AFP

Amoklauf in Texas: "Es hätte in ein paar Minuten vorbei sein können"

27. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Nach dem Amoklauf an der Robb Elementary School mit 21 Toten sieht sich die Polizei mit immer schärferer Kritik konfrontiert: Sie sei zu zögerlich vorgegangen.

Es war eine äußerst chaotische Pressekonferenz, die Victor Escalon vom Ministerium für öffentliche Sicherheit in Texas am Donnerstag (Ortszeit) abhielt. Sichtlich erschüttert erläuterte er den Ablauf vom Eintreffen der Beamten bis hin zur Erschießung des 18-jährigen Attentäters. "Es ist tragisch. Wir sind alle innerlich verletzt."

Doch neben der allgemeinen Trauer herrscht auch Verwirrung über die Vorgangsweise der Polizei, die sich in immer größere Widersprüche verstrickt.

War zu Beginn noch davon die Rede, dass der 18-Jährige von einem Sicherheitsbeamten der Schule erschossen wurde, so hieß es später, dass der Beamte ihn lediglich konfrontiert und das Feuer nicht eröffnet hätte. Beide Versionen musste die Polizei zurücknehmen – der Täter konnte die Schule um 11:40 Uhr (Ortszeit) "ungehindert betreten".

Schließlich konnte erst eine Einheit der Grenzpolizei dem Täter habhaft werden und ihn erschießen. Was zwischen dem ersten Notruf und der "Neutralisierung" des Täters passierte, verschwieg Escalon.

"Geht hinein, geht hinein!"

Weiters wird den Polizisten vorgeworfen zu spät eingeschritten zu sein. Laut Escalon wären die Polizisten nicht ausreichend ausgerüstet gewesen und hätten Verstärkung anfordern müssen. Dennoch sei man unterdessen nicht untätig gewesen: Man habe Kinder und Lehrkräfte in Sicherheit gebracht. "Wir sind ins Gebäude gegangen, haben Fenster eingeschlagen, Kinder herausgebracht", sagte der Polizist Juan Maldonado. Den Zeitpunkt dieser Rettungsaktion und eventuelle weitere Beamte wollte Maldonado nicht nennen.

Vor Ort spielten sich unterdessen Szenen der Verzweiflung ab. Victor Luna, der Vater eines Kindes, das ebenfalls die Robb Elementary School besucht, bat die Polizisten um um eine schusssichere Weste und eine Waffe: "Ich habe zu einem Polizisten gesagt, dass, wenn sie nicht hineingehen wollen, er mir seine Waffe und Weste geben soll. Dann gehe ich selbst hinein und erledige die Sache selbst. Sie sagten nein."

"Geht hinein, geht hinein!" hörte Augenzeuge Juan Carranza einige Frauen schreien. Doch die Beamten hätten das Gebäude nicht betreten.

Dabei sollten Polizisten so schnell wie möglich den Täter "neutralisieren". "Das ist unter allen Umständen die oberste Priorität der Beamten", so die pensionierte FBI-Beamtin Katherine Schweit im Gespräch mit der "New York Times". "Auch wenn sich jemand einsperrt, wollen wir hinein und diese Person bekommen. Jeder mit einer Waffe, der Menschen getötet hat ist eine Gefahr und muss neutralisiert werden", so Schweit.

Die Praxis wonach Polizisten bei einem Amoklauf an einer Schule Verstärkung anfordern sollten, war nach der Schießerei an der Columbine High School mit 12 Toten etabliert worden. Nach einer Schießerei an einer High School in Florida im Jahr 2018 stellte man diese Vorgangsweise aber in Frage.

Mutter fast verhaftet

Doch nicht nur der Einsatz an sich sorgt für Aufsehen. Auch der Umgang mit Eltern vor Ort zieht Kritik nach sich. Medienberichte und Videoaufnahmen zeigen, wie verzweifelte Eltern, die in die Schule stürmen wollten, von der Polizei zu Boden gedrückt wurden und in Handschellen gelegt wurden. Andere sollen mit Pfefferspray und Tasern am Betreten der Schule gehindert worden sein. Eine Mutter soll fast verhaftet worden sein.

Das Weiße Haus verlangt wegen der Vorgangsweise der Polizei keine Untersuchung, denn Präsident Joe Biden "hat den größten Respekt für Männer und Frauen der Exekutive".

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp