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Antrag für Fünf-Länder-Biosphärenpark bei UNESCO eingereicht

07. Mai 2020 · Lesedauer 3 min

Das Österreichische Nationalkomitee für das UNESCO-Programm "Man and the Biosphere" (MAB) hat am Mittwoch im Namen der fünf beteiligten Länder Österreich, Kroatien, Ungarn, Serbien und Slowenien den Antrag zur Aufnahme des "Mur-Drau-Donau"-Korridors in das Weltnetzwerk der Biosphärenparks bei der UNESCO in Paris eingereicht. Das Gebiet wäre damit der weltweit erste Fünf-Länder-Biosphärenpark.

Das Österreichische Nationalkomitee für das UNESCO-Programm "Man and the Biosphere" (MAB) hat am Mittwoch im Namen der fünf beteiligten Länder Österreich, Kroatien, Ungarn, Serbien und Slowenien den Antrag zur Aufnahme des "Mur-Drau-Donau"-Korridors in das Weltnetzwerk der Biosphärenparks bei der UNESCO in Paris eingereicht. Das Gebiet wäre damit der weltweit erste Fünf-Länder-Biosphärenpark.

"Der von der Donau und ihren Nebenflüssen Mur und Drau gebildete Korridor ist die wertvollste zusammenhängenden Flusslandschaft Mitteleuropas - er wird deshalb als der 'Amazonas Europas' bezeichnet", erklärte Günter Köck von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), die mit der Durchführung des MAB-Programms in Österreich beauftragt ist, gegenüber der APA. Mit einer Gesamtfläche von rund 930.000 Hektar und einer Länge von 700 Kilometern würde mit dem Biosphärenpark Europas größtes Flussschutzgebiet entstehen. Dieses erstreckt sich von der Mur über die Drau bis zur Donau und damit von Österreich über Slowenien, Ungarn und Kroatien bis nach Serbien. Mit einer offiziellen Anerkennung durch die UNESCO sei im Sommer 2021 zu rechnen, sagte Köck.

Die streng geschützten Auenlandschaften entlang der drei Flüsse bilden die Kern- und Pufferzonen des Biosphärenparks. Sie sind mit einer Gesamtfläche von 280.000 Hektar erheblich größer als alle österreichischen Nationalparks zusammen. Umgeben ist dieses Gebiet von einer sogenannten Entwicklungszone im Ausmaß von rund 650.000 Hektar, die als Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum der etwa 900.000 Einwohner fungiert.

Ihre Siedlungen werden von den intakten Auen nicht nur vor Hochwasser geschützt und mit sauberen Trinkwasser versorgt. "Die reizvolle Landschaft hat zudem großes Potenzial für einen nachhaltigen Tourismus", so Köck. Das Flussökosystem mit seinen etwa eine Million Hektar umfassenden Überschwemmungsgebieten stellt auch für unzählige Vogelarten einen wichtigen Lebensraum dar, etwa für Seeadler, die im "Mur-Drau-Donau"-Korridor mit über 140 Brutpaaren die größte Dichte Europas haben.

Der Vorsitzende des österreichischen MAB-Nationalkomitees, Arne Arnberger von der Universität für Bodenkultur unterstreicht die völkerverbindende Bedeutung des Projekts: "Dieser Biosphärenpark bringt die Menschen in fünf Ländern Europas wieder stärker zusammen und ist damit ein Paradebeispiel für multilaterale Zusammenarbeit."

Der "Mur-Drau-Donau"-Korridor verbindet vier bereits bestehende nationale Biosphärenparks und 13 Großschutzgebieten entlang der drei Flüsse. Der WWF hatte sich bereits seit den 1990er-Jahren mit zahlreichen Partnern für den Erhalt der Flusslandschaft eingesetzt, 2011 unterzeichneten dann die Umweltminister aller fünf Länder eine Erklärung, in der sie sich zur Einrichtung eines grenzüberschreitenden Biosphärenparks verpflichtet hatten. Es folgte ein langwieriger und schwieriger Einigungsprozess, ehe es Köck und Gerhard Schwach vom Landwirtschaftsministerium schließlich gelungen ist, die gemeinsame Einreichung der fünf Länder zu realisieren. Aus Österreich waren neben dem MAB-Nationalkomitee und dem Landwirtschaftsministerium, das Land Steiermark und der WWF an der Antragstellung beteiligt.

Weltweit gibt es derzeit über 701 Biosphärenparks in 124 Staaten, 21 davon sind grenzüberschreitend. Sie dienen nicht nur dem Schutz und der Pflege bestimmter Ökosysteme, sondern auch der ökologischen Forschung, der umweltgerechten Landnutzung und der Bildung im Bereich nachhaltiger Entwicklung. Anders als Nationalparks schützen Biosphärenparks nicht nur unberührte Natur, sondern auch vom Menschen bewohnte und oft über Jahrhunderte gestaltete Kulturlandschaften.

(SERVICE - Internet: http://www.biosphaerenparks.at/)

Quelle: Agenturen