APA - Austria Presse Agentur

Anschlag in Wien: Mutmaßlicher Waffen-Vermittler in U-Haft

16. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Laut bislang geheimen Ermittlungen traf ein 20-jähriger Verdächtiger den Attentäter am Tag vor dessen Anschlag, zuvor soll er ihn mit einem Waffenhändler vernetzt haben.

Am 2. November 2020 starben beim Anschlag im Wiener Bermudadreieck vier Menschen, 23 weitere wurde zum Teil schwer verletzt. Nur einen Tag zuvor soll der spätere Attentäter einen weiteren Verdächtigen bei einem Dönerstand in Alterlaa getroffen haben, wie "der Standard" berichtet. Bei beiden handelt es sich schon zu diesem Zeitpunkt um bereits verurteilte Jihadisten. 

Brisant ist, dass der 20-jährige Verdächtige die erste Spur zur Herkunft der Tatwaffe sein könnte: Das soll der Verdächtige, der seit April 2021 in U-Haft sitzt, zumindest selbst laut einem Bericht des Verfassungsschutzes gesagt haben. Über einen damaligen Mithäftling in der Justizanstalt Hirtenberg soll er den späteren Attentäter mit einem Waffen- und Munitionsverkäufer vernetzt haben. Am Tag vor dem Attentat hätten sich die beiden am Dönerstand aber über "normale Dinge" unterhalten, sagte der 20-Jährige in seiner Einvernahme.

Kommunikation durch Zellenfenster

In seinen Vernehmungen zum Terroranschlag sagte der Verdächtige auch aus, dass er den Attentäter seit seiner Kindheit kannte. Die beiden Familien seien eng miteinander verbunden gewesen. Er erzählte, dass er auch mit dem späteren Attentäter in Haft gewesen sei. In der Justizanstalt Josefstadt hätten sie allerdings nur über die Fenster Kontakt gehabt. Nach der Haft sei die Verbindung der beiden "sporadisch" gewesen. Auch einen Deradikalisierungskurs soll die beiden gemeinsam besucht haben. 

Der 20-jährige Wiener, der nun zum dritten Mal in Haft ist, gilt für die Behörden als Beispiel dafür, "wie sich derart radikalsalafistisches Gedankengut in zweiter Generation auswirken kann", schreibt der "Standard". Denn auch sein Vater soll im "Umfeld der Muslimbruderschaft" agieren - er ist aber kein Beschuldigter der "Operation Luxor"

Verbindung zu Muslimbruderschaft?

Bei einer Hausdurchsuchung beim Sohn, der den Attentäter kannte, wurden offenbar mehr als 140 Gigabyte IS-Material gefunden, er soll in mehreren einschlägigen Chat-Gruppen aktiv gewesen sein (deshalb wurde er zwei Mal verurteilt). Die Ermittler versuchen den Fall des 20-Jährigen wegen seines Vaters als Beleg für Verbindungen zwischen stark unterschiedlichen Milieus heranzuziehen. Allerdings geht es bei der "Operation Luxor" um angebliche Muslimbrüder, denen Terrorfinanzierung im Ausland vorgeworfen wird. Ganz anders verhält es sich beim radikalen Jihadismus in Form der Terrorbande "IS", die gerade in Europa Anschläge durchführen will, schreibt der "Standard". Durch die Ermittlungen rund um den Anschlag sei die "Operation Luxor" aber prioritär eingestuft worden.

Sieben Personen in U-Haft

Aktuell wird jedenfalls gegen insgesamt 32 namentlich bekannte Personen im Zusammenhang mit dem Anschlag in Wien ermittelt. Sieben Personen befinden sich in U-Haft. Von den sieben Personen wurden vier direkt nach dem Anschlag festgenommen. Noch immer ist nicht klar, wie groß das Islamisten-Netzwerk des Attentäters ist. Auch wo die spätere Tatwaffe genau gekauft wurde, scheint noch unklar zu sein.

Quelle: Redaktion / koa