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Brunner segnete Asfinag-Programm ohne Lobautunnel ab

15. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) hat das aktuelle Straßenbauprogramm der Asfinag unterschrieben, das den S1-Ausbau um Wien inklusive Lobautunnel nicht beinhaltet. Das Umweltministerium sprach gegenüber der APA von "einem wichtigen Schritt". Im Finanzministerium will man das dagegen nicht als Absage für die Lobauautobahn verstehen. Man stelle damit lediglich das "notwendige budgetäre Einvernehmen" für die vom Umwelt- bzw. Verkehrsministerium eingemeldeten Bauprojekte her.

"Damit liegt die Verantwortung beim Lobautunnel weiterhin bei Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne, Anm.). Sie muss jetzt entscheiden, ob der Lobautunnel gebaut wird - oder ob sie tatsächlich dieses Projekt abbläst. Und vor allem muss sie dafür Sorge tragen, dass eine etwaige Alternative nicht zu Mehrkosten führt", teilte das Finanzministerium der APA mit.

Auch in einer Stellungnahme des Verfassungsdienstes in Abstimmung mit der Finanzprokuratur werde betont, "dass die Unterschrift nicht als Absage an den Lobautunnel gewertet werden kann", hatte der "Kurier" zuvor berichtet. Dieser Schritt war laut Finanzministerium lediglich eine Notwendigkeit, dass alle anderen Straßenbau-Projekte "wie geplant fortgesetzt werden können".

"Die Zustimmung des Finanzministeriums zum neuen Bauprogramm ist ein wichtiger Schritt. Jetzt kann die Asfinag den Auftrag des Bauprogramms auf Basis des Klimachecks mit der notwendigen Rechtssicherheit umsetzen", hieß es seitens des Umweltministeriums. Dort sei die weitere Vorgehensweise klar festgelegt: "Klimaschädliche Großprojekte wie der Lobautunnel werden nicht weiterverfolgt. Gleichzeitig haben wir Mittel für die Planung von besseren Alternativen vorgesehen. Zu dieser Alternativenplanung haben wir die Stadt Wien und das Land Niederösterreich bereits mehrmals eingeladen", erläuterte das Ressort von Gewessler.

Finanzminister Brunner betonte dazu: "Der Standortfaktor Infrastruktur wird im internationalen Wettbewerb um Wachstum und Wohlstand immer wichtiger. Daher ist der weitere Infrastrukturausbau ein zentrales Anliegen dieser Bundesregierung. Auch die Bevölkerung erwartet sich bei zentralen Projekten Verlässlichkeit und Klarheit. Für uns ist wichtig, dass sorgsam mit dem Geld der Steuerzahler umgegangen wird und deshalb haben wir klargemacht, dass etwaige politische Entscheidungen nicht zu Mehrkosten führen dürfen."

Wiens Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) zeigte sich im Gespräch mit der APA enttäuscht. "Das ist ein Kniefall vor den Grünen", befand sie. Der Finanzminister habe sich über den Tisch ziehen lassen. "Das hätte er nie unterschreiben dürfen." Es wäre, so vermutete sie, durchaus auch möglich gewesen, nur einen Teil des Programms zu unterschreiben.

Nun sei die Finanzierung der dringend nötigen Transitverbindung jedenfalls für zwei Jahre nicht gegeben, beklagte sie. Und selbst wenn danach doch ein Baustart erfolgen könne, würde die aktuelle Baukostensteigerung hier zu deutlichen Mehrkosten - im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen - führen.

Auch Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp befand, dass die ÖVP hier vor den Grünen "in die Knie" gegangen ist. Er bekrittelte eine "fatale Entscheidung". ÖVP-Verkehrssprecher Andreas Ottenschläger versicherte hingegen ebenfalls, dass die Unterzeichnung keine Absage für das Projekt darstelle.

Genau eine solche wünschen sich hingegen Umweltorganisationen wie VIRUS. Deren Sprecher Wolfgang Rehm freute sich via Aussendung: "Damit sind im relevanten Dokument auch noch die letzten kleinen Formalia erfüllt, um das neue Programm ohne die von der Klimaschutzministerin abgesagten Lobauautobahn, Marchfeldschnellstraße & Co umzusetzen."

Quelle: Agenturen