Causa Ischgl: Ermittlungen gegen Bürgermeister und drei weitere Personen

30. Sept 2020 · Lesedauer 2 min

Die Staatsanwalt Innsbruck hat in der Causa rund um das Corona-Krisenmanagement in Ischgl ein Ermittlungsverfahren gegen vier Personen eingeleitet, darunter auch den Bürgermeister Werner Kurz.

Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft ermittelt in der Causa Ischgl neben drei weiteren Personen auch gegen den Ischgler Bürgermeister Werner Kurz. Dies berichtete der "Standard" (Online-Ausgabe) am Mittwoch, nachdem die Anklagebehörde die konkreten Ermittlungen bestätigte. Das Land Tirol wollte indes gegenüber der APA etwaige Ermittlungen gegen den Landecker Bezirkshauptmann Markus Maaß nicht verifizieren.

Laut "Standard" gehe es im Fall von Kurz um die Verordnung zur Schließung der Liftanlagen. Diese habe der Bürgermeister am 14. März in Absprache mit der Bezirkshauptmannschaft Landeck ausgehängt - "ganze drei Tage nachdem die Verordnung bei ihm eingetroffen sein soll". In den Ermittlungen laufe dieser Sachverhalt ebenfalls unter die verkehrseinschränkenden Maßnahmen.

Im Fall von Maaß verwies das Land auf die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft. Diese stellte jedoch klar, dass keine Auskünfte über Beschuldigte erteilt werden. Das Land wies erneut darauf hin, dass es "großes Vertrauen in die heimische Justiz" habe und die Ermittlungen "bestmöglich unterstützen" werde.

Vorsätzliche und fahrlässige Gefährdung

Konkret geht es um die vorsätzliche oder fahrlässige Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten. Bereits Ende August hatte die "Tiroler Tageszeitung" von eingeleiteten Ermittlungen gegen Maaß und zwei weiteren Mitarbeitern der Bezirkshauptmannschaft sowie Kurz berichtet. Damals bestätigte die Staatsanwaltschaft jedoch das Ermittlungsverfahren gegen konkrete Personen noch nicht.

In Ischgl war es zu einem größeren Ausbruch des Coronavirus gekommen. Die ersten Fälle waren Anfang März bekannt geworden, die Ansteckungen sollen vor allem in Apres-Ski-Lokalen passiert sein.

Über 6.000 geschädigte Tirol-Urlauber

Mehr als 6.000 Tirol-Urlauber aus 45 Staaten hätten sich beim Verbraucherschutzverein (VSV) als Geschädigte gemeldet. Die Anklagebehörde leitete daraufhin wegen des Verdachts der Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten ein Ermittlungsverfahren, zunächst gegen Unbekannt, ein.

Den Behörden wurde vorgeworfen, zu spät und nicht umfassend genug reagiert zu haben. Der VSV brachte eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck ein, die sich unter anderem auch gegen Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), Landesrat Bernhard Tilg (ÖVP), Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber, Bürgermeister und Seilbahngesellschaften richtete.

Quelle: Agenturen / apb