APA - Austria Presse Agentur

Beirut: Regierung wurde vor Gefahr gewarnt

11. Aug 2020 · Lesedauer 2 min

Sechs Jahre lagerten 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat im Hafen von Beirut - zuletzt soll die Regierung im Juli von Sicherheitsexperten explizit davor gewarnt worden sein.

Sicherheitsexperten haben die libanesische Regierung nach Reuters-Informationen im Juli vor den verheerenden Folgen einer Explosion im Hafen von Beirut gewarnt. Dabei wurden explizit die 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat erwähnt, die vergangene Woche vermutlich zu der gewaltigen Explosion führten, die große Teile der Stadt zerstört hat.

Sechs Jahre

Die Chemikalien hatten der Regierung zufolge sechs Jahre lang ungesichert im Hafen gelagert. Die Warnung der Sicherheitsexperten sei an Ministerpräsident Hassan Diab und Präsident Michel Aoun gegangen, sagten mit entsprechenden Berichten vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Im jüngsten Bericht der Generaldirektion für Staatssicherheit gebe es einen Hinweis auf einen Brief an die beiden Politiker, der am 20. Juli verschickt worden sei. Der Inhalt des Briefs geht aus dem Bericht, den Reuters einsehen konnte, nicht hervor.

"Ich habe sie gewarnt, dass das Beirut zerstören kann, wenn es explodiert."

Ein mit den Vorgängen Vertrauter sagte aber, das Schreiben habe die Ergebnisse einer Untersuchung zum Inhalt gehabt. Darin sei der Schluss gezogen worden, dass die Chemikalien umgehend abgesichert werden müssten. "Es gab die Gefahr, dass das Material, sofern es gestohlen worden wäre, für Terroranschläge genutzt werden könnte", so die Person, die an der Formulierung des Briefs beteiligt war und nicht namentlich genannt werden will. "Ich habe sie gewarnt, dass das Beirut zerstören kann, wenn es explodiert."

Regierung schweigt und tritt zurück

Die Büros des Ministerpräsidenten und des Präsidenten ließen Anfragen zu dem Brief unbeantwortet. Auch die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht äußern.

Nach tagelangen Protesten hatte die Regierung am Montag ihren Rücktritt angekündigt, bleibt aber übergangsweise im Amt. Demonstranten in Beirut werfen ihr Versagen und Korruption vor. Der Wiederaufbau dürfte das krisengeplagte Land bis zu 15 Milliarden Dollar (12,75 Mrd. Euro) kosten.

Diabs Kabinett bleibt zunächst geschäftsführend im Amt. Wegen vieler unterschiedlicher Interessen haben Regierungsbildungen im Libanon in der Vergangenheit häufiger lange gedauert. Die Macht in dem kleinen Land am Mittelmeer ist nach einem Proporzsystem unter den Konfessionen aufgeteilt. Der Premier muss immer ein Sunnit sein, der Staatschef ein Christ und der Parlamentspräsident ein Schiit.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe