Anschober zu St. Wolfgang: "Es ist eine klare Sachentscheidung"

28. Juli 2020 · Lesedauer 3 min

Das Coronavirus-Cluster in St. Wolfgang ist mittlerweile auf 62 Infizierte gewachsen.

"Es ist eine klare Sachentscheidung", sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Im Interview mit PULS 24 Reporterin Alexandra Wachter verneint er, dass wirtschaftliche Interessen beim Beschluss, die Hotels nicht zu schließen, vordergründig gewesen seien. 

Das Kontaktpersonenmanagement in Sankt Wolfgang funktioniere gut, sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Eine Schließung sei deshalb nicht notwendig. Die Entscheidung liege aber bei den regionalen Behörden.

Die Zahl der Infizierten im Salzkammergut-Tourismusort St. Wolfgang (Bezirk Gmunden) ist bis zum späten Montagabend auf 62 angestiegen. Das teilte der Krisenstab des Landes Oberösterreich mit. 38 von insgesamt 1.183 Testergebnisse waren noch ausständig. LHStv. Christine Haberlander (ÖVP) und Mitglieder des Krisenstabs des Landes verteidigten das bisherige Vorgehen der Behörden in der Causa.

Betroffen waren demnach 17 Hotels bzw. Lokale und ein Geschäft in St. Wolfgang, ein Gasthaus und ein Badeplatz in der Ortschaft Ried/St. Gilgen im Bundesland Salzburg sowie ein Gasthof in Stobl (ebenfalls Bundesland Salzburg).

 

Kritik von der SPÖ am Corona-Management der Regierung

Am Dienstag hatte eine Hotelmitarbeiterin in St. Wolfgang Corona-Symptome gezeigt. Sie wurde noch am selben Tag getestet. Mittwochfrüh wurde der Krisenstab des Landes über das positive Ergebnis informiert. Man habe sofort mit groß angelegten Testungen und dem Kontaktpersonenmanagement begonnen, hieß es dort. Die Öffentlichkeit wurde allerdings erst am Freitag unterrichtet, damals waren acht Fälle bekannt.

Gruppe soll "eingeclustert" werden

Wenn Infizierte in ihre Heimatbezirke zurückkehren, werden die zuständigen Bezirkshauptmannschaften informiert, erklärte Carmen Breitwieser, Bezirkshauptfrau von Steyr-Land und Mitglied des Krisenstabs. Ob im Kreis der Kontaktpersonen auch Leute aus dem Ausland dabei seien, blieb unklar. Sie gehe aber davon aus, dass es so sei. Insgesamt sei man zuversichtlich, die Gruppe "einclustern" zu können, beim Contact-Tracing stoße man immer wieder auf Personen, die man bereits erfasst habe. Seit Montag müssen Abreisende zudem ihre Daten verpflichtend hinterlassen.

Weitere Maßnahmen, wie etwa eine Quarantäne für den Ort oder Betriebsschließungen halten Haberlander und der Krisenstab daher derzeit nicht für nötig. Man habe zwar eine Schließung von Nachtlokalen überlegt, aber die beiden, die es im Ort gibt, hätten ohnehin freiwillig geschlossen, so die Landeshauptmann-Stellvertreterin.

Sie habe mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) aber vereinbart, dass die Mitarbeiter der betroffenen Betriebe in sieben bis acht Tagen erneut durch die AGES getestet werden, so Haberlander. Zudem werden erneut alle Gäste ersucht sich zu melden, die Lokale "13er Haus" und "W3", wo infizierte Praktikanten gefeiert hatten, seit dem 15. Juli besucht haben.

Tilman Königswieser, Ärztlicher Direktor des Salzkammergut Klinikums und ebenfalls Mitglied im Krisenstab, verwies zudem darauf, dass Oberösterreich derzeit eine Intensivpatientenrate von 0,5 bis 0,6 Prozent habe. Er führt das darauf zurück, dass man viel teste und, dass sich "die Richtigen" angesteckt hätten - junge Leute, die weniger zu schweren Verläufen neigen.

Kein zweites Ischgl

Dagegen, dass vor allem ausländische Medien ein zweites Ischgl in den Raum stellen, verwehrte man sich: Einerseits habe Oberösterreich bereits vorher Maßnahmen gesetzt wie die Maskenpflicht, andererseits habe man rasch mit dem Testen und dem Kontaktpersonen-Management begonnen. Königswieser wies zudem darauf hin, dass St. Wolfgang knapp 3.000 Einwohner und 1.000 Touristen zähle, in Ischgl seien es 25.000 Gäste gewesen - da hätte man "gar keine Chance" gehabt, alle rasch durchzutesten.

Was eine künftige Ampel betrifft, so zeige St. Wolfgang einen "wunden Punkt" auf, sagte Haberlander. Denn der Bezirk Gmunden weist derzeit weniger Infizierte aus als St. Wolfgang, da die Betroffenen ihren Heimatbezirken zugerechnet werden. Hier müsse man sich überlegen, welche Kennzahlen man verwenden wolle, so Haberlander.

Quelle: Agenturen / Redaktion / spe