Ambulante Psychotherapie verbessert psychische Gesundheit
Die Patientinnen und Patienten wurden zu Beginn und am Ende ihrer Therapie befragt. Depressive Symptome sowie Angstsymptome hätten signifikant abgenommen, und die Funktionsfähigkeit im Alltag habe sich deutlich verbessert, berichtete Humer. Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und innere Stabilität nahmen im Lauf der Therapie zu. Die Ergebnisse seien mit internationalen Studien vergleichbar, klinisch relevante Verschlechterungen seien nur selten aufgetreten. In Österreich werde der überwiegende Teil der Psychotherapien in den niedergelassenen Praxen durchgeführt, unterstrich Humer die Bedeutung der Studie für die Berufsgruppe. In die Untersuchung flossen alle in Österreich zugelassenen 23 Therapiemethoden mit ein.
Insgesamt ortet Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie, einen wachsenden Bedarf bei psychosozialer Versorgung. In den vergangenen Jahren sehe man eine Zunahme an depressiven Störungen, Belastungssymptomen, Ängsten, Stress und Schlafstörungen, berichtete Humer. "Wir erleben, dass Patienten generell besser informiert sind und oft mit einer digitalen Selbstdiagnose zu uns kommen", sagte Haid zu aktuellen Entwicklungen. Traumafolgenstörungen oder ADHS seien Selbstdiagnosen, mit denen man immer wieder konfrontiert sei. Ob solche Erkrankungen tatsächlich vorliegen, könne nur eine sorgfältige Diagnose durch Therapeuten ergeben. "Wichtig ist, sauber zu diagnostizieren und zu beruhigen", meinte Haid.
Im Herbst startet die neue akademische Berufsausbildung für Psychotherapie. Auf verschiedene Bachelorstudien folgt das Masterstudium Psychotherapie als zweiter Abschnitt. Österreichweit stünden ab 1. Oktober pro Jahr 500 Ausbildungsplätze zur Verfügung, 75 Prozent der Plätze seien Bewerbern mit österreichischem Reifezeugnis vorbehalten, erklärte Thomas Probst, Universitätsprofessor für Psychotherapie und -forschung sowie Gründungsdirektor der Universitätsambulanz für Psychotherapie in Salzburg. "Der Bedarf ist größer als die Zahl der verfügbaren Plätze", sagte Probst.
Aufhebung der Kontingente gewünscht
Nach dem Masterstudium ist ein postgradualer Ausbildungsabschnitt mit Vertiefung in einer psychotherapeutischen Methode vorgesehen. Dabei seien unter anderem 1.000 Stunden psychotherapeutische Behandlung in der Praxis nachzuweisen, betonte Haid. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit der Approbationsprüfung. Die Psychotherapeutin regte an, dass auch die Finanzierung dieses dritten Abschnitts von der öffentlichen Hand finanziert werde, um Hürden abzubauen.
Der Berufsverband wünscht sich für die Zukunft, dass Kontingente für Psychotherapie aufgehoben und alle Patienten die vollen Kosten für Therapie erstattet bekommen. Es brauche kostendeckende Tarife für Kassenpsychotherapie und eine österreichweit einheitliche Versorgung, lautet die Forderung.
Zusammenfassung
- Rund 23 Prozent der Menschen in Österreich waren 2024 von psychischen Erkrankungen betroffen, wie eine aktuelle Studie mit 87 Psychotherapeuten und 163 Patienten zeigt.
- Die ambulante Psychotherapie in Praxen führte laut Studie von 2020 bis 2024 zu signifikanten Verbesserungen bei depressiven und Angstsymptomen sowie der Alltagsfunktion, während klinisch relevante Verschlechterungen selten auftraten.
- Ab Herbst 2024 stehen jährlich 500 Ausbildungsplätze für das neue Psychotherapie-Studium zur Verfügung, wobei der Berufsverband eine Aufhebung der Kontingente und volle Kostenübernahme für alle Patienten fordert.
