APA - Austria Presse Agentur

Beschuldigte nach Gerasdorfer Bluttat schweigen

06. Juli 2020 · Lesedauer 2 min

Das im Zusammenhang mit der Bluttat in Gerasdorf bei Wien (Bezirk Korneuburg) an Mamichan U. alias Martin B. (43) vom Samstagabend festgenommene Duo schweigt. Für die Polizei sei die Motivlage weiterhin offen, betonte Roland Scherscher, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) Niederösterreich, am Montag auf APA-Anfrage.

Es könnte demnach eine politische Handlung ebenso vorliegen wie etwa ein Streit, sagte Scherscher. Er bestätigte, dass das Opfer an der B7 in Gerasdorf von mehreren Schüssen getroffen worden war. Im Zusammenhang mit der Festnahme des 47 Jahre alten mutmaßlichen Schützen noch am Samstagabend in Linz verwies der LVT-Chef auf dessen Gefährlichkeit. Den polizeilichen Einsatz u.a. unter Mitwirkung des EKO-Cobra lobte Scherscher ausdrücklich.

Bestätigt wurde von der Landespolizeidirektion Niederösterreich am Montag, dass Mamichan U. alias Martin B. "vor der an ihm ausgeführten Gewalttat einen polizeilichen Personenschutz abgelehnt hat". Über die Beschuldigten - neben dem 47-Jährigen auch ein zunächst als Zeuge geführter zehn Jahre jüngerer Mann, ebenfalls aus der tschetschenischen Community, so Friedrich Köhl von der Staatsanwaltschaft Korneuburg, wurde noch am Wochenende die U-Haft verhängt.

Der 37-Jährige war mit dem späteren Opfer nach Gerasdorf gekommen. Das bestätigten am Montag sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft. Der Mann wurde ebenfalls am Samstagabend festgenommen.

Am Montag wurde zudem bekannt, dass Mamichan U. alias Martin B. mehrfach vorbestraft war. Er wurde u.a. wegen Schlepperei, Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung und falscher Zeugenaussage verurteilt. Zuletzt hatte er bis Spätsommer 2019 eine Freiheitsstrafe verbüßt, aus der er Anfang September bedingt entlassen wurde.

Der mutmaßliche Schütze soll in strafrechtlicher Hinsicht ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt sein. Der 47-Jährige war in Ansfelden (Bezirk Linz-Land) gemeldet, wo nach seiner Festnahme eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde. Ob dabei Beweismaterial sichergestellt wurde, das in Richtung eines Auftragsmordes deuten könnte, blieb vorerst unklar. Als gesichert kann gelten, dass der am Samstag getötete 43-Jährige mit seinem Youtube-Channel, in dem er sich in den vergangenen Monaten äußerst kritisch mit der Führung der russischen Teilrepublik Tschetschenien auseinandergesetzt hatte, den dortigen Regionalpräsidenten Ramsan Kadyrow gegen sich aufgebracht haben dürfte.

Quelle: Agenturen