Anrainer-Anzeige nach Red-Bull-Flugshow in Salzburg
Nach der Flugshow mit extralauten Oldtimer-Maschinen und zwei beteiligten Eurofightern des Bundesheers haben den Anrainerschutzverband besonders viele Beschwerden erreicht, teilte die ASA-Sprecherin, die ehemalige Grüne Landeshauptmannstellvertreterin und spätere Nationalratsabgeordnete Astrid Rössler, am Freitag mit. Sie sprach von einer außerordentlich hohen Lärmbelastung. Man habe darum offizielle Auskünfte beim Land Salzburg, beim Flughafen und bei der Austro Control angefordert und die Flugspuren ausgewertet.
Das Ergebnis: Es gab im Bescheid eine ganze Reihe von Auflagen zum Schutz von Umwelt und Bevölkerung vor übermäßigem Fluglärm und Gefährdung durch extrem niedrige Überflüge. Tatsächlich sei aber keine Vorinformation oder Warnung der Bevölkerung durch den Veranstalter erfolgt. Der Flughafen habe den Anrainerschutzverband lediglich darüber informiert, dass "neben einem bunten Rahmenprogramm am Boden auch Flugverkehr der Flying-Bulls-Flotte geplant ist".
Zugleich hätten mehrfach Überflüge von dicht besiedelten Wohngebieten nur knapp über Grund - teilweise in nur wenigen Dutzend Metern Höhe - stattgefunden. Das Naturschutzgebiet Hammerauer Moor sei viermal weit unterhalb der vorgegebenen Höhe überflogen worden. Außerdem hätten die Flugmanöver nur in einer "eng definierten Displaybox", also einem genau abgegrenzten Bereich, ausschließlich über dem Rollfeld stattfinden sollen - was ebenfalls nicht passiert sei.
"Sonderbewilligung der Austro Control unverzüglich widerrufen"
Der ASA fordert die Behörden nun dazu auf, den Sachverhalt zu prüfen und allenfalls die erforderlichen Strafverfahren einzuleiten. Weiters wurde das Magistrat ersucht, die von der Austro Control erteilte Bewilligung zur Unterschreitung der Mindestflughöhen für bestimmte Piloten und Flugzeuge "aufgrund der massiven Übertretungen der Luftverkehrsregeln" unverzüglich zu widerrufen.
Zuletzt hatte Rössler bereits den Überflug zweier Eurofighter kritisiert. Dazu gibt es auch im Parlament in Wien eine Anfrage: Der grüne Abgeordnete David Stögmüller will vom Innen- und Verteidigungsministerium wissen, warum für eine private Veranstaltung ein "militärischer Showeinsatz" erlaubt worden sei.
Der Hangar-7 am Flughafen war wegen Renovierungsarbeiten für mehrere Monate geschlossen. Die Wiedereröffnung war eine private Veranstaltung nur für geladene Gäste. Die Flugshow war für maximal 30 Minuten, ein Training am Vortag für maximal 15 Minuten genehmigt. Für den Event wurde der Salzburger Flughafen für eine Stunde geschlossen. Nennenswerte Verzögerungen oder Flugumleitungen habe es deswegen aber nicht gegeben, sagte ein Flughafensprecher später.
Zusammenfassung
- Nach der Flugshow zur Wiedereröffnung des Hangar-7 am 4. Juni in Salzburg hat der Anrainerschutzverband ASA die Red-Bull-Fliegerstaffel 'Flying Bulls' angezeigt, weil zahlreiche Auflagen zum Schutz der Bevölkerung verletzt worden seien.
- Laut ASA kam es zu außergewöhnlich hoher Lärmbelastung, mehreren Überflügen dicht besiedelter Gebiete in nur wenigen Dutzend Metern Höhe und vier Überflügen des Hammerauer Moors unterhalb der vorgeschriebenen Flughöhe.
- Die Flugshow war für maximal 30 Minuten genehmigt, der Flughafen wurde für eine Stunde gesperrt, und die ASA fordert nun den Widerruf der Sonderbewilligung sowie die Einleitung von Strafverfahren.