hat Mittwochfrüh das Haus einer Familie in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) gestürmt. Die Familie wurde verdächtigt, mit Drogen zu handeln - gefunden wurde nichts. Die Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei, das Innenministerium weist sie zurück.

Der "ORF" berichtet von einer verstörenden Hausdurchsuchung in Niederösterreich. Laut Angaben der Familie Schulte hätten sieben Beamte der Cobra am Mittwochmorgen die Tür ihres Einfamilienhauses in Groß-Enzersdorf aufgebrochen.

Kinder entblößt

Hausbesitzerin Angela Schulte erzählt dem "ORF", dass sie sich auf den Boden legen musste, zwei Beamte seien ins Badezimmer gegangen, wo die 13-jährige Tochter gerade duschte. Es sei ihr nicht erlaubt geworden, sich anzuziehen. Die 24-jährige Tochter soll noch geschlafen haben. Ihr sei mit Waffe am Kopf die Decke weggezogen worden. "Sie haben mitten in der Nacht die Kinder entblößt", wird Schulte zitiert. Die Polizei soll sogar Laden mit Unterwäsche und Kosmetika durchwühlt haben.

Über den Grund der Hausdurchsuchung sei die Familie erst informiert worden, nachdem die Beamten das ganze Haus durchsucht hatten. Offenbar habe sich in der Nähe des Hauses eine vom Landeskriminalamt Niederösterreich beschattete Person aus dem Drogenmilieu aufgehalten. Der Familie sei der Verdächtige aber unbekannt. 

Rassismus-Vorwurf

Außerdem sei im Durchsuchungsbefehl die Rede von abgedunkelten Fenstern und einem "szenetypischen Entlüftungsrohr für Cannabis-Indoorplantagen" im Dachbodenfenster gewesen. Auch das treffe nicht auf das Haus der Familie zu. Drogen fanden die Beamten laut "ORF" auch keine. 

Angela Schulte äußert aufgrund der Fokussierung der Beamten auf die Töchter auch einen Rassismus-Verdacht. Die beiden Töchter sind laut "ORF" gebürtige Südafrikanerinnen.

Innenministerium erklärt Einsatz

Etwas anders hat sich der Einsatz nach Darstellung des Innenministeriums abgespielt, wie PULS 24 erfuhr. Der Einsatz sei nach "bundesländerübergreifenden, mehrmonatigen Ermittlungen" auf Anordnung der Wiener Staatsanwaltschaft erfolgt. Es habe elf Hausdurchsuchungen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland gegeben - das Haus in Groß-Enzersdorf war eines davon. 

Die Haustür habe man aufgebrochen, weil sie "trotz mehrmaliger Aufforderung" geschlossen blieb, so das Innenministerium. Die Badezimmertüre sei nach Angaben des Ministeriums "rasch" geschlossen worden, als sich die Beamten näherten. "Es war im ersten Moment nicht zu erkennen, wer sich im Badezimmer befand und ob sich Waffen, Beweismittel, eine oder mehrere Personen darin aufhielten". Man habe das Zimmer aber sofort verlassen als das ausgeschlossen werden konnte. "Die Dauer dieser Situation bezog sich auf einige, wenige Sekunden", so das Ministerium.

Die Cobra führe Waffen bei Einsätzen in den Händen, "dass ein Beamter einer jungen Frau die Waffe an den Kopf gehalten hat", sei aber, "ob der rasch erkennbaren, ungefährlichen Situation im Wohnhaus zurückzuweisen", so das Ministerium. Auch habe die Hausdurchsuchung nichts mit "etwaigen ethnischen Herkünften" zu tun, betont man. Man nehme die Vorwürfe aber ernst und werde den Einsatz evaluieren.

Quelle: Redaktion / koa