Gratzer: Reservierungspflicht für Züge "kontraproduktiv"

24. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sieht den Erfolg der ÖBB im freien Zugang begründet. Reservierungen empfiehlt er jenen, die wissen, sie müssen mit einem bestimmten Zug zur Stoßzeit fahren.

"Der offene Zugang zu den Zügen und dass ich spontan und flexibel bin, das macht ja den Erfolg der Bahn in Österreich mit aus", sagt Christian Gratzer im PULS 24 Interview. Österreich sei das EU-Land, in dem pro Kopf am meisten mit der Bahn gefahren werde. "Eine Reservierung als Pflicht würde hier kontraproduktiv wirken", ist er sich sicher. Man könne die Bahn nicht mit dem Flugzeug vergleichen, wo man eine Sitzreservierung bekomme. Denn den Zug würden Pendlerinnen und Pendler und Schülerinnen und Schüler täglich benützen, "hier brauchen wir weiterhin den offenen Zugang".

"Auf jeden Fall" eine Sitzplatzreservierung würde Gratzer jenen empfehlen, die "wirklich nur zu einer bestimmten Fahrzeit fahren können, die einen bestimmten Zug haben und an einem starken Tag unterwegs sind".

Viele "durchaus bereit" langsameren Zug zu nehmen

Überlastet seien wenige Strecken und nur zu den Stoßzeiten.  Es gehe "um gar nicht so viele Personen, die hier anders entscheiden müssten" und stattdessen den Regionalzug nehmen, um überfüllte Züge zu entlasten. Dabei ginge es auch gar nicht um Pendlerinnen und Pendler. "Wir wissen auch von Umfragen, dass gerade bei den Bahnfahrern viele dabei sind, die sich als Teil dieser Community fühlen und durchaus auch bereit sind, einen Beitrag zu leisten, damit das Gesamtsystem funktioniert." 

Angebot ausbauen, Versäumnisse beseitigen

Auf die positive Entwicklung, dass mehr Menschen bereit sind, mit der Bahn zu fahren, müsse man laut Gratzer reagieren. Man müsse das Angebot ausbauen, häufigere Verbindungen anbieten, rasch Engpässe in der Infrastruktur verbessern und die Versäumnisse der Vergangenheit rasch beseitigen. Regionalstrecken seien in der Infrastrukturplanung vernachlässigt worden. Nun brauche man mehr Schiene. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam