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Besonders früh: Die Grippewelle ist da

30. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Die Grippewelle hat begonnen - und das wie von Expertinnen und Experten erwartet früher als üblich.

Grippewellen starten in unserer Region meistens erst im Dezember oder Anfang Jänner mit dem Höhepunkt im Februar. Seit Beginn dieser Woche konnte "ein massiver Anstieg von Influenzavirus-Nachweisen in klinischen Proben aus dem gesamten Bundesgebiet beobachtet werden", hieß es am Dienstagabend seitens der MedUni Wien. "Dies signalisiert den Beginn der Grippewelle in Österreich."

Influenza-A-Viren zirkulieren

Im Lauf der vergangenen Wochen sei bereits eine Zunahme der Influenza-Aktivität in ganz Österreich zu beobachten gewesen, erläuterte das Zentrum für Virologie der MedUni auf seiner Internetseite. Nun zeige auch die gemeinsame Schätzung der Influenza und grippeähnlichen Erkrankungen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) eine weitere Zunahme der Anzahl an Neuerkrankungen.

Derzeit zirkulieren zum großen Teil Influenza-A-Viren, berichtete das Zentrum für Virologie. Diese entsprechen den in den Influenzaimpfungen enthaltenen Virusstämmen, deshalb wurde weiterhin zur Impfung geraten.

Weitverbreitete Influenzavirusaktivität in mehreren Ländern

Deutschland, Kasachstan, Malta, Rumänien und Schottland melden bereits weitverbreitete Influenzavirusaktivität, erläuterte die MedUni. In Frankreich, Deutschland, Griechenland, Israel, Kasachstan, Kirgisien, den Niederlanden, Portugal, Spanien und Schottland liege die Positivrate in den eingesendeten Stichproben bei über zehn Prozent. Das entspreche somit einer epidemischen Zirkulation, also ebenfalls einer Grippewelle.

Auch RS-Virus-Ansteckungen steigen

Seit November steigen in Wien auch die Ansteckungen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus, kurz RS-Virus, ungewöhnlich stark an. „Dabei handelt es sich um eine Atemwegserkrankung, die für Kinder unter einem Jahr besonders gefährlich sein kann,“ erklärt Herbert Kurz, Leiter der Kinder- und Jugendheilkunde in der Klinik Donaustadt.  Während Erwachsene meist ein paar Tage mit Erkältungssymptomen belastet sind, müssen Babys und Kleinkinder oft stationär im Spital aufgenommen werden und benötigen Atemunterstützung.

„Das führt dazu, dass in ganz Wien die Kinderbetten in den Spitälern außergewöhnlich stark ausgelastet sind“, erklärt der Kinderarzt. In der Klinik Donaustadt sind beispielsweise von den 32 Betten, die üblicherweise für Kinder mit Infektionserkrankungen zur Verfügung stehen, 27 Säuglinge mit RS-Viren belegt, nur zwei Betten sind am heutigen Tag insgesamt noch frei. „Derzeit müssen die Betten für die Allerkleinsten freigeschaufelt werden, es ist ein tägliches Jonglieren“, so der Kinderexperte. Ein ähnliches Bild zeigt sich in ganz Europa und Nordamerika.

Pandemie hat Auswirkungen auf Infektionswellen

„Die RS-Viren treten üblicherweise in der kalten Jahreszeit auf. Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie haben das Muster des Auftretens anderer Viren aber verändert. Während im ersten Jahr der Pandemie die RSV-Welle gänzlich ausfiel, kam sie 2021 früher als sonst schon im September, und heuer zeigt sich eine außergewöhnlich starke Welle“, erklärt Kurz. Deshalb ist es wichtig, erste Symptome zu erkennen. Kurz: „Diese sind starker Schnupfen mit glasig-durchsichtigem Nasensekret und Husten. Oft haben diese Kinder kein oder kein hohes Fieber. Ein Warnsignal ist eher, wenn sie sich beim Trinken oder Atmen plagen. Dann muss man sofort zur Kinderärztin/zum Kinderarzt bzw. wenn diese/r nicht erreichbar ist, in die Spitalsambulanz.“

Je jünger die Kinder – am meisten gefährdet sind Säuglinge in den ersten Wochen und Monaten - desto schwerwiegender kann der Verlauf sein. Wenn irgendwie möglich sollten die ganz Kleinen jetzt auch nicht mit vielen Menschen zusammenkommen. Daher gilt es, Menschenansammlungen möglichst zu vermeiden. „Erwachsene und Kinder ab dem 6. Lebensmonat sollten jetzt auch gegen die echte Grippe geimpft werden. Ein gemeinsames Auftreten von RS-Viren und Grippe würde betroffene Kinder und auch die Kinderabteilungen noch zusätzlich belasten“ so Kurz.

Mehr dazu:

RS-Virus große Gefahr für Kinder

PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros unterhält sich mit Herbert Kurz, Leiter der Kinder- und Jugendheilkunde der Klinik Donaustadt, über den RS-Virus bei Kindern und über die Grippewelle 2022.

Quelle: Agenturen / Redaktion / ddj