Bursch nach sexueller Belästigung am Keplerplatz verurteilt

25. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Ende Juni sind zwei Frauen am Keplerplatz in Wien-Favoriten von einer Gruppe junger Männer sexuell belästigt worden. Der Hauptverdächtige, ein 17-jähriger Algerier, soll die Betroffenen zu einer Freundin verfolgt und alle drei vor deren Wohnung bedrängt haben. Eine Woche später wurde er festgenommen, nachdem er in einem Supermarkt handgreiflich geworden war. Seither saß der bisher Unbescholtene in U-Haft. Nun wurde er am Landesgericht verurteilt.

Der Angeklagte erhielt wegen sexueller Belästigung, Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und anderer Vergehen acht Monate Haft, davon zwei unbedingt. Er nahm das Urteil an, ohne Erklärung der Staatsanwaltschaft ist der Schuldspruch noch nicht rechtskräftig. Im Anschluss an die Haft erhält der Verurteilte Bewährungshilfe. Eine Sexual- und Anti-Gewalttherapie bei einem gemeinnützigen Wiener Verein wird ihm darüber hinaus zuteil.

Zwei Frauen im Alter von 19 und 21 Jahren waren am 28. Juni mit dem Zug von Oberösterreich nach Wien gekommen, um mit einer Freundin Geburtstag zu feiern. Am Keplerplatz stiegen sie aus der U-Bahn aus und wurden sogleich von einer Gruppe junger Männer angesprochen, sexuell belästigt und begrapscht. Der Angeklagte selbst habe sie "immer wieder betatscht", schilderte die Jüngere vor Gericht. Er habe sich auch nach ausdrücklicher Abweisung weiterhin aufdringlich gezeigt: "Ich hab gesagt, er soll das lassen. Er hat gesagt 'Sie gehört mir'", gab die 19-Jährige zu Protokoll. Der Angeklagte behauptete beharrlich, dass ihn keine der Frauen zum Gehen aufgefordert hätte.

Schließlich habe der Angeklagte seinen Arm um ihre Schulter gelegt, sie festgehalten und "mehrmals am Po betatscht", sein Begleiter habe ihre Freundin "eher unten angefasst", berichtete die 19-Jährige. Ihre 21-jährige Freundin gab an, "von mehreren Männern am Po und in der Nähe der Brüste berührt" worden zu sein.

Der Angeklagte selbst beteuerte, sie vor den aufdringlichen Männern beschützt zu haben. Er sei ihr auf ausdrücklichen Wunsch zur Wohnung ihrer Freundin gefolgt. Die Vorwürfe seien erfunden, da seine Anwesenheit den Frauen unangenehm gewesen sei. Am Keplerplatz sei er nur gewesen, um zu arbeiten, weil es dort "viele Araber" gebe.

Gemeinsam mit einem zweiten Asylwerber, der sich laut seinem Betreuer mittlerweile ins Ausland abgesetzt hat, soll er den Frauen bis zu der Wohnung nachgegangen sein. Diesen kenne er nicht, sagte der Angeklagten. Laut Aussage der 18-Jährigen, die an jenem Abend ihren Geburtstag feierte, waren die fremden Männer in Begleitung ihrer zwei Freundinnen vor ihrer Tür erschienen. Der Angeklagte schaffte es sogar, in die Wohnung zu kommen. Verbal und mit Gesten hätten sie ihn vergeblich gebeten, sich zu entfernen. Nachdem es den drei verängstigten jungen Frauen gelungen war, ihn mit einem Vorwand in den Flur zu locken, soll er gegen die geschlossene Eingangstür getreten und diese beschädigt haben. Die Zeuginnen hatten laut eigener Aussage Angst, vom aggressiv auftretenden 17-Jährigen vergewaltigt zu werden.

Laut eigener Aussage sei der Angeklagte in Algerien geboren und habe dort bis zum Alter von zwölf Jahren gelebt. Über Serbien sei er nach Österreich gekommen und in den Asylunterkünften Traiskirchen, Korneuburg, Simmering und Klingenbach untergebracht gewesen. In Traiskirchen schien sein Name laut Richter Krasa in keinem Register auf. Er konsumiere wenig Alkohol, rauche aber täglich einen Joint - wegen "schlechter Erinnerungen" habe ihm ein Arzt Medikamente verschrieben.

Unter deren Einfluss sei er auch gestanden, als er am 5. Juli einen handgreiflichen Streit mit dem Personal eines Wiener Penny-Marktes angezettelt haben soll. Er sei im Laden schon als Dieb bekannt gewesen, weshalb man ihn besonders im Auge gehabt hatte, erklärte der vor Gericht angehörte Filialleiter.

An jenem Tag habe der Algerier einen Marmorkuchen aus dem Regal genommen, ausgepackt und angebissen, die Mehlspeise anschließend aber wieder zurückgelegt. Als der Filialleiter ihn zur Rede stellte, sei er laut geworden, habe dem Ladenchef mit den Fäusten ins Gesicht und gegen den Kopf geschlagen und schließlich versucht, ein Klappmesser zu zücken. Gemeinsam mit dem Kassier und einem Kunden konnte der laut fluchende und wild um sich schlagende Algerier entwaffnet und am Boden fixiert werden. Der ebenfalls angehörte Kassier zeigte ein Video vom Vorfall auf seinem Handy.

In Polizeigewahrsam sei der Angeklagte "renitent und unkooperativ" gewesen, man habe ihn davon abhalten müssen, sich selbst zu verletzen, berichteten die Beamten. Er habe mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen, geschrien und Justizwachebeamte angegriffen. Laut Amtsarzt habe er sich jeweils in einer psychischen Ausnahmesituation befunden, zurückzuführen seien diese auf traumatische Kindheitserfahrungen.

Quelle: Agenturen