ORF Russlandkorrespondentin Carola Schneider (re.)
ORF

Belarus: ORF-Team von Polizei festgehalten

10. Aug 2021 · Lesedauer 2 min

ORF-Korrespondentin Carola Schneider und ihr Kameramann wurden am Montag bei einem Dreh in Minsk von der Polizei festgehalten und auf die Wache gebracht.

Am Montag jährte sich die gefälschte Wahl von Weißrusslands Präsidenten Alexander Lukaschenko. Russland-Korrespondentin Carola Schneider befand sich zum Jahrestag in der Hauptstadt Minsk und drehte dort für den ORF. 

Auf PULS 24 Anfrage bestätigte der Österreichische Rundfunk, dass es dabei zu einem Zwischenfall mit der Polizei kam. Zuerst berichtete die belarussische Menschenrechtsorganisation Wjasna am Dienstagvormittag von der Szene.

Zivil-Polizisten beendeten Passanten-Befragung

"Polizisten in Zivil haben gestern in Minsk am Unabhängigkeitsplatz einen Kameramann sowie eine Journalistin des österreichischen Fernsehens festgenommen, die eine Passantin interviewte", berichtete Wjasna auf Twitter. Sie seien zu einem hinter der Roten Kapelle (bekannte katholische Kirche, Anm.) befindlichen grauen Ford Transit und anschließend zu einem blauen Lastwagen der Marke MAZ gebracht worden.  Der weitere Aufenthaltsort der Journalisten sei unbekannt, schrieb die renommierte NGO, die selbst unter massivem staatlichen Druck steht. 

Die beiden Journalisten wurden festgehalten und auf eine Wache gebracht. "Diese konnten sie zeitnah nach der Bestätigung ihrer Akkreditierungen wieder verlassen", hieß es aus dem ORF-Zentrum. Die österreichische Botschafterin in Minsk und das Außenministerium wurden über den Vorfall informiert.

Außenministerium protestiert

Das österreichische Außenministerium bestätigte am Dienstagnachmittag den Vorfall ebenfalls. "Österreich hat gegen diese Vorgehensweise umgehend Protest bei den belarussischen Behörden eingelegt", erklärte ein Sprecher des Ministeriums gegenüber der APA und bezeichnete die Anhaltung des ORF-Kamerateams als "völlig inakzeptabel". Man erwarte, dass Journalistinnen und Journalisten ihrer Arbeit ungehindert nachgehen können und die Medienfreiheit in vollem Umfang gewahrt werde, betonte er.

Der Machtapparat des umstrittenen Präsidenten Alexander Lukaschenko geht in Belarus (Weißrussland) immer wieder hart gegen Kritiker und Andersdenkende vor. Zuletzt hatte es Razzien gegen unabhängige Medien und Nichtregierungsorganisationen gegeben, bei denen mehrere Menschen festgenommen wurden. Die EU erkennt den immer wieder als "letzten Diktator Europas" kritisierten Lukaschenko seit der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl vor rund einem Jahr nicht mehr als Staatsoberhaupt an. Bei Protesten in den Monaten nach der Wahl gab es mehrere Tote, Hunderte Verletzte und Tausende Festnahmen. Im Zuge der Proteste wurden auch internationalen Medienvertretern, etwa des deutschen Fernsehsenders ARD, zumindest vorübergehend die Akkreditierungen entzogen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam